22. November 2018, 21:49 Uhr

Mit EU bessere Chancen auf der Weltbühne

22. November 2018, 21:49 Uhr
Die Delegation der VR Bank HessenLand beim Wirtschaftstag in Frankfurt vor der Jahrhunderthalle . (Foto: pm)

Frankfurt/Vogelsbergkreis (pm). Beim Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Frankfurt waren auch heimische Banken mit Delegationen vertreten, darunter von der VR Bank HessenLand, der Volksbank Feldatal, der Raiffeisenbank Kirtorf und der Volksbank Lauterbach-Schlitz sowie aus Grebenhain. Das Programm unter dem Motto »Modernisierung Deutschlands – Made by Mittelstand« war umfangreich und aktuell. Die Vorträge zeigten den Weg in die Zukunft vor allem bei der Digitalisierung.

Der Brexit-Deal, den die britische Premierministerin Theresa May vorgelegt hatte, habe »keine Chance auf eine Mehrheit im Parlament«. Das prognostizierte Günther H. Oettinger (CDU), EU-Kommissar für Haushalt und Personal. Wenn der Ausstiegsvertrag im Parlament durchfalle, dann seien vorgezogene Neuwahlen in Großbritannien als »Flucht nach vorn« gut vorstellbar.

Mit Blick auf die deutsche Politik machte sich Oettinger für Friedrich Merz als möglichen CDU-Nachfolger von Angela Merkel im Kanzleramt stark. »Die internationale Erfahrung von Friedrich Merz macht ihn zum besten Kandidaten«, zeigte sich Oettinger überzeugt.

Eine nationale Abschottung sei gerade mit Blick auf die deutsche Wirtschaft der falsche Weg, bekräftigte der EU-Kommissar. »Wir brauchen eine stärkere Europäische Union.« Deutschland alleine stelle nur ein Prozent der Weltbevölkerung. »Mit einer einprozentigen Beteiligung könnten Sie keinen Aufsichtsratsposten in einem Dax-Unternehmen besetzen.« Die EU, die sieben Prozent der Menschheit repräsentiere, habe deutlich bessere Chancen, auf der Weltbühne gehört zu werden.

Nächsten Jahre werden schwer

Aufgrund steigender europäischer und geopolitischer Risiken muss sich die deutsche Wirtschaft auf steigende Herausforderungen einstellen, warnte der EU-Kommissar. »Die besseren sechs Jahre – mit Erfolgen für alle Sektoren der Wirtschaft – liegen hinter uns. Die nächsten sechs Jahre werden schwieriger.« Eine anhaltende Herausforderung für die deutsche Wirtschaft liegt in der digitalen Infrastruktur, wie Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen, hervorhob. Aufgrund der schlechten Versorgung mit mobilem und leitungsgebundenem Internet liege Deutschland im aktuellen globalen Wettbewerbsbericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) in dieser Kategorie nur auf Platz 31 – und das, obwohl das WEF Deutschland zum innovationsfähigsten Land der Welt kürte, wie Barkey deutlich machte.

»Insbesondere zur Stärkung der ländlichen Räume brauchen wir flächendeckend eine wirklich leistungsfähige digitale Infrastruktur«, unterstrich der Verbandschef. Wie Oettinger prognostizierte, wird die digitale Infrastruktur zunehmend für Immobilieneigentümer ein Thema: »Der Wert einer Immobilie wird sich künftig nicht nur am Zugang zu attraktiven Orten wie dem Bodensee oder der Anbindung an Autobahnen und Flughäfen bemessen, sondern auch nach der Qualität des Onlinezugangs.«

»Ich denke nicht, dass wir einen flächendeckenden Glasfaserversorgung für alle Haushalte in Deutschland erreichen können«, goss Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, Wasser in den Wein. Ein flächendeckender Ausbau sei zu teuer und entspreche auch nicht dem Bedarf, argumentierte der Telekom-Chef. »Die Hidden Champions auf dem Land benötigen aber natürlich Glasfaser.«

Ziel der Telekom sei es daher, 80 Prozent aller deutschen Unternehmen mit Glasfaser zu versorgen. Allerdings sei es erforderlich, dass auch andere Anbieter – und nicht nur die Telekom – in den Glasfaserausbau investieren.

Kritisch äußerte sich der Telekom-Chef zu dem von der Bundesregierung geplanten Rechtsanspruch auf schnelles Internet ab 2025. »Ein solcher Anspruch wäre rechtlich sehr schwierig umsetzbar.« Es sei nicht sachgerecht, wenn die Politik hier eine Leistung einfordere, für deren Umsetzung die Privatwirtschaft aufkommen müsse, fügte Höttges hinzu.Ins Hintertreffen zu geraten drohe Europa derweil beim Aufbau von Cloud-Infrastrukturen, warnte Höttges. Nur noch fünf Prozent der europäischen Daten lägen auf Cloud-Servern von europäischen Anbietern, kritisierte der Telekom-CEO. Der Markt werde hier dominiert von den US-Konzernen Microsoft, Google, Amazon und Apple einerseits und chinesischen Unternehmen andererseits. Gegen diese Kritik wehrte sich Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. Auch wenn Microsoft ein US-amerikanisches Unternehmen sei, bedeute dies nicht, dass europäische Daten auf Servern in den USA gespeichert werden. »Die Daten liegen typischerweise in der Nähe der Kunden.« In Europa seien dies besonders Rechenzentren in Dublin und Amsterdam sowie künftig in Frankfurt und Berlin.

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