11. November 2018, 22:17 Uhr

Kampf gegen Antisemitismus

11. November 2018, 22:17 Uhr
Erinnern an Verfolgung von Juden und Appell für Demokratie: Ernst Uwe Offhaus, Leopold Bach, Ralf Weidert, Pfarrer Peter Weigle (v. li.). (Foto: hso)

Auf Einladung der Gemeinde Feldatal, der Ev. Kirchengemeinde und dem Verein »Historisches Feldatal« kamen zahlreiche Besucher in der Alten Synagoge Kestrich zusammen, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. In der Nacht des 9. November seien schreckliche Ereignisse geschehen, sagte Ernst Uwe Offhaus. Dass die Synagoge in Kestrich noch stehe habe, man alleine Rudolf Weifenbach zu verdanken, der die Kestricher NS-Leute aus Angst um seinen angrenzenden Bauernhof vom Anzünden abhielt.

Bürgermeister Leopold Bach erinnerte in seiner Ansprache an den nationalsozialistischen Rassenwahn, der sich in jener Nacht brutal Bahn brach. Die Novembernacht habe auch dem Letzten klar gemacht, dass die antisemitischen Hetzreden der Nazis kein Gerede, sondern blutiger Ernst waren. Die Juden mussten erleben, dass sie an Leib und Leben bedroht waren. Viele entschlossen ihre Emigration, weshalb 1938 und 1939 die Jahre der höchsten Auswanderungszahlen wurden. Bach betonte, dass viele Bürger schwiegen, wohl aus Angst oder Einschüchterung. Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, habe festgestellt: »Was das Böse benötig, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit«.

Er sei froh, dass wir in einer Demokratie leben und es heute wieder lebendige jüdische Gemeinden in Deutschland gibt, so Bach weiter. »Wenn wir heute aus der Geschichte lernen wollen, müssen wir erkennen, dass der Kampf für unsere Gesellschaft auch ein Kampf gegen den Antisemitismus sein muss, egal aus welcher Ecke er kommt.« Menschenverachtung, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und Homophobie dürften wir nicht dulden. Wir tragen alle die Verantwortung, dass es keine schweigenden Mehrheiten mehr gibt, so der Bürgermeister.

Pfarrer Peter Weigle vom Gruppenpfarramt sagte, wichtig an einem solchen Gedenktag sei eine lebendige Erinnerungskultur. Frieden alleine ist der Weg, dass es solche Geschehnisse nie mehr geben werde. Dies gehe, wenn alle miteinander eine friedliche Zukunft bauen. Darauf legte man zum Gedenken an die Opfer am Gedenkstein vor der Ex-Synagoge ein Blumengebinde nieder und sprach das Vaterunser.

Ein Vortrag mit Bildern von Ralf Weidert aus Kestrich über das deutsche Brauwesen und Juden rundete den Abend ab.

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