27. Januar 2019, 05:00 Uhr

Premiere

Mann arbeitet als Erzieher in Kita Atzenhain

Er ist ein heiß begehrtes Unikum, der Erzieher Daniel Baller in der Kita Atzenhain. Denn es sind bislang nur wenige Männer, die den Weg in die Betreuung der Kleinsten wählen.
27. Januar 2019, 05:00 Uhr
Hat Spaß an der direkten Art der Kleinkinder: Erzieher Daniel Baller in der Kita Atzenhain. (Foto: jol)

Er ist in die Kindergartenarbeit hineingerutscht, als einer der wenigen Männer in diesem Job. Aber für Daniel Baller ist es ganz natürlich, die Kleinsten zu wickeln, mit den Größeren auf dem Spielplatz herumzutollen und entspannt mit ihnen zu spielen. Und Erzieherinnen und Eltern geben ein positives Feedback, wie er beim Gespräch in der Kita Atzenhain erzählt.

Nach seiner Ausbildung war er zunächst in einem Jugendheim tätig, und als der Vertrag nicht verlängert wurde, machte er ein Praktikum in der Kita Reiskirchen. »Das hat mir auf Anhieb gefallen«, erzählt der junge Mann. »Ich war anfangs schon etwas unsicher, aber die Eltern waren einverstanden«, sagt er mit Verweis auf mögliche Vorbehalte gegen männliche Bezugspersonen bei Kleinkindern. In Ettingshausen war er bei Kindern ab drei Jahren eingesetzt, in der Kita Langgöns fragte die Leitung, ob er sich auch den Umgang mit Ein- bis Dreijährigen zutraut. »Nach einem Tag war ich begeistert«, auch das Wickeln der Kleinen schreckt den Erzieher nicht ab. Nun arbeitet er seit Anfang Dezember in Atzenhain und fühlt sich im Kreis der Kolleginnen sehr wohl. »Es hat mir sofort sehr gut gefallen«, schön sei das altersgemischte Team.

Ab in die Raupengruppe

Er ist zwar nicht der erste Mann in der Einrichtung, aber der erste, der als Erzieher länger in der Kita bleibt, fügt Leiterin Claudia Heinrich an. Bislang waren nur Zivildienstleistende für begrenzte Zeit in der Kindertagesstätte tätig. Heinrich erinnert sich gut, wie schnell der Kollege Anschluss gefunden hat. »Er kam erst einmal in die Raupengruppe, das sind vorwiegend Zwei- bis Dreijährige, und die Kolleginnen haben die Rückmeldung gegeben, dass das ein Dreamteam gibt.« Denn gerade auf dem begrenzten Raum in den Gruppen sei es wichtig, »dass die Chemie stimmt«.

Daniel Baller ist nicht ganz unvorbereitet auf die Kindergartenarbeit gekommen, denn eine frühere Freundin hatte ein zweijähriges Kind, um das er sich während ihrer Ausbildung gekümmert hat. »Das hat Spaß gemacht«, erinnert er sich. In der Ausbildung hat sein Ausbilder gesagt, »Baller, Du gehörst in die Kita – und er hatte Recht«, erzählt er.

Seine Kollegen seien eher auf Tätigkeiten in Heimen und Wohngruppen aus. »Ich habe keinen Tag bereut - es gibt nichts Geileres als meine Arbeit.« Er freut sich über die direkte Art der Kleinkinder. Die streiten sich und vertragen sich schnell wieder. Wenn ihn ein Kind nicht mag, »ist das auch okay«. Gefreut hat er sich darüber, als am zweiten Tag ein Kind auf ihn zukam und sagte, die Pampers sei voll, »das war toll«, weil es das Vertrauen des Kindes zeigte.

Stärken beim Fußball

Kita-Leiterin Heinrich schätzt seine kommunikative Art, das sei gerade in Elterngesprächen gut. Baller mache die Arbeit genauso wie die Kolleginnen, »vielleicht ist das beim Fußballspielen etwas anders«, schmunzelt sie. Sie schätzt es, einen Mann im Team zu haben. Denn immer mehr Kinder wachsen bei ihren alleinerziehenden Müttern auf, deshalb sei ein Mann in der Kita eine gute Ergänzung. Sie hat den Eindruck, dass mehr Kinder unsicher sind, auch weil die Partner der Mutter wechseln. Andererseits erlebt sie auch immer mehr engagierte Väter, die ihre Kinder bringen und holen.

Bürgermeister Andreas Sommer freut sich über einen Mann, der in der Kita seine Einfühlsamkeit in die Belange von Kleinkindern zeigt. Er bedauert, dass man viele Männer erst in weiterführenden Schulen im Elternbeirat sieht, vorher sei das Frauensache. Immer noch würden nur wenige Männer Erziehungsurlaub nehmen, das sei schade. Ein Mann in der Kita zeige, wie vielfältig Mücke aufgestellt sei.

Um die Arbeit in Kitas interessanter zu machen, wünscht sich Heinrich, dass mehr Stellen unbefristet sind. Denn Kinder brauchen feste Bezugspersonen. Zudem wäre eine bessere Bezahlung sicher attraktiver: »Das kann ein Argument für Männer sein«.

Und es gibt noch mehr Männer als Erzieher in Vogelsberger Kindertagesstätten: In Gemünden fangen demnächst drei neue Fachkräfte an, darunter ein Mann.

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