05. November 2018, 21:47 Uhr

Drogenplantage im Kinderzimmer

05. November 2018, 21:47 Uhr

Mücke/Gießen (rs). Seit 30 Jahren konsumiert er täglich Cannabis oder Marihuana. Da ist die Idee naheliegend, die Drogen selbst anzubauen. So begründete ein 46-Jähriger dieser Tage vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen seine Motive, Marihuana Ende vergangenen Jahres in einem Haus in Merlau angebaut zu haben. Einerseits listete der in Frankfurt geborene Marokkaner mit abgelaufenem Pass vor Gericht eine Reihe von beruflichen Tätigkeiten in den letzten zehn Jahren auf, andererseits steht zu Buche, dass er vor 13 Jahren bereits einschlägig verurteilt worden war.

Es sollte ein geordnetes Leben sein, beschrieb der Angeklagte die Situation im vergangenen Jahr, bevor er im Dezember aufflog. Mit seiner Lebensgefährtin sei er in ein Haus in Merlau gezogen. Dort war dann auch ein Kinderzimmer für die in diesem Jahr geborene Tochter vorgesehen. Aber vorher war der Raum offenbar die Zuchtstation für Rauschmittel. Er wolle mit der kriminellen Drogenszene nichts zu tun haben, ließ sich der Angeklagte ein, wobei überwiegend der in der Materie sehr bewandert wirkende Rechtsanwalt sprach. Als täglicher Konsument habe der 46-Jährige nicht von Lieferanten abhängig sein wollen.

Über vier Kilogramm Marihuana hatte die Polizei im Dezember sichergestellt, in dem Prozess geht es auch darum, dass ein Teil zum Konsum kaum oder nicht geeignet ist, mithin als Abfall gewertet werden kann. Wie groß die jeweiligen Anteile sind, darüber bestehen noch unterschiedliche Auffassungen. Denn je höher der als Rauschmittel zu verwendende Anteil ausfällt, umso höher könnte das Strafmaß sein. Rund ein Kilogramm habe der Angeklagte verkaufen wollen, um seine Investition in die Zuchtanlage wieder hereinzubekommen, sagte der Verteidiger. Der 46-Jährige habe auch schon einen Abnehmer – nicht aus der Szene – gehabt, den man aber nicht nennen wolle. In etwa die gleiche Menge sei für den Eigenkonsum übrig geblieben.

Der Rechtsanwalt beschrieb seinen Mandanten als einen zuverlässigen Menschen, der seine Marihuana-Pflänzchen gehegt habe. Nach der Ernte habe er aber Bedenken bekommen und die Anlage wieder abgebaut. Die Polizei hatte nur noch Teile der Anlage im Haus festgestellt. Zudem war die Qualität der Eigengewächse nicht so gut, ein Wirkstoffgehalt von rund zehn Prozent liege deutlich unter den Werten, die erfolgreichere Züchter erreichen könnten, informierte der Verteidiger. 17 oder 18 Prozent seien ein guter Wert, es würden aber von Züchtern auch 20 Prozent erreicht. Die Qualität der Eigengewächse des Mandanten sei dem Interessenten lediglich 3200 Euro für das Kilo wert gewesen. Bessere Qualität könne einen Preis zwischen 5000 und 10 000 Euro erzielen.

Der Vorsitzende Richter wies mehrfach darauf hin, dass in den als mit Marihuana-Abfall bewerteten Beuteln immerhin noch ein Gehalt von rund sieben Prozent festgestellt worden sei, das könne man ja zumindest untermischen. Aber der Verteidiger wandte sich vehement gegen diese Einschätzung: »Das ist Müll.« Außerdem: »So ein Zeug raucht man nicht, davon bekommt man ja Kopfschmerzen.«

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