05. Februar 2019, 12:00 Uhr

Kinderbetreuung

Mücke hat mehr Kinder als Betreuungsplätze

In Zeiten des Bevölkerungsrückgangs ist es ein Luxusproblem: Mücke hat mehr Kinder als Betreuungsplätze. Die Diskrepanz ist extrem, aber eine Lösung des Problem steht bevor.
05. Februar 2019, 12:00 Uhr
In der Großtagespflegestelle Sellnrod beginnt der Tag immer mit einem gemeinsamen Frühstück. (Foto: rs)

Und im Ort gibt es eine Kinderbetreuung? Ein Immobilienmakler hat wegen dieser Frage kürzlich bei Ann-Katrin Wallisch angerufen. Die Vorsitzende des Trägervereines Landkinder Sellnrod bejahte und ist sich sicher: Für Neubürger hat so eine Einrichtung einen hohen Stellenwert. Im Dorf gibt es kaum Leerstände und wenn, dann nicht für lange Zeit. Seit viereinhalb Jahren gibt es die Einrichtung mit wachsenden Betreuungszahlen in Trägerschaft eines Vereines, nachdem die Gemeinde den Kindergarten mangels Nachfrage geschlossen hatte. Wurde die Großtagespflegestelle einst wegen zu geringer Kinderzahl eröffnet, so bereiten jetzt zu viele Kinder Probleme.

Für das kommende Kindergartenjahr gibt es bislang 19 Anmeldungen – zu viele für eine Betreuung mit drei Tagesmüttern. Darunter sind 14 Kinder über drei Jahren und fünf Kinder unter drei Jahren. Ein Ausweg könnte die Unterbringung von zusätzlichen Kindern aus kommunalen Einrichtungen sein, denn Mücke muss bis zum neuen Kindergartenjahr über 70 neue Plätze einrichten. Platz ist jedenfalls da, erläuterten dieser Tage Mitglieder des Trägervereines. Inwieweit das umgesetzt werden kann werden in den Kürze Vertreter des Kreises prüfen.

Wie sieht es in anderen Großgemeinden aus? In Ulrichstein hat die Kindertagesstätte der evangelischen Kirche konstant 81 genehmigte Plätze. Wegen Integrationsmaßnahmen und Kindern von unter drei Jahren können diese Plätze aber nicht alle genutzt werden. Gleichwohl kann die zu erwartende Nachfrage zum neuen Kindergartenjahr wohl bedient werden. Eine kleine Unwägbarkeit ist die Flüchtlingsunterkunft in der Kernstadt, bei der immer mal kurzfristig Familien mit Kindern ankommen oder wieder weg ziehen. Aktuell werden in Ulrichstein sogar drei Kinder aus anderen Großgemeinden betreut, was es in der Vergangenheit kaum gab. Insgesamt ist die Belegung der evangelischen Einrichtung inzwischen konstant, nachdem es vor Jahren mal eine Unterbelegung gegeben hatte.

 

Zahlen in Feldatal stabil

Der kommunale Kindergarten in Feldatal-Stumpertenrod ist gut besetzt, es gibt in der Einrichtung am Dorfgemeinschaftshaus 25 Plätze, Anfang 20 sind immer belegt. Wenn auch die meisten Kinder aus Stumpertenrod selbst kommen, so sind einige doch aus anderen Feldataler Dörfern und einige auch aus dem Ulrichsteiner Stadtteil Helpershain. In der evangelischen Tagesstätte Kunterbunt in Groß-Felda werden in vier Gruppen immer zwischen 60 und 70 Kinder betreut, die Zahl ist seit Jahren stabil, und Platzprobleme gibt es auch nicht, wie Leiterin Ivana Zinkler mitteilte.

In Gemünden hat die Gemeinde jetzt nach einem Architektenwettbewerb den Auftrag zur Erweiterung und zum Neubau der Kindertagesstätte gegeben. Nach jahrzehntelangem Umbau im Bestand soll nun nach dem Ankauf von Grundstücken oberhalb der große Wurf gelingen und eine bessere räumliche Trennung den U 3- und Ü 3-Kinder erfolgen. Die Zahl der Neugeborenen ist in der Großgemeinde den letzten Jahren mit jeweils rund 20 stabil geblieben.

 

60 Tagespflegepersonen

Den insgesamt steigenden Betreuungsbedarf kann man auch an der Zahl der Tagesmütter im Kreis festmachen: Aktuell bieten 60 Tagespflegepersonen die Betreuung an, davon sind allein 14 im Bereich Mücke tätig. Seit 2013 besteht ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr (bis zum vollendeten dritten) in Kindertagespflege oder in einer institutionellen Betreuungsform. Seit 2006 müssen alle Kindertagespflegepersonen eine pädagogische Qualifizierung und einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind nachweisen. Zur Zeit ist eine Qualifizierung im Umfang von 160 Unterrichtseinheiten für die Erteilung der Pflegeerlaubnis gefordert. Mittlerweile gibt es Bestrebungen, dass zukünftig die Qualifizierung im Umfang von 300 Stunden, sowie Praktikum und Prüfung erfolgen soll.

Zur Kindertagespflege gibt es deutlich mehr Betreuungsanfragen als Plätze zur Verfügung stehen, daraus resultiert ein großes Interesse zur weiteren Qualifizierung. Im Februar startet wieder ein Grundqualifizierungskurs mit zehn Teilnehmerinnen. Im Vogelsbergkreis gibt es neben Sellnrod vier weitere sogenannte Großtagespflegestellen. Sie betreuen mit jeweils zwei Tagesmüttern bis zu zehn Kinder und befinden sich in Romrod, Mücke-Bernsfeld, Mücke-Nieder-Ohmen sowie in Herbstein-Stockhausen. Natürlich gibt es auch Tagesväter, im Vogelsbergkreis allerdings nur einen.

 

Kreiszuschuss von 900 000 Euro

Bei der Kinderbetreuung geht es naturgemäß auch um Geld. In Gemünden werden rund zwei Millionen Euro investiert, Mücke müsste einen Kredit in dieser Höhe aufnehmen, wenn es ein Neubau sein sollte. Und für die laufenden Kosten gibt es für Sellnrod eine Besonderheit: Der Kreiszuschuss umfasst auch die über Dreijährigen. Eigentlich fördert der Kreis nur die Betreuung der unter Dreijährigen und hatte mal mit einen Jahresvolumen von rund 300 000 Euro für den Gesamtkreis begonnen. Mittlerweile boomt das vom Kreis sehr geförderte Modell der Tagesmütter, der Kreis arbeitet nun mit einem Kostenansatz von rund 900 000 Euro.

Wenn sich jetzt die Gemeinde Mücke an den Kosten für die Ü 3 beteiligt, so ist man im Förderverein zuversichtlich, dann könnte der Kreis den besonderen Umständen der Sellnröder Einrichtung weiter Rechnung tragen.

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