05. November 2018, 21:57 Uhr

Herzzerreißende Geschichte

05. November 2018, 21:57 Uhr
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Aus der Redaktion
Autor Daniel Speck in der Halle 17 in Nieder-Ofleiden. (Foto: est)

»Ein Kurs in Achtsamkeit und Toleranz«, so beschreibt Ulrike Sowa das neue Werk »Piccola Sicilia« von Daniel Speck. Bereits zum zweiten Mal lud die Besitzerin der Homberger Buchhandlung zu einer Lesung des Erfolgsautors in der Nieder-Ofleidener Halle 17.

Daniel Specks Debütroman »Bella Germania« hielt sich 85 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wird als Dreiteiler verfilmt. Im September diesen Jahres erschien nun sein zweiter Roman »Piccola Sicilia«. Mit 140 Plätzen war die Lesung am Freitagabend komplett ausverkauft. Passend zur italienischen Handlung wurden die Gäste von Martin Jantosca mit Tortellini in Zitronensoße verwöhnt.

Die Geschichte rund um die tunesische Gemeinschaft »Piccola Sicilia« spielt teils in der Gegenwart und teils in der Vergangenheit der 1940er Jahre. Die deutsche Archäologin Nina leidet, wie ihre ganze Familie, unter dem unerklärten Verschwinden ihres Großvaters Moritz zu Kriegszeiten. Sie erhält einen unerwarteten Anruf von einem Freund, der ihr erklärt, dass er und sein Team vor Sizilien ein Flugzeug der deutschen Wehrmacht geborgen haben – auf der Passagierliste ihr Großvater Moritz. In Sizilien angekommen, trifft Nina auf eine Frau, die behauptet, Moritz gekannt zu haben. Sie sei seine Tochter.

Herzerwärmend erzählt Speck von den verwobenen Leben der jüdisch-italienischen Protagonisten Yasmina und Victor. Die Halbgeschwister lebten mit weiteren Juden, Arabern und Christen in friedlicher Nachbarschaft in »Piccola Sicilia«. Dann bricht mit der Besetzung Tunesiens durch die deutsche Wehrmacht, darunter der Soldat Moritz, der Krieg herein. Moritz verliebt sich in das Zimmermädchen Yasmina. Doch sie hat ein Geheimnis. Sie fühlt sich heimlich zu ihrem großen Bruder Victor hingezogen. Als die deutsche Schutzstaffel damit beginnt, die Juden auch in »Piccola Sicilia« auszurotten, rettet Moritz Victor aus einer Zelle für Todgeweihte. Aus herzerwärmend wird herzzerreißend. Besonders, als Speck erklärt, dass das Schicksal des Landes und der Figuren an wahre Ereignisse angelehnt sind.

Den Protagonisten Moritz schuf Speck nach dem Vorbild des deutschen Soldaten Richard Abel. Der befreite fünf gefangenen Juden und stattete sie mit einer Waffe, Verpflegung und Karten für die Flucht aus. Einer der Juden bat Abel, seine Familie über sein Wohlergehen zu informieren und kritzelte die Adresse auf ein Papier. Abel tat dem Gefangenen den Gefallen zunächst nicht. Erst als die Alliierten das Land eroberten und Deutsche und Italiener verfolgten, erinnerte er sich an den Zettel und suchte die Familie mit der Hoffnung auf Zuflucht auf. Tatsächlich versteckte die Familie Richard Abel zwei Jahre bis zum Ende des Krieges.

Die Gäste der Lesung hingen begeistert an den Lippen des Autors. Dementsprechend groß war der Ansturm auf den bereitgelegten Stapel Bücher, die dann auch signiert werden sollten. Und wer von »Piccola Sicilia« nicht genug bekommt, muss sich keine Sorgen machen. Daniel Speck versprach eine Fortsetzung mit den Figuren des neuen Bestsellerromans.



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