01. Februar 2019, 21:56 Uhr

Fragen zum Sonntag

01. Februar 2019, 21:56 Uhr
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Aus der Redaktion

Zum 4. Sonntag nach Epiphanias

»Gott gedachte an Noah...« 1. Mos. 8, 1

Ja, es ist ein bisschen seltsam, dieses Wort hier über diesen »Fragen«. So kurz. So ohne besondere Aussage. Oder doch? – Mir sagt es mindestens zweierlei:

Einmal sind wir seit den Zeiten Noahs, seit den Zeiten der Sintflut, seit Urzeiten also unter den Augen Gottes! Er hat uns im Sinn. Er macht sich Gedanken um uns. Er sorgt sich. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Und es ist auch nicht gleichgültig, was wir tun und lassen. »Gott gedachte an Noah«, er gedenkt auch an uns.

Und das zweite fällt mir ein, wenn ich an die Geschichte selbst denke, die hier erzählt wird: Die Sache mit der großen Flut, die alle von der Erde vertilgt hat, und der Neuanfang, den Gott nur mit diesem Noah und seiner Familie macht, dann sein Bund mit den Menschen, dass er nie mehr eine solche Flut kommen lassen will: »So lange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht.«

Gott hat uns also unter seinen Augen und im Sinn. Und es gibt eine Ordnung, einen Bund Gottes mit seinen Geschöpfen – seit Anfang der Welt! – Ich finde, darin liegt nun doch eine Menge!

Haben wir nicht auch schon manchmal gedacht und gar ausgesprochen: Gott muss wohl seine Welt vergessen und verlassen haben. Und haben wir uns nicht schon manchmal gefragt, ob nicht vielleicht doch die recht haben, die sagen: Allenfalls geschaffen hat uns dieser Gott – dann aber hat er nichts mehr mit uns vor, dann lässt er uns allein, lässt uns abstrampeln und, wenn es sein muss, ungerührt weinen und leiden.

Das sind zuerst die schweren Tage unseres Lebens, an denen wir so denken. Wenn alles so ganz anders kommt, als wir es geplant und erhofft hatten. Wenn das Unglück uns schlägt. Wenn die Krankheit oder die Beschwerden des Alters nach uns greifen. Und es ist ja auch ganz verständlich, wenn wir dann fragen und klagen: »Wo bist du denn jetzt, Gott?« Da hinein wird uns nun dieses Wort gesagt, ja zugemutet: »Gott gedachte an Noah!« Erinnern wir uns, wie es diesem Mann ergangen war: Er sollte eine Arche bauen. Von allen Tieren zwei sollten mit ihm hineingehen.

Nur er und seine Familie sollten von allen Menschen am Leben bleiben. Dann war die Flut gekommen und mit ihr der Tod und die Verwüstung der ganzen Schöpfung. – Ob nicht dieser Noah in seiner Arche inmitten einer unendlichen Wasserwüste auch gezweifelt hat, ob Gott ihn am Ende nicht auch vergessen und verlassen hat und es für ihn keine Zukunft mehr geben wird? Aber: »Gott gedachte an Noah!«

Vielleicht kann uns, Ihnen und mir, liebe Leserin, lieber Leser, das jetzt sagen: Wir mögen genau so in einem unendlichen Meer des Leids oder der Krankheit treiben. Wir mögen genau wie Noah kein Land mehr sehen und an jeder Zukunft zweifeln und verzweifeln. Und wir mögen uns fragen, ob wir denn je noch einmal etwas von unserem Gott hören oder mit ihm erleben werden... Gott gedenkt an uns! Er weiß schon, wie er uns helfen wird. Er ist nicht einen Augenblick fern. Ja, schon in unserer Not, schon mitten im Leid ist er ganz nah. Er denkt nicht nur an uns – er ist bei uns.

Aber – und darin eben liegt die Zumutung bei Noah und bei uns heute – wir müssen warten können. Bis Gottes Stunde da ist. Bis – bei Noah – die 40 Tage und Nächte vorbei sind, bis – bei uns – selbst das Schwere und Leidvolle seinen guten Sinn entfaltet und uns dorthin gebracht hat, wo Gott uns hinführen wollte. Denn auch alles Schwere, auch die Krankheit, auch die Not und jedes Unglück ist – wie der Mensch, der sie erleidet – in Gottes Gedanken und alles, was geschieht, muss ihm dienen! »Gott gedachte an Noah!« Er denkt auch an uns und hat seinen Plan und seinen Bund mit uns. Einmal werden wir erkennen, was wir manchmal schwer glauben können.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken!

Pfr. Manfred Günther (im Internet: http://www.predigt-eichendorf.de)



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