02. April 2019, 07:53 Uhr

Bürgermeister

Ein Jahr mit Überraschungen für Andreas Sommer

Es war ein ziemlicher Schwenk, aber Bürgermeister Andreas Sommer ist ein Jahr nach dem Amtsantritt in Mücke noch mit der neuen Berufswahl zufrieden. Viel Arbeit gab es natürlich auch im ersten Jahr.
02. April 2019, 07:53 Uhr
Bürgermeister Andreas Sommer vor dem neuen Trauzimmer im alten Rathaus in Nieder-Ohmen. Dort wird er demnächst seine erste Trauung abhalten. (Foto: rs)

Vom Forsthaus in die Gemeindeverwaltung – ist der Wechsel schwergefallen?

Andreas Sommer: Gar nicht. Der Einstieg war leicht. Verwaltung kenne ich, wenn auch aus dem forstlichen Bereich. Die Aufnahme in der Gemeindeverwaltung war zudem sehr nett. Um es in einem Bild zu sagen: Ich bin auf einen fahrenden Dampfer aufgesprungen und gleich mitgenommen worden. In der Verwaltung habe ich tolle und loyale Mitarbeiter vorgefunden.

Zur Entspannung sind Sie in Ihr Revier im Burgwald eingetaucht, haben vielleicht einen Bock geschossen. Haben Sie das auch im neuen Amt?

Sommer: Ja, im Revier habe ich einen Bock geschossen, aber im Amt... (denkt kurz nach ). Doch, vielleicht die Sache mit den Mülleimern. Wenn man die Problematik in Relation zu den anderen Dingen in Mücke sieht, war das sicher eine Kleinigkeit. Aber im Nachhinein halte ich das in der Sache immer noch für richtig. Denn wo kein Mülleimer ist, sollte man auch keinen Müll hinterlassen. Und das ist auch eingetreten. Man hat schließlich keinen Anspruch, dass einem die Gemeinde den Müll entsorgt.

Sie sind mit dem Willen angetreten, eine neue Kommunikationskultur anzustoßen. Ist das gelungen?

Sommer: Ich glaube ja. Kommunikation ist die Basis für eine gute Zusammenarbeit, und ich gebe den Beteiligten alle Informationen zu den Vorgängen. Dann müssen sie sich damit befassen und abwägen, schließlich eine Position beziehen. Beispiel Kindergärten: Ich habe den Wunsch der Erzieherinnen weitergegeben, dass sich die Fraktionen selbst ein Bild in den Einrichtungen machen sollten. Das haben sie getan und sie sind mit Eindrücken wiedergekommen, die sie in Anträge umgemünzt haben. Eigene Eindrücke sind immer besser als Entscheidungen vom grünen Tisch aus.

War das ein Beitrag, Streitigkeiten zwischen den Fraktionen zu mindern?

Sommer: Mittlerweile kommt es mir manchem fast schon zu harmonisch vor. Im Gemeindevorstand wird sehr viel einstimmig auf den Weg gebracht, und wenn es bis zur Entscheidung zum aktuellen Doppelhaushalt auch ein langer Weg war, so mündete er doch in einen einvernehmlichen Abschluss mit Kompromissbereitschaft von allen Seiten.

Eine Ausnahme ist die doppelte Bahnhofsproblematik: Für den Bahnhof Mücke steht eine Verwendung aus, der Keller ist nass, das Dach undicht. Und in Nieder-Ohmen wird das Gebäude erst mal keine Außenstelle der Gemeindeverwaltung.

Sommer: Für den Bahnhof Mücke wünsche ich mir mehr Ideen. Die sollten auch von den Gemeindevertretern kommen. Ich habe auch nicht verstanden, dass man ein Objekt kauft, ohne zu wissen, was man damit macht.

Es klang an, dass Ortsbeiräte und Vereine Förderung des Landes zu wenig nutzen, auch wenn sie leicht zu bekommen sind?

Sommer: Das ist leider der Fall. Und wie einfach das geht, zeigt ja das Beispiel Ober-Ohmen: Dort hat der Ortsbeirat recht einfach 5000 Euro Förderung erhalten und saniert jetzt das Backhaus. Das finde ich super. Vielleicht bedarf es noch weiterer Anstöße, dass die örtlichen Gremien so etwas aufgreifen, denn die Verwaltung kann nicht alles leisten.

Hatten Sie im neuen Amt auch mal einen freien Tag in der Woche?

Sommer: Nein, jedenfalls nicht als feste Einrichtung. Aber ich habe meiner Frau versprochen, dass wir das noch hinbekommen. Andererseits: Das Jahr ging schnell rum, und das ist ein gutes Zeichen dafür, dass es Spaß gemacht hat. Und ich wusste, was auf mich zukommt.

Sie haben Sprechstunden eingeführt, über 150 Bürger haben Sie wahrgenommen. Gibt es einen Trend bei den Anliegen?

Sommer: Es sind kleinere Missstände, die Bürger kommen lassen, defekte Straße, störener Bewuchs, lästiges Laub. Oder wenn jemand erweitern oder bauen will, und die Pläne stehen dem Vorhaben zuwider. Wie auch immer dann eine Entscheidung ausfällt, man darf sich nicht verstecken und muss offen mit den Anliegen umgehen.

Was sind Ihre Anliegen, nachdem große Herausforderungen wie Kinderbetreuung auf den Weg gebracht worden sind?

Sommer: Die Vereinsförderrichtlinien müssen breiter aufgestellt werden, sie sind zu sportlastig. Ich strebe eine Zusammenstellung der alten, liebenswerten Bäume in Mücke an und eine Übersicht zu den seltenen Arten wie Äsche, Eisvogel und Wachtel in Mücke. Schließlich wird es eine AG Tourismus geben. Und ich wundere mich, dass auf kommunaler Ebene alles immer mehr, größer und besser sein muss. Denn zum Erhalten eine lebenswerten Zukunft gehört auch ein sparsamer Umgang mit Fläche und Offenland. So wie es der bekannte Nieder-Ohmener Prof. Harald Lesch am Sonntagabend in der ARD bei Anne Will gesagt hat.

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