15. Februar 2019, 21:55 Uhr

Dürrehilfe

Bisher 278 000 Euro an Landwirte im Kreis ausgezahlt

Nach dem trockenen Sommer legten Bund und Land Hilfsprogramme für Landwirte auf. Kaum jemand will die Dürrehilfe haben, hieß es zuletzt. Im Vogelsberg wurden 44 Anträge eingereicht.
15. Februar 2019, 21:55 Uhr
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Aus der Redaktion
Erinnerung an den Sommer 2018: Staubwolken auf dem Feld und geringerer Ernteertrag. (Archivfoto: pad)

Die Ernte fiel im Sommer 2018 in manchen Gegenden kümmerlich aus. Damit die Landwirte nicht in finanzielle Schieflage geraten, sagten Bund und Länder Hilfen in Höhe von 350 Millionen Euro zu. Das Antragsverfahren gestaltete sich recht kompliziert. Das war wohl der Grund für etliche Bauern, keinen Antrag zu stellen.

Eines der Kriterien war, dass die Ernte um 30 Prozent unter dem Durchschnittsertrag der vergangenen drei Jahre liegen musste. Es genügt nicht, wenn es bei einer Frucht (zum Beispiel Wintergerste) zu einer katastrophalen Ernte gekommen ist, wenn andererseits etwa die Maissilage nur wenig schlechter als sonst ausgefallen war

Ebenso mussten die Bilanzen sowie die Liquidität des Betriebes vorgelegt werden. Auch das Privatvermögen wird nach Abzug eines Freibetrags zur Schadensregulierung herangezogen. Dem Antrag wird auch nur dann stattgegeben, wenn der Fortbestand des Betriebes gefährdet ist. War das aber schon vor der Dürre der Fall, dann gibt es keine Geld. Hat das im Vogelsbergkreis viele abgeschreckt?

Wie sieht es mit den Zahlen aus? Nicht so schlecht wie vermutet. 44 Anträge sind gestellt worden. Davon haben 21 Betriebe bereits im Dezember eine Vorschusszahlung bekommen, weil sie den Antrag fristgerecht bis Ende November eingereicht hatten. In der zweiten Frist gingen noch einmal weitere 23 Anträge ein. 21 Anträge sind nach dem heutigen Stand ebenfalls vorläufig bewilligungsfähig.

»Diese erhalten voraussichtlich noch in diesem Frühjahr eine Vorschusszahlung,« teilt der Erste Kreisbeigeordnete Jens Mischak auf Nachfrage der Alsfelder Allgemeinen Zeitung mit. Zwei Anträge wurden zurückgezogen, nachdem die Berater des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen die Zahlen vorab einmal durchgerechnet hatten. Bisher sind danach 278 000 Euro an Unterstützung für die betroffenen Betriebe ausgezahlt worden. Laut Mischak gab es gerade im westlichen Teil des Kreises Gemarkungen und Gebiete, die nur wenig von Dürreschäden betroffen waren.

Interessensvertreter der Landwirtschaft haben am Antragsverfahren viel Kritik geübt. Der schließt sich der Haarhausener Landwirt Norbert Reinhardt an: »Ein solcher Wahnsinn, da kann man nur mit dem Kopf schütteln«.

Er hat Info-Veranstaltungen erlebt, die gut besucht waren, weiß aber von niemandem, der einen Antrag gesteltt hat. Ein Grund sei wohl, dass man sich quasi bis aufs Hemd ausziehen sprich sämtliche Zahlen zu Einkommen und Vermögen auf den Tisch legen muss. Er selbst hätte wegen Ausfällen bei der Getreideernte einen Antrag stellen können, hat aber drauf verzichtet. Grundsätzlich hält es Reinhardt nicht für sinnvoll, jährlich besondere Hilfen auszuschütten, das könnte sonst zum Dauerthema werden: »Mal ist es zu nass, mal zu trocken, mal zu kalt.«

»Das Programm ist meines Wissens nach im Kreis wenig in Anspruch genommen worden, aus vielerlei Gründen. Der Hauptgrund ist, dass es ein recht kompliziertes Bürokratiemonster ist.« Das meint der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Volker Lein aus Bleidenrod. Und dass, »obwohl das Geld bei den Bedürftigen dringend gebraucht wird.« Zur Kritik, das Antragsverfahren sei viel zu bürokratisch und kompliziert, sagt Kreisbeigeordneter Mischak, dies sei von Landwirtschaftsministerin Klöckner so vorgegeben worden. Denn das Programm sollte auf alle Regionen von Deutschland angewendet werden. »Das hat sicher dazu geführt, dass mancher keinen Antrag eingereicht hat, dies war aber die individuelle Entscheidung des Betriebs.«

»Wir haben uns frühzeitig beim Ministerium für schnelle Hilfen eingesetzt und die Betriebe von Anfang an umfangreich begleitet und informiert,« verweist Mischak auf seine Mitarbeiter vom Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum. Dass es funktioniert hat, dafür würden auch die »positiven Rückmeldungen der betroffenen Betriebe sprechen.«

Einen Futtermangel gibt es natürlich trotzdem. Der wird in den Betrieben zum Teil durch Bestandsabbau kompensiert, sprich Tiere werden verkauft oder gehen zum Schlachter. Viele Betriebe müssen Futter kaufen, auch werden Nebenerzeugnisse der Industrie verfüttert wie Biertreber, Karotten, Melasse – »und natürlich viel Stroh«.



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