21. November 2018, 21:49 Uhr

Fairer Handel und Bildungsarbeit

21. November 2018, 21:49 Uhr

Alsfeld (pm). Magisch angestrahlt stand sie auf ihrem Hügel und wies am Samstagabend Liebhabern lateinamerikanischer Musik den Weg zu einem einzigartigen Konzert und einer fröhlichen Feier: die kleine Billertshäuser Kirche. Mit Poesie, Gesang und Bildern aus Licht feierte der Weltladen Alsfeld gemeinsam mit Mitgliedern, Freunden, Wegbegleitern und interessierten Gästen sein 15-jähriges Jubiläum im Getürms – ein wahrhaft einzigartiger Ort voller Einfachheit und Intensität, wie Sänger Fernando Dias Costa von Grupo Sal es mit seiner unverwechselbaren warmen Stimme beschrieb. Eingetaucht in die Video- und Lichtprojektionen von Johannes und Stephan Keitel, schuf das kleine Kirchlein den perfekten Rahmen für dieses Konzert, das sich trotz oder gerade mit aller Lyrik und schöner Musik den Themen des Weltladens verpflichtet sieht, nämlich dem »Trachten, die Würde des Menschen zum Leuchten zu bringen«.

In der Praxis geschieht das durch fairen Handel mit Menschen, die sich auf diese Weise einen sicheren Lebensunterhalt verdienen können, um sich und ihren Kindern in ihren Heimatländern Perspektive und Bildung zu schaffen, wie Hildegard Maaß, Vorsitzende des Vereins Weltladen Alsfeld, darlegte. Sie dankte allen Menschen, die vor 15 Jahren den Mut hatten, in Alsfeld einen Weltladen zu gründen, mit dem Ziel, »die Welt ein wenig besser zu machen«, und sie dankte allen, die heute aktiv im Weltladen arbeiten.

Musiker von Ernesto Cardenal

»Wären Sie nicht in der Stadt, würde uns allen etwas fehlen.« Mit diesen Worten gratulierte Bürgermeister Stephan Paule dem rührigen Verein, der an seinem Standort mitten in der Stadt immer wieder Themen wie Verteilungsgerechtigkeit und die Verantwortung eines jeden Einzelnen ins Gespräch bringe, um die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, denen es nicht so gut ginge wie den Menschen hier. Insbesondere würdigte Paule an diesem Abend die Leistung von Hildegard Maaß. Er blickte kurz auf ihr langes gesellschaftspolitisches Wirken zurück, mit dem sie seit Jahrzehnten unter anderem in ihrer früheren Funktion als osthessische DGB-Vorsitzende gesellschaftsrelevante Themen angehe. In Anerkennung dieser Leistungen verlieh ihr der Rathauschef Maaß die bronzene Anstecknadel der Stadt Alsfeld.

Doch dann war es Zeit für die Musik, für das Schwelgen in den Rhythmen Lateinamerikas, für das die beiden Musiker, der Portugiese Fernando Dias Costa und der Argentinier Anibal Cicilotti, stehen wie kaum zwei andere. Mitglieder der legendären Grupo Sal, die schon mit dem aus Nicaragua stammenden Dichter und ehemaligen Kulturminister Ernesto Cardenal unterwegs war, sind sie beide; nun haben sie mit »Porto La Plata« ihre erste gemeinsame CD als »Grupo Sal Duo« herausgebracht. Mit zwölf Liedern verschiedener Komponisten möchten sie den »Puls Lateinamerikas« auf deutsche Bühnen bringen – im Getürms gelang ihnen das, kongenial unterstützt durch die Licht- und Fotoinstallationen, auf das Beste.

Es war diese Mischung aus Erzählung und Gesang, aus Gitarrenmusik und Percussion, die die Gäste vom ersten Moment an mitriss. Gewidmet sind ihre Lieder, darunter auch eigene Kompositionen, dem Land und seiner Schönheit, den Menschen und den verschiedenen Leben, die diese führen, sei es als Frau der Nacht, als kleiner Rosenverkäufer auf der Straße oder als einfacher Fischer. Dabei gerieten die Übersetzungen der in spanischer oder portugiesischer Sprache gesungen Lieder so poetisch und reich an Metaphern, dass die Zuhörer nur ihre Augen schließen mussten, um die Bilder, von denen Fernando Dias Costa und Anibal Cicilotti sangen, vor ihrem inneren Auge erstehen zu lassen.

Bei aller Liebe zu den Menschen und dem Kontinent schwang auch immer die Botschaft mit, die die beiden Musiker mit dem Weltladen eint: Bewusstsein schaffen für Unrecht in der Welt, Haltung einnehmen, Stellung beziehen.

Am Ende eines außergewöhnlichen Abends konnten die Besucher ganz viel aus dem Getürms mit nach Hause nehmen: Inspiration und Nachdenklichkeit, wunderschöne Musik, die lange nachklang, und das Gefühl, als Menschen miteinander in Verbindung zu stehen.

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