21. März 2019, 08:00 Uhr

Bürgerbus

Bürgerbus: Warum die Gemündener skeptisch sind

Von Bürgern für Bürger. So lautet das Konzept des Bürgerbusses, den das Land zur Verfügung stellt. In Feldatal rollt der Bus bereits. In Gemünden hält sich die Begeisterung in Grenzen. Aber warum?
21. März 2019, 08:00 Uhr
Das Thema Bürgerbus geht in Gemünden am 15. April in eine zweite Diskussionsrunde. (dpa)

Der Saal im Dorfgemeinschaftshaus Nieder-Gemünden hätte voll sein müssen. So war die Erwartungshaltung am Dienstag von kommunalpolitisch Aktiven zur Informationsveranstaltung der Gemeinde über den Bürgerbus. Aber unter den wenigen Anwesenden waren über die Hälfte aus der Kommunalpolitik oder anderen ehrenamtlichen Einrichtungen bekannt. Und von den Anwesenden wurden viele Gründe genannt, die gegen einen Bürgerbus in Gemünden sprechen: Wer organisiert? Wer kümmert sich um das Fahrzeug? Wer fährt? Bürgermeister Lothar Bott und Verwaltungsmitarbeiterin Dunja Werneburg führten mehrfach Ablauf und Nutzungsmöglichkeiten an.

Für den Betrieb eines Bürgerbusses muss eine ausreichende Anzahl an Freiwilligen als Fahrer und Telefondienst da sein, es sollten zwei bis sieben Betriebstage in der Woche sein, die Fahrer benötigen den kleinen Beförderungsschein, müssen mindestens 21 Jahre alt und im Besitz der Führerscheinklasse B sein, zählte Bürgermeister Bott einige Eckdaten auf. Ein Bürgerbus könne genutzt werden für Arztbesuche, Einkauf, Teilnahme an Veranstaltungen, von Vereinen und als Lückenschluss zum Angebot des öffentlichen Nahverkehr dienen. Er sollte nicht im Wettbewerb zu Bus und Bahn stehen. Gefördert werden vom Land das Fahrzeug, die Schulung und die Beratung. Der Bürgerbus sollte langfristig Bestand haben und sich refinanzieren aus Werbung und Spenden, nicht aus Fahrgeldeinnahmen.

 

In Hainbach fahren Bürger sowieso zusammen

Und es muss sich laut Bott jemand findet, der den Hut auf hat. In Feldatal macht das der Gewerbeverein, in Grebenhain ist es eine Nachbarschaftshilfe. »In Gemünden haben wir weder Bürger- noch Gewerbeverein. Können wir es trotzdem? Wollen wir es?« Mit diesen Fragen eröffnete der Bürgermeister die Diskussion. Gemeindevertreter Lukas Becker (SPD) meinte, ein Bürgerbus wäre eine Bereicherung, aber die Menschen dafür müssten gefunden werden. Hainbachs Ortsvorsteher Werner Lutz sagte, »vom Grundsatz her finde ich das in Ordnung, es müssen ein Träger und die Fahrer gefunden werden.« Und er wies auf eine Besonderheit in seinem Dorf hin: In Hainbach hat sich die Gewohnheit entwickelt, dass Bewohner mit Auto, wenn sie außerhalb etwas erledigen, einen anderen mitnehmen oder die Fahrt auch mal machen, wenn der Nachbar den Bedarf hat. Das ist alles freiwillig, weder organisiert noch bezuschusst, klappt aber seit Jahren.

Weil die Diskussion etwas schleppend anfing, warb der Bürgermeister dafür, dass etwa ein sporttreibender Verein federführend sein könne, denn ein Fahrzeug sei beispielsweise für die Jugendbetreuung sehr sinnvoll. Und Verwaltungsmitarbeiterin Dunja Werneburg nannte als Beispiel für einen Tag, dass an einem Samstag Morgen eine Rundfahrt über die Ortsteile geht, um in einem Ort bei mehreren Geschäften einzukaufen. Nachmittags fährt man dann die E-Jugend zu einem Auswärtsspiel, und abends benötigt die Burschenschaft ein Taxi zu einem Treffen im Nachbarort. In diesem Sinne warb auch Erster Beigeordneter Eckhard Kömpf für so ein Projekt.

 

Zweiter Infoabend geplant

»Ich dachte, ich komme rein, und es ist voll. Die geringe Anwesenheit zeigt, einen Bürgerbus brauchen wir nicht, ohne hier schlechte Stimmung verbreiten zu wollen«, meinte SPD-Beigeordneter Peter Gabriel, inzwischen auch Vorsitzender des Seniorenbeirates. Zudem sah er den Bedarf als noch offen an, dazu müsste konkreter ermittelt werden. Dem hielt Bürgermeister Bott entgegen, beim E-Mobil-Projekt habe man im Vorfeld einen Bedarf ermittelt, der letztlich weit über die tatsächliche Nachfrage hinausgegangen sei. TSV-Vorsitzender Tobias Reitz (auch BGG-Gemeindevertreter) schätzt, dass das Projekt nur im Ehrenamt nicht zu leisten ist. Ins Laufen komme es vielleicht, wenn zumindest die tägliche Betreuung bei einem Gewerbe, etwa einem Autohaus, angesiedelt wäre, sagte er.

Bürgermeister Bott schlug einen zweiten Infoabend vor, bis dahin sollten noch mögliche Träger angesprochen werden, und es sei zu erwarten, dass die wenigen Anwesenden beim ersten Mal in ihrem Umfeld das Thema verbreiten. So wie es Hainbachs Ortsvorsteher Werner Lutz am Montagabend bei der örtlichen »Abendschule« machen wird: Dann treffen sich im Schützenheim rund 20 Personen jeden Alters und reden über alles mögliche. Ein weiteres Beispiel für die intakte Dorfgemeinschaft.

Vielleicht kommen ja bei einem zweiten Termin am Montag, dem 15. April, mehr Bürger um 19 Uhr.

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