16. November 2018, 21:49 Uhr

Gläubige besuchen »ihre« Orgel

16. November 2018, 21:49 Uhr
Ausflug der Kirchengemeinden Groß-Eichen und Ilsdorf nach Thüringen. Es ist besonders schön, dass die Gruppe viele Originalbauteile der Groß-Eichener Orgel zu Gesicht bekommt, darunter zahlreiche Pfeifen und Windladen. (Foto: sf)

Mücke (sf). Dieser Tage fand der traditionelle gemeinsame Ausflug der Kirchengemeinden Groß-Eichen und Ilsdorf stat. Ziele waren in diesem Jahr Georgenthal, Waltershausen und Friedrichroda in Thüringen. Das Ziel wurde ganz bewusst gewählt, weil man gerne die Orgelbauwerkstatt in Waltershausen besuchen wollte, in der seit April dieses Jahres die Groß-Eichener Orgel fachgerecht restauriert wird.

Die Reisegruppe aus dem Vogelsberg startete am frühen Morgen und an der Lohmühle in Georgenthal besuchte die Gruppe das absolut sehenswerte Mühlenmuseum. Der heimische Wald, die Heimatkunde und das Handwerk sind die vorherrschenden Themen der Ausstellungen und Sammlungen des Museums. In einer liebevoll eingerichteten und mit Alltags- und Gebrauchsgegenständen ausgestatteten Wohnung des Müllers wurde eine längst vergangene Wohn- und Lebenskultur zum Leben erweckt.

Infos über Homöopathie

Den Anfängen der homöopathischen Heilkunde und ihres Begründers Samuel Hahnemann, der in Georgenthal erste Schritte mit seiner neuen Behandlungsform wagte, widmet sich eine Sonderausstellung. Weitere thematische Ausstellungen zum historischen Schul- und Gesundheitswesen, der Puppen-, Spielzeug- und Maskenherstellung sowie zu Steinhauerei und Fossiliengrabungen gestalteten den Museumsbesuch kurzweilig und abwechslungsreich.

Die Gewinnung von Lohe – gerbstoffhaltiger Rinde von Fichten und Eichen als Grundstoff für die Gerberei – wird anschaulich aufbereitet und erklärt, ebenso wie das noch funktionstüchtige sogenannte Lohepochwerk den ursprünglichen Zweck der Lohmühle veranschaulicht. Originale Sägewerkstechnik, Darstellungen zur Holzverarbeitung sowie eine Ausstellung zur regionalen Industriegeschichte spannen den interessanten Bogen von der Vergangenheit in die Neuzeit. Im Anschluss an den Museumsrundgang konnte im Mühlengasthaus das Mittagessen eingenommen werden.

Nach dieser Stärkung reiste die Gruppe weiter nach Waltershausen zur Orgelbauwerkstatt. Orgelbaumeister Joachim Stade hatte die Gäste bereits erwartet und führte sie eine Stunde lang durch die verschiedenen Abteilungen seiner Werkstatt, wo die anwesenden Mitarbeiter Rede und Antwort standen und Besonderheiten der Restaurierung der Groß-Eichener Orgel erläuterten.

Ein Orgelbauer muss ein Multitalent sein, denn er ist nicht nur mit Metallverarbeitung und Holzverarbeitung befasst und muss sich mit Elektrik auskennen, sondern auch ein gutes Gehör haben und sehr musikalisch sein. Es war besonders schön, dass die Gruppe viele Originalbauteile der Groß-Eichener Orgel zu Gesicht bekam, darunter zahlreiche Pfeifen und Windladen.

Die Orgelbaufirma wurde am 13. Mai 1991 gegründet. Kennen gelernt hatte man sich bereits in den 1980er Jahren in der Orgelbauanstalt R. Böhm in Gotha. Man begann zunächst mit einer kleinen Werkstatt im Stadtkern Waltershausens, in der vor allem Orgelreparaturen vorgenommen wurden. Weil die Werkstatt in der Innenstadt bald zu klein geworden war, bezog man Mitte der 1990er Jahre ein altes Fabrikgebäude am Rand der Stadt, in dem dann ausreichend Werkstatträume und Lagerflächen zur Verfügung standen. Seit 1. Februar 1996 firmiert der Betrieb als Orgelbau Waltershausen GmbH, unter der verantwortlichen Leitung der Orgelbaumeister Stephan Krause und Joachim Stade. Ein besonderer Höhepunkt war für alle Mitarbeiter der Orgelbauwerkstatt der Auftrag zur umfassenden Restaurierung der größten und bedeutendsten Barockorgel Thüringens, der Trostorgel in der Stadtkirche in Waltershausen. Diese stand nach dem äußerst spannenden und informativen Werkstattbesuch auf dem Programm der Reisegruppe.

Vorbild der Frauenkirche

Die 1723 fertiggestellte Kirche ist ein barocker Zentralbau und gilt in ihrer Grundrissausbildung und Bauausführung als Vorläufer der von George Bähr 1726 bis 1743 errichteten Dresdner Frauenkirche. Sie gilt als bedeutendster protestantischer Zentralbau in Thüringen. Die Orgel der Stadtkirche Waltershausen von Baumeister Tobias Heinrich Gottfried Trost ist ein herausragendes Beispiel des Thüringer Orgelbaus des 18. Jahrhunderts und sie ist mit 47 Registern, drei Manualen und dem Pedal die größte Barockorgel in Thüringen.

Nach dem Besuch der Kirche fuhr die Gruppe nach Friedrichroda, wo man sich im legendären Waldschlösschen bei Kaffee, Tee und hausgebackenen Kuchen und Torten für die Heimfahrt stärkte und am Abend gesund und wohlbehalten zu Hause eintraf, voller neuer Eindrücke und mit stark erweitertem Wissen über Orgeln im allgemeinen und Orgelbau im Besonderen.

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