13. November 2018, 21:11 Uhr

Kleider nach dem Burda-Heft

13. November 2018, 21:11 Uhr
Martina Sommer sorgt mit lockeren Qigong-Übungen für Bewegung und Entspannung beim Seniorennachmittag. (Foto: eva)

Gemünden-Nieder-Gemünden (eva). Sportlich ging es beim Novembertreffen des Seniorenkreises der ev. Katharinengemeinde Gemünden im Gemeindesaal in Nieder-Gemünden zu. Erneut war es Martina Sommer, die mit ihren lockeren Qigong-Übungen für Bewegung sorgte. Qigong ist eine sehr alte chinesische Form der Gesundheitsgymnastik, bei der Atem, Bewegung und Vorstellungskraft eingesetzt werden.

Die Übungen, so vermittelte Martina Sommer, wirken sich positiv auf Atmung, Muskulatur und Gelenke aus, die Aufnahme von »Lebensenergie« wird gefördert und ihre gleichmäßige Verteilung im Körper bewirkt. Ziel der chinesischen Bewegungskunst ist es, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Durch die Übungen wird der Chi-Fluss aktiviert und harmonisiert, die Meridianbahnen werden durchlässiger, Muskeln und Sehnen gedehnt und der Blutkreislauf und der Lymphfluss angeregt.

Unter dem Schwerpunkt »Herbst« inspirierte Martina Sommer die Gäste insbesondere zur Stärkung der Lunge, zu wichtigen Atemübungen, eine weitere Übungsreihe bezog sich auf die im Qigong bedeutende und unmittelbar aus der Natur abgeleitete Fünf-Elemente-Lehre Erde, Wasser, Feuer, Holz und Metall.

In einem großen Stuhlkreis sitzend, folgten die Gäste den Anleitungen und machten engagiert mit, ob im Sitzen oder Stehen, jeder, wie er es am besten konnte. »Alle haben mit Freude und Elan mitgemacht und wir haben viel gelacht«, so Sommer, die gekonnt dafür sorgte, dass die Übungen Spaß machten.

Begonnen hatte die Veranstaltung am Mittwoch mit einer Andacht, der Pfarrerin Ursula Kadelka den Bibel-Vers »Ich vergesse, was dahinter ist und strecke mich nach dem was da vorne ist« (Philipper 3.13), zugrunde legte. Nach dem Singen eines Ständchens für alle Geburtstagskinder der letzten Wochen ging es nach einem Plausch beim Kaffee um die Modetrends insbesondere der 1950er und 1960er Jahre. Unter dem Motto »Kleider machen Leute« erinnerte Pfarrerin Kadelka anhand von Bildern und der Präsentation eines zusammengetragenen Kleiderfundus an die damaligen, sowohl konservativen, als auch teils revolutionären Mode-Highlights.

Kratzige Strümpfe und Unterwäsche

In den 1950ern, den Wirtschaftswunderjahren, herrschte eine starre Vorstellung: Der Mann ging arbeiten und die Frau sollte ihn umsorgen und an seinem Arm gut aussehen. Es gehörte sich, dass die Dame des Hauses perfekt gekleidet und frisiert auf den Ehemann wartete, um ihn zu bekochen.

Bei den Gästen wurden Erinnerungen wach, an die Zeit, als die Kleidung selbst gefertigt wurde, an die ungeliebten gestrickten Strümpfe, die genauso kratzten wie raue Leinenunterwäsche. Zur Sprache kam auch das damals übliche, aber sehr unbeliebte Auftragen von abgelegter Kleidung von älteren Geschwistern und auch, dass es für Mädchen und Frauen selbstverständlich war, an Werktagen Schürzen zu tragen. Standen besondere Feste an, wurden Kleider nach Mustern aus Burda-Modeheften selbst genäht oder von den ortsansässigen Schneiderinnen angefertigt. Das änderte sich in den 1960ern radikal. Frauen emanzipierten sich und erlangten mehr Selbstbestimmung. Das zeigte sich auch in der Mode. Denn diese Mode war vor allem anders, wilder und fern jeglicher bis dahin so geschätzten Etikette. Wollte sich doch die jüngere Generation mit ihrer Kleidung und ihrem Verhalten gegen das angestaubte bisher vorhandene Rollenbild wehren. Wie aus dem Ei gepellt, mit eingedrehten Locken, in einem taillierten Kleid mit schwingendem Rock oder im strengen Kostüm mit passender Tasche und Schuhen, so sahen die jungen Frauen der 1960er nicht mehr aus. Statt züchtigen waden- oder zu mindestens knielangen Kleidern trugen sie nun kurze »Fummel«, weite Pullis oder gar Hosen und ernteten bei der älteren Generation dafür nicht selten abschätzige Blicke und verständnisloses Kopfschütteln.

»Heute haben wir Frauen es einfacher«, meinte Ursula Kadelka im Hinblick darauf, dass Frauen heute neben Kleidern ohne weiteres im Anzug oder Hosen chic aussehen können und akzeptiert sind. »Aber Männer in Frauenkleidern?« Die Mode einst und jetzt, ein schier unerschöpfliches Thema, bei dem auch bei den Gästen in Nieder-Gemünden viele Erinnerungen wach wurden und von denen sie erzählten. Dementsprechend entspann sich eine kurzweilige Unterhaltung, bei der die Zeit wie im Fluge verging.

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