14. Januar 2019, 11:00 Uhr

Nahverkehrsplan

So läuft's mit Bus und Bahn im Vogelsbergkreis

Der Vogelsbergkreis verändert sich positiv: Firmen siedeln sich an, Häuser werden gebaut. Der ÖPNV muss nachziehen, meint der BUND und liefert Vorschläge für Verbesserungen.
14. Januar 2019, 11:00 Uhr
(Foto: rs/jol)

Die Menschen sind in Bewegung. Viele pendeln aus dem Kreis zur Arbeit. Die Statistik im Nahverkehrsplan weist über 16 000 Auspendler bei nicht einmal 7000 Einpendlern aus. Die Berufstätigen fahren insbesondere in die Landkreise Gießen, Fulda, Wetterau und Marburg-Biedenkopf. Auch nach Frankfurt sind trotz der vergleichsweise großen Distanz etliche unterwegs.

Diesen Pendlern ein passendes Angebot im Busverkehr zu bieten, wird immer schwieriger, weil viele Linien auf den Transport der Schüler abgestellt sind. Hierbei gibt es einen negativen Trend. Der Schulentwicklungsplan weist eine Abnahme von fast 3000 Schülern seit dem Schuljahr 2010/11 aus. Im nächsten Schuljahr werden nur rund 7650 Schüler erwartet. Der Anteil der Schülerbeförderung (bzw. Schule, Ausbildung) reicht dabei von 65 Prozent im Wetteraukreis über 78 Prozent im Landkreis Gießen bis hin zu annähernd 90 Prozent im Vogelsbergkreis. Entsprechend gering sind die Anteile, die auf andere Fahrzwecke entfallen. Dabei ist der Busverkehr zusätzlich bereits seit längerer Zeit auf einigen Linien im Hintertreffen.

Ein gut funktionierendes Netz aus Bus und Bahn ist Lebenselixier für die Entwicklung des Vogelsbergs

BUND

Denn der öffentlicher Personennahverkehr zehrt davon, dass er schnell an Ziele anbindet. Das fällt im Vogelsbergkreis extrem unterschiedlich aus. Während man von Freiensteinau nach Lauterbach um den Faktor 3,15 länger benötigt als mit Pkw, ist es von Mücke nach Gießen umgekehrt: Die Bahn ist zwei Minuten schneller. Relativ schlecht ist es von Homberg nach Alsfeld mit 43 (Bus) zu 26 Minuten (Auto). »Ein gut funktionierendes Netz aus Bus und Bahn ist Lebenselixier für die Entwicklung des Vogelsbergs,« so der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Er stellt seine Vorschläge zum Nahverkehrsplan vor. Bahnverbindungen und Busfahrpläne wurden ebenso untersucht wie der Zustand von Bahnhöfen und Haltestellen.

 

Einiges hat sich bereits verbessert

Experte Matthias Pippert lobte, dass seit 2013 wichtige Verbesserungen erreicht wurden: »Auf der Vogelsbergbahn wurden zusätzliche Verbindungen am Abend eingerichtet, und am Wochenende ist der Fahrplan zum Stundentakt verdichtet worden.«

Wichtig ist für den BUND, dass die ÖPNV-Planung die Verkehrs- und Pendlerbeziehungen berücksichtigt: Wer im südlichen Kreis wohnt und in der Wetterau oder im Rhein-Main-Gebiet arbeitet, braucht direkte ganztägige Verbindungen und nicht (nur) Busse nach Lauterbach oder Alsfeld.

»Besonders stolz sind wir auch auf die vielen Hinweise unserer Mitglieder, bilanziert Dr. Dennhöfer, der Beispiele nennt: »Die Bahnsteige und Bushaltestellen müssen barrierefrei erreichbar sein. Davon profitieren Radler ebenso wie Personen mit Gehbehinderung oder Kinderwagen. Heute sind die Bahnsteige in Alsfeld und Grünberg nur über steile Treppen erreichbar – oder mühsam und illegal quer über die Gleise.« Und: »An Bahnhöfen wünschen wir uns einen trockenen und geschützten Wartebereich mit Sitzmöglichkeiten, Orientierungshilfen, Reise- und Touristeninformationen, Verpflegung und Toiletten. Stattdessen gibt es baufällige, vernagelte Bahnhofsgebäude. Als toller Service wird der Fahrradtransport gewertet, aber: »An den Zügen sollte besser kenntlich gemacht werden, wo der Einstieg mit Fahrrad möglich ist.«

 

Krankenhäuser müssen erreichbar sein

Ein wichtiger Kritikpunkt ist auch die Erreichbarkeit von Krankenhäusern: »In Marburg ist auf den Lahnbergen ein riesiger Universitäts- und Klinikkomplex entstanden, zu dem vielfältige Verkehrsbeziehungen aus dem westlichen Vogelsberg bestehen: Berufspendler, Studierende, Patienten und Besucher müssen dorthin. Eine direkte Verkehrsanbindung im ÖPNV fehlt jedoch weitgehend.« Auch das Lauterbacher Krankenhaus sollte an allen Wochentagen mindestens stündlich bedient werden. »Derzeit wird das Krankenhaus in Lauterbach überhaupt nicht mehr vom Bus angefahren.«

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