01. März 2019, 22:07 Uhr

Fragen zum Sonntag

01. März 2019, 22:07 Uhr

Für den Sonntag Estomihi:

»Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist.« 1. Kor. 1, 27

Wenn wir das hören, möchten wir ja erst einmal widersprechen! »Nicht viele Weise, Mächtige, Angesehene sind berufen«, heißt es vor dem Wort, das hier oben steht. Aber ist das wirklich so? Wer hat denn das Sagen in der Welt? Nicht doch die »Weisen« – oder die sich dafür halten? Nicht doch die »Mächtigen« – und sie haben ihre Macht oft genug nicht durch demokratische Wahlen erhalten. Nicht doch die »Angesehenen« – wenn dieses Ansehen auch häufig nur darauf beruht, dass sie korrupt sind und daher reich, dass sie blenden und lügen können.

Und wie gebärden sich diese Leute, die oft nur Brutalität und ihre Fähigkeit über Leichen zu gehen, nach oben gebracht haben! Sie können Krieg, Vertreibung oder Folter diktieren. Sie haben es in der Hand, ob die Gewalt regiert und Tausende von unschuldigen Menschen ihr Leben lassen müssen. Und sie setzen sich dann wie Ehrenmänner an Verhandlungstische und keiner schreit es ihnen ins Gesicht, was sie eigentlich sind: Menschen ohne Erbarmen, Unterdrücker ihres Volkes und Feinde aller wirklich friedliebenden Menschen!

Gut – könnten wir sagen – da behauptet sich auf dieser Erde noch eine Weile das Alte, Überholte, das vor der Welt gilt, aber nicht vor Gott. Aber wie lange dauert diese Weile schon! Und wie lange soll sie noch dauern?! Wird nicht unsere Sehnsucht von Jahr zu Jahr größer, je länger wir leben, dass es einmal wahr werde: Dass eine Mutter Teresa nicht nur den Friedensnobelpreis gewinnt, sondern ihre Lebensart und ihr Umgang mit Menschen sich in den Regierungen der Länder und der Gemeinschaft der Völker durchsetzt? Dass ein Albert Schweitzer kein Einzelkämpfer in Sachen Nächstenliebe und Barmherzigkeit bleibt? (Und es ist sicher auch kein Zufall, dass mir hier nur längst verstorbene Förderer des Friedens einfallen!) Dass es in dieser Welt endlich überall Frieden gibt und sich die Gerechtigkeit rund um diesen Globus ausbreitet?

Aber wir sehnen uns ja auch in unserem kleinen, persönlichen Leben danach, dass sich etwas ändert – vielleicht im noch jungen Jahr 2019: Dass auf eine schwere Zeit großer körperlicher und seelischer Anspannung jetzt doch wieder eine Welle des Glücks und der Freude folgt?

Vielleicht auch, dass sich ein paar Träume noch erfüllen mögen. Oder dass auch nur einer einmal anerkennt, was wir schon seit Jahren mehr im Hintergrund für ie Mitmenschen tun? Ach, es sind ja – gemessen an den Problemen der großen Welt – bescheidene Wünsche, die wir für uns persönlich haben! Aber auch da scheint es doch eher so zu sein: Gott hat das Angesehene auserwählt. Er gibt den Starken, denen, die am lautesten »Hier« schreien. Gott ist auf der Seite derer, die mit ihrem Geld Einfluss ausüben und die Macht ihrer Beziehungen ausspielen können.

Wir haben bisher nur über das geredet, was uns der Kopf sagt, unsere Augen, unsere Ohren, unser Verstand. Reden wir auch einmal von unserem Herzen und dem, was es empfindet und erfährt! Denn in dieser Welt, in unserem Leben gibt es auch die Erfahrung einer anderen Wahrheit: Mit schwachen, kleinen, geringen Leuten, wie wir welche sind, tut Gott seine Taten an den Menschen: Er tröstet, er hilft, er lässt seine Liebe erfahren, er zeigt, dass er treu ist und niemanden fallen lässt. Ich meine sogar, hier geschehen die wirklich wesentlichen Dinge, hier wird entschieden, ob diese Welt noch zu retten ist und ob sich in ihr doch einmal der Frieden, die Gerechtigkeit und die Menschlichkeit durchsetzen!

Hören wir jetzt – vor diesem Hintergrund – noch einmal diese Worte: »Was töricht ist, was schwach ist, das hat Gott erwählt...« Gewiss bleibt das oft anmaßende Treiben der Großen und Mächtigen dieser Erde. Sie werden weiter – so lange Gott es ihnen erlaubt – ihren Vorteil suchen, ihre verderblichen Taten tun und ihre bösen Spuren hinterlassen, wenn sie von der Bühne abtreten. Berufen aber sind sie nicht!

Geduldet sind sie – wir wissen nicht warum. Wir aber, jeder und jede von uns, sind auserwählt im Kleinen, dort, wo uns Gott hingestellt hat, gute Taten zu wirken, die dem Frieden dienen, Gottes Worte zu sagen, seinen Trost weiterzugeben, seine Kraft weiter zu schenken...

Pfr. Manfred Günther

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