14. März 2019, 21:56 Uhr

Einblick unter 500 Jahre altes Dach

14. März 2019, 21:56 Uhr
Großen Zuspruch gibt es bei den Führungen durch das Herrenhaus der Burg-Gemündener Burganlage durch Hans Rittmannsperger (links im Bild) und Roland Albert, hier die Bibliothek. (Fotos: eva)

Gemünden-Burg-Gemünden (eva). Großer Besucherandrang herrschte am Sonntag beim »Tag der offenen Burg und Kirche« in Burg-Gemünden, zu dem im Rahmen der Gemündener Kulturwochen eingeladen worden war. Überraschend war, dass sich die Besucher auch von den stürmischen Wetterkapriolen nicht abhalten ließen, dem Burg-Gemündener Schlossberg mit Burg und Kirche einen Besuch abzustatten.

Während die Besichtigung der Burganlage von Ortsvorsteher Florian Albert, Gertraud Justus, Andrea und Roland Albert sowie Ulrich Kratz vorbereitet worden war, waren es Pfarrerin Ursula Kadelka und Gerhard Fleischhauer, die während der Führungen über die Entstehung und den Werdegang der Burg-Gemündener Kirche informierten, die in verschiedenen Epochen gebaut, gestaltet und immer wieder renoviert wurde.

Die von 1749 bis 1751 erbaute Kirche, in die Reste der zuvor dort gestandenen Schlosskapelle (von 1499) einbezogen wurden, hat beide Konfessionen in ihren Mauern beherbergt. Die letzte große Renovierung der Kirche von Grund auf wurde abschnittsweise von 1975 bis 1989 durchgeführt. Unter anderem wurden die aus der Zeit der Schlosskapelle stammenden orientalischen Muster, die Wandteppichen gleichen und in denen die fünf Andreaskreuze enthalten sind, freigelegt. Obwohl, so berichtete Pfarrerin Kadelka, die Kirche im Gegensatz zum benachbarten Schloss zu den Gottesdiensten immer geöffnet ist, hätten die Besucher, die an den Führungen am Sonntag teilnahmen, für sich doch noch einmal das eine oder andere Neue entdeckt, auch wenn die meisten denken würden, »die Kirche kenne ich doch.«

Der Ansturm auf das benachbarte Herrenhaus, das sich ebenso wie die gesamte Burganlage in Privatbesitz befindet, war den ganzen Tag über ungebremst. Rund 350 Besucher waren gekommen, um die Burganlage zu besichtigen. Die Besitzer der Anlage, Eckart und Hans Rittmannsperger, hatten die Burg für die Öffentlichkeit geöffnet und es sich nicht nehmen lassen, die Führungen persönlich zu leiten. Die Burg war von der Familie gekauft und das Herrenhaus saniert und 1996 eingeweiht worden. Die angrenzende große Zehntscheuer wurde bislang nur statisch gesichert.

Im Erdgeschoss des »Herrenhauses« gibt es einen großen Wohnbereich, eine atmosphärisch sehr ansprechende Küche und in einem Anbau eine Sauna. Im Obergeschoss gehen von der geräumigen Bibliothek drei Schlafräume ab, und im Dachgeschoss befindet sich unter dem 500 Jahre alten Dachstuhl ein geräumiger großer Raum. Und es gibt auf dieser Ebene noch weitere Schlafzimmer. Im gesamten Herrenhaus schafft die Spannung zwischen Alt und Neu einen ganz besonderen Reiz.

Die gesamte Anlage blickt, wie auch Roland Albert bei den Führungen erläuterte, auf bewegte Zeiten zurück. »Vieles bleibt dabei im Dunkeln, aber das, was bekannt ist, reicht aus, um eine spannende Geschichte zu rekonstruieren«, berichtete Albert, der die Führungen mit alten Fotografien, Plänen und Bildern aus Privatbesitz und aus dem Gemeindearchiv untermauerte.

Die »Burgherren« Rittmannsperger erläuterten dann das schwierige Geschäft der Erhaltung sowie Restaurierung und präsentierten dem sehr interessierten Publikum jeden Alters die Besonderheiten der mittelalterlichen und barocken Baukunst.

»Statt der geplanten fünf mussten angesichts des Andrangs 14 Führungen stattfinden«, erläuterte Albert im Nachgang der sehr gut angenommenen Veranstaltung. Unter den vielen Besucher waren auch ehemalige Schlossbewohner, die nach dem Krieg und zum Teil bis in die 1970er Jahre in Wohnungen in der Zehntscheune und im Herrenhaus gewohnt hatten und die noch interessante Einzelheiten zum damaligen Leben auf dem Burggelände erzählen konnten.

Im Schlosshof herrschte den ganzen Tag über reges Treiben. Während Vertreter der Vereine wie Obst- und Gartenbauverein und Freiwillige Feuerwehr vor Ort in einem schützenden Zelt die Bewirtung mit Getränken und Grillwürstchen übernommen hatten, waren es die Burg-Gemündener Landfrauen, die das Kuchenbuffet bestückt hatten.

Zufriedene Kommentare waren am Ende des Tages von allen Seiten zu hören. Hans Rittmannsperger bilanzierte: »Es ist toll, wenn eine Bevölkerung so hinter ihrem kulturellen Erbe steht und sich dafür interessiert. Ich bin überwältigt von der Resonanz, die ich heute erlebt habe.«

Inzwischen besteht für Interessenten die Möglichkeit, das Herrenhaus der Burganlage in Burg-Gemünden für Familientreffen, Tagungen oder Kurzurlaube zu mieten.

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