26. November 2010, 21:28 Uhr

Milchbauern wollen Markt selber steuern

Vogelsbergkreis (au). Die Milchbauern wollen nach dem Auslaufen der Quotenregelung in 2015 die Milchmarktsteuerung selbst in die Hand nehmen. Sollte dies nicht möglich sein, wird die Weiterführung der staatlichen Quotenregelung in modifizierter Form gefordert.
26. November 2010, 21:28 Uhr

Vogelsbergkreis (au). Die Milchbauern wollen nach dem Auslaufen der Quotenregelung in 2015 die Milchmarktsteuerung selbst in die Hand nehmen. Sollte dies nicht möglich sein, wird die Weiterführung der staatlichen Quotenregelung in modifizierter Form gefordert. Dies war das Ergebnis einer Regionaltagung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Alsfelder Stadtteil Eudorf. Fast 200 Mitglieder und interessierte Milchviehhalter aus den Regionen Vogelsberg, Rhön, Schwalm, Hersfeld-Rotenburg und Marburg-Biedenkopf waren in das Landgasthaus Schäferhof gekommen, um den Weg des BDM in das Jahr 2014 zu diskutieren und festzulegen.

Romuald Schaber, Vorsitzender des BDM, hatte zu Beginn betont, dass der Verband für eine flexible Milchmarktsteuerung auf einzelbetrieblicher Grundlage in Verantwortung der Milcherzeuger stehe. Ein kostendeckender Milchpreis von mindestens 40 Cent je Kilogramm sei Grundlage. Damit werde eine gesellschaftsverträgliche Milchwirtschaft, eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Milchsektors und eine Unabhängigkeit von der Finanzpolitik erzielt.

Schaber ging auf die Erfolge des BDM durch die zahlreichen Aktionen der vergangenen Jahre ein. So sei auf EU-Ebene eine Platzierung in der High-Level-Group-Milk erzielt und der Europäische Milchboard (EMB) sowie der BDM seien feste Bestandteile bei Anhörungen, Tagungen und Ausschusssitzungen geworden. Aufgrund der massiven Proteste wurde außerdem ein 300 Millionen Euro umfassendes Hilfsprogramm aufgelegt. Erreicht habe man zudem die Einräumung nationaler Spielräume mit Nullsaldierung, Einfrieren der Aufstockung und eine Quotenstilllegung. EU-Agrarkommisar Ciols habe die BDM-Milcheerzeuger bestärkt.

Auf nationaler Ebene sei der BDM ein fester Bestandteil auf der politischen Bühne geworden und man habe die Politik zum Handeln gezwungen. Es sei eine Pächterschutzregelung bei Übernahme der Pachtquoten erfolgt, die Grünlandprämie wurde aufgestockt und Verbesserungen habe es beim Agrardiesel gegeben. Probleme gebe es allerdings weiterhin mit der Molkereiwirtschaft. Diese habe die Marktsituation zum Druck auf die Milcherzeuger ausgenutzt. Schaber bedauerte, »dass die Molkereien mit jeder Situation zurecht kommen«. Erfolge verzeichne man allerdings in der Gesellschaft: »Die Milch wurde zum öffentlichen Thema und die Bevölkerung unterstützt die Forderungen der Milcherzeuger«. Bündnisse mit gesellschaftsrelevanten Organisationen wie Misereor, Brot für die Welt oder BUND seien erfolgt. Sehr gut angenommen werde die Aktion »Faire Milch«. Als nächste Ziele müssten die Positionen auf politischer Ebene gefestigt und weiter ausgebaut werden. Außerdem müsse die Bündelung der Milcherzeuger vorangetrieben werden. Ausführlich ging er auf die flexible Milchmarktsteuerung in Verantwortung der Milcherzeuger ein. Der BDM stehe für die Einrichtung einer Monitoringstelle aus Milcherzeugern, Verbrauchern und Politik. Aufgaben sind Marktbeobachtung, Ermittlung der Vollkosten der Milchproduktion in der EU, Festlegung eines Zielpreiskorridors und die Vorgaben zur Mengenanpassung. Mit dieser Lösung würden die Milcherzeuger Handlungsbereitschaft zeigen und Verantwortung übernehmen. Die Produktionskosten würden beim Milchpreis berücksichtigt und damit erhalte man eine Akzeptanz durch die Gesellschaft. Der BDM rechne allerdings mit Widerstand von Molkereiwirtschaft und Verbänden.

Wichtig sei der politische Durchsetzungswille und es sei eine schrittweise Umsetzung zu »befürchten«, meinte Schaber. Nach einer längeren Diskussion wurde beschlossen, sich für eine flexible Milchmarktsteuerung mit einem kostendeckenden Milchpreis von mindestens 40 Cent stark zu machen.

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