20. März 2019, 12:00 Uhr

Schneiderlehre

Von Alsfeld aus die Modewelt erobern

Junge Frauen und ganz wenige Männer kommen aus ganz Deutschland nach Alsfeld, um an der Berufsschule ihre Karriere in der Modewelt zu starten.
20. März 2019, 12:00 Uhr
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Aus der Redaktion
Reger Betrieb und kreatives Flirren herrschen in den Ausbildungswerkstätten der Max-Eyth-Schule.

Die Nähmaschinen im Ausbildungsbereich der Alsfelder Maßschneiderinnen und Maßschneider rattern in diesen Tagen noch ein wenig lauter und schneller als sonst. Drei Ausbildungsjahrgänge arbeiten dem Highlight des Jahres entgegen. Alljährlich im Frühling präsentieren an die fünfzig angehende Mode- und Maßschneider ihre Jahrgangsarbeiten. In diesem Jahr lautet das Motto »Fernweh«. Die jungen Modekünstler haben eine Reise um die Welt vorbereitet, interpretieren landestypische Schnitte und Muster, aber auch Landschaften, Farben und das eine oder andere Klischee.

»Die Ausrichtung der Modenschau ist die Königsdisziplin in unserer Ausbildung«, erläutert Ruth Henkel. Die Damen- und Herrenschneidermeisterin und Schnittdirektrice ist eine von vier Ausbilderinnen und zwei Berufsschullehrerinnen an der Alsfelder Schule, die eine vollwertige Ausbildung mit Gesellenprüfung anbietet.

»Hier werden alle Kompetenzen abgefragt, die eine gute Maßschneiderin, ein guter Maßschneider braucht». Zur Fertigung der Kleidungsstücke, die je nach Ausbildungsstand unterschiedliche Schwierigkeitsgrade haben, gehören neben der Idee für einen guten Entwurf und die perfekte Ausführung der Näharbeiten die Auswahl und Beschaffung der Stoffe und Accessoires sowie das Beherrschen unterschiedlicher Nähtechniken.

 

Eventplanung, wirtschaftliches Denken, Öffentlichkeitsarbeit auf dem Stundenplan

Hinzu kommen Zeitmanagement und vorausschauendes Arbeiten. Die Schüler im dritten Lehrjahr, die mit der Organisation und Durchführung der Modenschau betraut sind, müssen darüber hinaus auf diesem Gebiet zeigen, was sie können – Eventplanung, wirtschaftliches Denken, Öffentlichkeitsarbeit. Verschiedenen Kompetenzen und vielfältige Interessen werden in der Ausbildung geschult und gefördert. Das Schöne am Beruf ist, dass man später unendlich viele Einsatzmöglichkeiten hat, sagt Fachbereichsleiterin Susanne Fricke. »Auszubildende mit künstlerischer Ader mag es an ein Theater ziehen, andere können ihre Technikleidenschaft ausleben und eine Aufgabe in der industriellen Textilfertigung wahrnehmen. Wieder andere können ein Designstudium anschließen oder sich mit einem Atelier selbstständig machen.«

Diese und viele weitere Möglichkeiten haben die jungen Menschen, die im dritten Lehrjahr sind und somit kurz vor der Gesellenprüfung stehen. »Mit der Prüfung vor der Handwerkskammer wird deutlich, dass unsere Ausbildung auf einem Niveau mit der Lehre in einem Handwerksbetrieb steht«, so Henkel, die überzeugt ist, dass durch die Unabhängigkeit von wirtschaftlich notwendigen Aufträgen mehr Vielfalt gelehrt und gelernt werden kann.

Die jungen Frauen und wenigen Männer, die aus ganz Deutschland nach Alsfeld kommen, um ihre Karriere in der Modewelt zu starten, profitieren von dieser Freiheit genauso wie von dem guten, fast familiären Miteinander. »Gerade die jüngeren Auszubildenden, die direkt nach der Schule zum ersten Mal von zu Hause weg sind, sind hier gut aufgehoben«, finden Ausbilderinnen und Schulleitung.

 

Ins Ausland mit Erasmus

Mit vielen Ideen haben die jungen Stoffkünstler ihre Modelle für die Modenschau entwickelt. Die Max-Eyth-Schule pflegt intensive Kontakte zu Schulen und Einrichtungen im europäischen Ausland. Davon profitiert die Abteilung Textiltechnik und Bekleidung, die ihre Auszubildenden zu Praktika im Ausland schickt. Hoch im Kurs steht derzeit Italien. In verschiedenen kleinen, aber feinen Handwerksbetrieben in Vicenza erlernen die jungen Leute ganz neue Aspekte der Handarbeit, der Schnittführung oder der Arbeit von Schmucktechniken. Und das ohne zusätzliche Kosten, Auslandsaufenthalte werden über das Erasmus-Programm finanziert. »Unsere Auszubildenden haben mit ihrem Gesellenbrief alle Möglichkeiten in der Modewelt«, zeigen sich Henkel und Fricke überzeugt: »Wer in der Modebranche etwas werden will, der kommt um Alsfeld nicht herum«.

Die Anmeldefrist für die Ausbildung zur Maßschneiderin oder zum Maßschneider hat begonnen. Interessenten aus ganz Deutschland und teilweise auch aus der ganzen Welt stehen in den Startlöchern. Ihre Karriere könnte in Alsfeld beginnen. Die Modenschau findet am 4. April statt.



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