16. Januar 2019, 21:46 Uhr

37 Prozent drohen Mini-Renten

16. Januar 2019, 21:46 Uhr
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Aus der Redaktion

Vogelsbergkreis (pm). Dem Vogelsbergkreis drohe Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 14 000 Arbeitnehmer würden – so wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gehen. Das seien 37 Prozent aller Beschäftigten im Kreis.

Die Schwelle für »Alters-Hartz-IV« liegt im Vogelsbergkreis bei aktuell 703 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Rentenanalyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Demnach könne die Zahl armutsgefährdeter Rentner im Vogelsbergkreis künftig deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen würde. Dann gäbe es mehr als 20 000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut.

Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nord-Mittelhessen, spricht von »alarmierenden Zahlen«. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, der müsse später auch von seiner Rente leben können. »Am Ende stehen hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.« Die Bundesregierung habe eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. »Das reicht nicht aus«, meint Kampmann. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. »Es ist klar, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzenrenten werden«, so Kampmann. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk müssten im Vogelsbergkreis viele Beschäftigte im Alter unter Umständen aufstocken. »Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif«, fordert der Gewerkschafter. Allerdings wird auch eingeschränkt, dass viele Beschäftigte »das Glück haben, dass der Partner mehr verdient und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessert«. Doch häufig sei das Geld selbst dann knapp. Gerade wer nur einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen mageren Rentenbescheid einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Dritte im Kreis einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.



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