04. Dezember 2018, 12:00 Uhr

Ohm-Aue

Naturschützer für mehr Unken und Teiche

Das Naturschutzgebiet Ohm-Aue ist ein kleines Juwel und bietet Platz für Eisvogel, Glatthafer und Märzenbecher. Doch seit Jahren wird unter Naturschützern über die Gestaltung diskutiert.
04. Dezember 2018, 12:00 Uhr
Ein Abschnitt der Ohm, wie er für Naturschützer sein sollte: Steilufer wechseln mit Flachwasserbiotopen im Alt-arm. (Foto: jol)

Naturschutz bedeutet nicht, dass alle Beteiligten einer Meinung sind. Das zeigt sich nun im Naturschutzgebiet Ohmaue, wo die Vorstellungen der Oberen Naturschutzbehörde (ONB) und der Homberger NABU-Gruppe aufeinander prallen. Erst dieser Tage gab es wieder ein Gespräch, um die Standpunkte auszutauschen. Dabei beharrten die Vertreter der ONB darauf, die Wiesen zweimal jährlich mähen zu lassen, um die Glatthafer- und Wassergreiskraut-Flächen zu erhalten. Der NABU möchte mehr kleine Tümpel angelegt haben, damit Amphibien wie die Gelbbauchunke Platz finden. Dafür soll eine kleine Gruppe Wasserbüffel angesiedelt werden. Das lehnt die ONB zum Schutz der Mähwiesen ab, will aber schauen, ob doch Tümpel entstehen können.

Grundlage des Treffens von Vertretern der Behörde beim Regierungspräsidium und Aktiven der Naturschutzgruppe ist ein Gutachten zum Zustand der Ohmaue, die seit 1993 unter Naturschutz gestellt ist. Das Flussufer und ein angrenzender Waldbereich hatte man unter Schutz gestellt, um das »vielgestaltige Mosaik landschaftstypischer Biotopelemente mit vielen anspruchsvollen und gefährdeten Arten« zu pflegen, wie die UNB urteilt. So wurde geregelt, dass ein Landwirt die »sehr schützenswerten Wiesengesellschaft« im Naturschutzgebiet NSG zweimal jährlich mäht.

Gutachten empfiehlt mähen

Im Fazit des Regierungspräsidiums heißt es weiter, das neue Gutachten belege »die Erreichung der in der NSG-Verordnung genannten Schutzziele, den Erhalt und Förderung der artenreichen Wiesengesellschaften.« So seien »besonderer Arten« und die »gesamteinheitlich zu betrachtenden Wiesengesellschaften« geschützt worden. Das Gutachten empfehle, weiterhin zweimal jährlich zu mähen. Der Bewirtschafter der Flächen »wurde durch den Gutachter für seine exzellente Pflege in den vergangenen Jahren gelobt«.

Eine Gegenposition nimmt Karl Heinz Zobich vom NABU Homberg ein. Dabei spricht er sich für die Mähwiesen aus, will sie aber durch Weideflächen ergänzen. Dabei geht es ihm um Vielfalt als Lebensgrundlage für Insekten und Vögel. Eine Weide biete mehr Vielfalt, denn die Rinder setzen Dunghaufen, die Insekten zum Legen von Eiern nutzen. In der Folge gibt es mehr Insekten, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Das würde dem beklagten Rückgang der Insektenpopulation um rund 70 Prozent etwas entgegen setzen, wie Zobich betont.

Man müsse besonders auf eine extensive Nutzung der Weide achten, dann reiche das Futter, und die Tiere zertrampeln nicht die Grasnarbe. Zobich plädiert für die Ansiedlung von Wasserbüffeln, weil die auf Feuchtwiesen leben können. Andere Robustrinder würden unter Leberegeln leiden, die Büffel seien an die Parasiten gewöhnt.

Tümpel und Rinder für mehr Vielfalt

Die Büffel würden Lebensräume für Amphibien schaffen. Denn die Vierbeiner suhlen sich in kleinen Tümpeln, die nach Überflutung der Ohm stehen bleiben. Dadurch halten sie die Flachwasserbereiche von Wasserpflanzen frei. Die Tümpel erwärmen sich schneller, bieten Fröschen und Molchen Raum zur Eiablage. Ohne Fische können sich mehr Kaulquappen entwickeln. Dem gegenüber verlanden Tümpel schnell, wenn sie nicht freigehalten werden, meint Zobich und zeigt auf einen zugewucherten Teich, der vor Jahren angelegt wurde. Wenn es Tümpelchen gäbe, könnte die Gelbbauchunke aus der Sandgrube wieder in den Bereich zurückkehren, aus dem sie stammt, dem Ohmufer.

Zobich plädiert für eine Landschaft mit verschiedenen Elementen: Im Überflutungsbereich sollten einige Büffel weiden, höher gelegene Wiesen könnten weiter gemäht werden. Er plädiert für zehn Hektar Mähwiese und 40 Hektar als extensive Weide. »Ich würde jede Wette darauf eingehen, dass wir binnen vier Jahren wieder Weißstorch und Bekassine sehen, wenn die Ohmaue abwechslungsreicher wird«, meint Zobich.

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