21. Februar 2019, 21:18 Uhr

Dürre Bäume nach Extremsommer

Die gute Nachricht zuerst: Ahornbäume im Vogelsbergkreis sind von der Rußrindenkrankheit nicht betroffen. In den Landkreisen Gießen und Wetterau müssen deswegen Tausende gefällt werden. Die schlechte Nachricht: Im Vogelsbergkreis sind viele Eschen nach der Hitze und Trockenheit des Extremsommers 2018 abgestorben. Jetzt werden sie beseitigt.
21. Februar 2019, 21:18 Uhr
Am Bahnhof Mücke ist das Eschentriebsterben im Gegenlicht deutlich sichtbar. Die Bäume werden gefällt. (Foto: sf)

Das Bild an der Bahnhofstraße in Merlau wird sich verändern: Der Eschenbestand dort ist weitgehend abgestorben, die Gemeinde wird die Bäume fällen lassen müssen. Bürgermeister Andreas Sommer hatte über diesen Sachverhalt bereits vor Wochen informiert. Das ist dann zwar ein starker Eingriff, der wegen der direkten Lage an der Vogelsbergbahn auch schwierig zu handhaben sein wird, aber der Vogelsbergkreis ist immerhin von dem Phänomen der Rußrindenkrankheit bislang verschont geblieben. Im Landkreis Gießen werden derzeit rund 30 000 Ahornbäume wegen der Krankheit gefällt, denn die Sporen des Pilzes können auch Menschen und Tieren gefährlich werden. Sie führen zu Atembeschwerden und Lungenschäden. In der Wetterau ist in Bad Nauheim der Goldstein-Park betroffen. In dem durch die Landesgartenschau 2010 bekannt gewordenen Areal oberhalb der Bahn wurden 67 betroffene Bäume gezählt.

Warum gibt es keine bekannten Fälle der Rußrindenkrankheit im Vogelsbergkreis? Dazu informiert Wolfgang Lorenz, Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Romrod, das sei ein noch ungeklärtes Phänomen. »Wir haben auch Ahorn stehen, und Stress hatten auch alle Vogelsberger Bäume«, hebt er auf den vergangenen Extremsommer mit enormer Trockenheit ab. So gesehen bestehe in den Landkreisen die gleiche Ausgangslage. Die Rolle des Ahorns ist nach seinen Angaben in den Aufforstungsflächen nach den Windwürfen ab Mitte der 1980er Jahre gestiegen. Man könne den Bestand als ortsprägend charakterisieren, er sei in der Fläche mit bis zu 30 Prozent vertreten. Nötig sei eine gute Nährstoffversorgung, gepflanzt werde er gerne zusammen mit Esche und Kirsche.

Apropos Esche: Das Eschentriebsterben ist nach Angaben von Lorenz fast flächendeckend im Vogelsbergkreis aufgetreten, da ist der anstehende Kahlschlag in Merlau an der Bahn kein Einzelfall. Lorenz erinnert auch an die Probleme, die es mit dem Ulmensplintkäfer gegeben hat. Ulmen würden gerne als Edellaubholz in Verbindung mit Buchen gesehen und bildeten aufgrund der Naturverjüngung Sonderstandorte. Insgesamt sieht Lorenz viele Baumarten durch klimatische Veränderungen Umwelt geschwächt an. Durch regelmäßige Kontrollfahrten im Forst bekommen die Förster die Schäden rechtzeitig mit, das machen sie ja auch wegen des Borkenkäfers.

Auch Uwe Prihoda vom Forstamt Schotten meint, dass jetzt geschwächte Bäume anfällig sind. Wo es Ahorn gibt, könne der Befall jederzeit auftreten, aber es sei im Vogelsberg noch kein Fall bekannt. Trockenheit und Borkenkäfer seien die allgemeinen Probleme des Forstes. In Relation zur Rußrindenkrankheit kann er dem Eschenstreben fast noch was Positives abgewinnen: »Das schädigt nur Bäume und ist keine Gefahr für Mensch und Tiere.«

Zu den von der Gemeinde Mücke zu beseitigenden Eschen wegen des Eschentriebsterbens informierte Bürgermeister Andreas Sommer, gelernter Förster, die Arbeiten seien an eine Fachfirma vergeben worden. Es gelte noch mit der Bahn zu sprechen, weil die Bahnlinie deswegen zeitweise gesperrt werden müsste. Es sei Gefahr im Verzug, und deshalb müsse man sich auch nicht an die Fällbeschränkung aus Naturschutzgründen halten, die das nach dem 1. März nicht mehr vorsehe. Dieses Areal befindet sich zwischen der Straße unterhalb der Gemeindeverwaltung bis hin zu der Bahnanlage. Das Eschentriebsterben sei in den Wäldern schon länger bekannt, berichtet Sommer. Im aktuellen Waldwirtschaftsplan, den die Gemeindevertreter am Mittwochabend verabschiedeten, sind Aufforstungen einer gemeindlichen Fläche vorgesehen, nachdem dort ein Jungbestand von Eschen komplett gerodet werden musste.

Und ein weiterer herber Einschnitt steht an: Die mächtige alte Linde am Ehrenmal von Merlau beim alten Friedhof (Ortsausgang Richtung Nieder-Ohmen) soll gefällt werden. Zwar hatte es einen Sanierungsschnitt vor mehreren Jahren gegeben, aber das habe offenbar nicht geholfen. Der Stamm ist hohl, aber immerhin steht noch eine zweite Linde am alten Friedhof. So tief, wie die Fäule bereits in den Stamm eingedrungen ist, wundert sich Bürgermeister Sommer sehr, dass der Baum überhaupt noch steht. Zum Fällen ist eine Fachfirma mit einem Hubsteiger beauftragt, der Bauhof wird sich dann um das Abräumen des Holzes kümmern. »Das wird manchen Merlauer traurig machen, wenn die markante Linde fällt«, ist sich der Bürgermeister sicher.

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