02. Februar 2011, 19:58 Uhr

Freiheit für Schulen - Warteschleifen vermeiden

Vogelsbergkreis (jol). Die Schulen werden selbstständiger - und er freut sich über das Mehr an Freiheit, weil so die Lehranstalten in Hessen eigene Schwerpunkte festsetzen und Schüler individueller fördern können: Mario Döweling aus Kirtorf. Der schulpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion hat am neuen Schulgesetz mitgewirkt, das nun auf dem Weg ist und ab Sommer gelten soll. »Das ist bundesweit einmalig«, wie er im Gespräch mit Bildungspolitikern der FDP in Berlin erfahren hat.
02. Februar 2011, 19:58 Uhr
Wirbt für neues Schulgesetz: Mario Döweling, schulpolitischer Sprecher der Landtags-FDP, aus Kirtorf. (Foto: jol)
Vogelsbergkreis (jol). Die Schulen werden selbstständiger - und er freut sich über das Mehr an Freiheit, weil so die Lehranstalten in Hessen eigene Schwerpunkte festsetzen und Schüler individueller fördern können: Mario Döweling aus Kirtorf. Der schulpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion hat am neuen Schulgesetz mitgewirkt, das nun auf dem Weg ist und ab Sommer gelten soll. »Das ist bundsweit einmalig«, wie er im Gespräch mit Bildungspolitikern der FDP in Berlin erfahren hat. Im Gespräch mit der Allgemeinen verweist Döweling darauf, dass CDU/FDP zuerst die Zahl der Lehrer im Land um 2150 Stellen erhöht haben, nun kommt die größere Freiheit für die Schulen. Dabei sind jahrelange Übergangsfristen vorgesehen, um Lehrer und Schulleitungen nicht zu überfordern. Eine praktische Auswirkung: Weil die Max-Eyth-Schule Alsfeld beschlossen hat, sich bereits in diesem Jahr auf den Weg zur selbstständigen Schule zu machen, bekommt sie eineinhalb Lehrerstellen mehr.

An dem Beispiel der zusätzliche Lehrerstellen erläutert Döweling das neue System: Die Mittel für die Lehrerstellen stehen der Schule zur Verfügung, diese kann sie für Sachmittel, Lehrer oder Schulsozialarbeit nutzen. »Freiheit im organisatorischen und pädagogischen Bereich« bedeute, dass die Schule deutlich mehr Mittel in eigener Verantwortung hat. Das heißt aber nicht, dass sie in eigener Regie die Benotung abschaffen kann. Immerhin will das FDP-geführte Bildungsministerium von Dorothea Henzler eine Vergleichbarkeit der Zeugnisse erreichen. Dafür braucht es Noten, zum Beispiel für den Fall, wenn ein Jugendlicher die Schule wechselt.

Die Schulleitung hat in dem neuen Schulgesetz, das in dieser Woche im Landtag beraten wird, mehr Kompetenzen. So ermöglicht das Gesetz künftig einen Schulvorstand, also eine Art kleinere geschäftsführende Schulleitung. Künftig kann die Schulleitung auch Beförderungen bis zur Gehaltsstufe A 14 selbstständig vornehmen, das war bislang Aufgabe des Schulamts. Das Schulamt wird mehr mit der Aufsicht der selbständigeren Schulen zu tun haben. Zudem soll das Schulamt Hilfestellung bei der Entwicklung der Schulen bieten. So haben die Schulen künftig die Hoheit über drei Budgets: diejenigen für Computerausrüstung, Fortbildungen und Vertretungslehrer. Zudem werden die Sachmittel für Schulbücher selbst verwaltet, wenn auch kontrolliert, weil ja in die Lernmittelfreiheit gesetzlich vorgeschrieben ist.

Nur zum Teil nachvollziehen kann Döweling die Kritik von Gewerkschaftern, wonach die selbstständige Schule dazu dienen kann, den Mangel künftig selbst verwalten zu dürfen. Immerhin habe die schwarz-gelbe Landesregierung dafür gesorgt, dass binnen drei Jahren 2150 zusätzliche Lehrer eingestellt wurden. Deshalb seien weniger Mittel für Vertretungslehrer nötig und die Kürzung in diesem Bereich sei vollkommen gerechtfertigt. Bis zum Schuljahr 2013/2014 soll die Lehrerversorgung bei 105% des Bedarfs liegen, dann wären die Schulen sehr gut bedient. Das Land Hessen sei da im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr aktiv, auch wenn das Bildungsministerium natürlich seinen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten muss.

Er habe in vielen Gesprächen mit Schulleitungen positive Rückmeldungen über den Bildungskurs seiner Partei bekommen, so Döweling. Und für eine Einrichtung wie die Max-Eyth-Schule ändere sich wenig. Sie habe erst kürzlich beschlossen, sich auf den Weg einer selbstständigen Schule zu machen und war bislang eine »SV plus-Schule«, die an dem Modellprojekt für die selbstständige Schule beteiligt war. Der gelernte Lehrer Döweling sieht im neuen Schulgesetz echte Fortschritte für die Schulen, so könnten anderen Prüfungsformen als die klassischen schriftlichen Arbeiten genutzt werden, die Schule kann vermehrt auf E-Learning setzen - halt mehr Verantwortung bei der Schule selbst.

Ein Ziel ist dabei, das selbstorganisierte Lernen der Schüler zu unterstützen. Die internationalen Vergleichsstudien hätten gezeigt, so Döweling, dass deutsche Schüler bei den Lerninhalten gut sind, aber das Gelernte nicht für andere Wissenbereiche nutzen können - den Transfer von Wissen nicht so gut beherrschen. Deshalb legt man Wert auf einen Grundstock an Wissen und den Bereich der Kompetenzen.

Das gilt nicht allein für Oberstufenschulen wie Albert-Schweitzer-Schule oder Max-Eyth-Schule, auch Gesamtschulen und Haupt-/Realschulen sind da einbezogen. »Wir müssen es erreichen, mehr auf die individuellen Fähigkeiten der Schüler einzugehen«. Dabei geht es neben der pädagogischen Fragestellung um die finanziellen Folgen: »Warteschleifen von Schülern kosten viel Geld«, so Döweling. Schüler sollten lieber frühzeitig gefördert werden, statt sie eine Klasse wiederholen zu lassen.

Das soll auch an den »Mittelstufenschulen« geschehen. In diesen Haupt- und Realschulen der Zukunft sollen die Ergebnisse aktueller Modellprojekte einfließen. Auch dabei gelte wieder, dass die einzelne Schule deutlich mehr Freiheiten als früher hat, die Förderung der Schüler hinzubekommen. Jedenfalls soll den Hauptschülern der Zugang in Berufe erleichtert werden (Praktika, Kooperation mit Berufsschulen), die Realschüler sollen auf den Besuch weiterführender Schulen vorbereitet werden. Dabei musste die FDP in den Verhandlungen mit den Schulpolitikern der CDU Federn lassen, die durchsetzten, dass bereits ab Klasse 6 eine Differenzierung in den Hauptfächern erfolgt. Wie das geschieht, liege im Ermessen der Schule.

Nicht zuletzt erfasst das neue Schulgesetz auch den Bereich Inklusion, wenn Schüler mit Behinderungen in Regelschulen unterrichtet werden. Mittelfristig wird sich da viel für die bisherigen Förderschulen ändern, ist Döweling überzeugt, aber auch da gilt: Erst müssen die Voraussetzungen geschaffen sein, um zum Beispiel blinde Jugendliche in Regelschulen zu unterrichten.

Das Schulgesetz beinhaltet viele »Kann-Bestimmungen«, so Döweling. Die Schulen sollen mehr Freiheiten haben, je nach den Bedingungen vor Ort. Schließlich ist zum Beispiel eine berufliche Schule im ländlichen Alsfeld oder Lauterbach nicht zu vergleichen mit einer in Frankfurt, in deren Einzugsbereich einige 100 000 Menschen leben. Aber am Ende sollen alle jungen Leute die einheitlichen Tests schaffen - um zu sehen, ob sie in den freieren Schulen mehr Wissen und Kompetenzen erworben haben.



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