04. November 2018, 21:53 Uhr

Die Bürger mehr einbinden

Eigentlich war ein Besetzen der Stelle nicht vorgesehen: Aus Kirtorfer Sicht hatte es nach Ulrich Künz einen gemeinsamen Bürgermeister mit Antrifttal geben sollen. Aber eine Fusion steht jetzt nicht an, am 9. Dezember ist eine Bürgermeisterwahl: Einer der Bewerber ist Andreas Fey (53) aus der Kernstadt.
04. November 2018, 21:53 Uhr
Bürgermeisterkandidat Andreas Fey tritt als Parteiunabhängiger Bewerber an, ist aber SPD-Mitglied. (Foto: pm)

Er ist 1986 nach Kirtorf zugezogen, mittlerweile in der Kommunalpolitik und Vereinen fest verwurzelt. Der Sozialdemokrat Andreas Fey war über mehrere Jahre Elternbeiratsvorsitzender im Kindergarten und in der Grundschule Kirtorf, er war Mitglied der Schulkonferenz des Gymnasiums in Alsfeld, Kreiselternbeirat und Kreistagsabgeordneter. Heute ist er noch Stadtverordneter, stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, Mitglied im Kindergartenausschuss sowie Mitwirkender im Aktionsbündnis für Vielfalt Kirtorf. Außerdem ist er Fördermitglied zahlreicher sozialer Organisationen.

Warum treten Sie als parteiunabhängiger Kandidat an, obwohl Sie doch SPD-Mitglied sind?

Andreas Fey: In der Kommunalpolitik sollte die Parteipolitik nicht im Vordergrund stehen, hier geht es darum, gemeinsam Herausforderungen der heutigen Zeit anzugehen. Ich halte es von daher für wichtig und richtig, dass ich mich – obwohl ich Angehöriger der SPD/UWL-Fraktion im Stadtparlament bin – als unparteiischer Kandidat allen Bürgern präsentiere um auch zu verdeutlichen, dass ich Ansprechpartner für alle sein will.

Was steht hinter Ihrem Programm »Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?«

Fey: Die Entwicklung Kirtorfs zeichnet sich durch solide Finanzwirtschaft aus. Ein guter Etat ist wichtig, aber es gilt auch ein Augenmerk darauf zu richten, dass wir neben dem demografischen Wandel eine Abwanderungsbewegung jüngerer Einwohner zu verzeichnen haben, so dass Kirtorf seit Jahren schrumpft. Die Infrastruktur muss den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft angepasst werden. Dazu zählt auch die Anbindung an schnelles Internet, wie auch die Schaffung von kostenfreien Hotspots. Das wurde lange vernachlässigt. Die gute medizinische Versorgung, die wir haben, gilt es zu sichern. Der Schritt zur neuen Kirtorfer Mitte mit Medzentrum ist genau richtig.

In welcher Form können die Bürger in die Ausgestaltung der Kommune eingebunden werden?

Fey: Für die Umkehr der derzeitigen Entwicklung ist auch eine Identifikation der Einwohner mit ihrer Heimatgemeinde erforderlich. Ich bin überzeugt, nur unter stärkerer Einbindung aller Bürger können wir eine Trendwende erreichen. Es gibt viele engagierte Bürger. Bereits in der Agenda 2010 wurden in Arbeitsgruppen Vorschläge eingebracht, die später leider nicht weiterverfolgt wurden. Erst mit dem IKEK-Programm konnten sich die Bürger wieder einbringen. Leider wird aber auch hier zu wenig Transparenz und Umsetzungswille gezeigt, um eine Identifikation der Bürger mit ihren Vorschlägen zu intensivieren. Der Tatendrang und das Interesse sind schließlich da, wie wir gerade bei Aktionen zur 1100-Jahr-Feier sehen konnten. Diesen Elan gilt es aufrecht zu erhalten und zu festigen und Möglichkeiten zur Entfaltung guter Ideen zu fördern.

Haben Sie noch ein Beispiel für den besonderen Elan der Kirtorfer?

Fey: Ein tolles Beispiel für eine gute Idee zur Identifikation und die Begeisterung der Mitbürger zeigte sich bei der Entwicklung und Vorstellung des Kirtorfer Hot-Dogs. Da haben sich drei Kirtorfer zusammengetan: Ein Metzger, ein Bäcker und ein Hobby-Imker. Sie entwickelten den speziellen Gaumenschmaus, der von allen Besuchern des Marktfestes sehr gut angenommen wurde. Dieser Hot-Dog wird weiterhin ein Traditionsgericht für Kirtorf werden, wie man bei der Grenzwanderung feststellen konnte.

Was sehen Sie als noch zu lösende Problemstellungen an?

Fey: Es gibt noch viele Baustellen. Die größer werdenden Mobilitätserfordernisse gerade für ältere Mitbürger bedingen, dass wir uns auch Gedanken um neue Mobilitätskonzepte wie zum Beispiel einen Bürgerbus machen müssen. Wie kommen denn sonst die älteren Bewohner von Gleimenhain oder Heimertshausen in die Kernstadt zum Arzt, zum Einkaufsmarkt, zur Bäckerei …? Die Ortsbeiräte sollten eingebunden werden, wo aus Sicherheitsgründen mobile Geschwindigkeitsüberwachung positioniert werden sollte. Es geht um den größtmöglichen Sicherheitsgewinn für die Bewohner. Schließlich gilt es auch die Lärmbelastung in den Ortsdurchfahrten zu reduzieren.

Kann das Miteinander Verwaltung und Bürger weiter verbessert werden?

Fey: Unter der Rubrik »Jeder ist uns wichtig« sehe ich auch eine Verbesserung der Erreichbarkeit unserer Verwaltung. Heutzutage sollte es doch ohne großen Aufwand möglich sein, dass der Bürger sein Anliegen über Internet einsendet. Es gibt zwar schon einen Internetauftritt, der ist aber entwicklungsfähig. Ich freue mich, dass unsere Stadtverwaltung durch ein gutes Team prima aufgestellt ist. Zusammen lässt sich da mit Sicherheit noch einiges gestalten.

Wie sieht es bei Veränderungen in den politischen Gremien aus?

Fey: Auch die Ausschüsse des Stadtparlaments sind zu reaktivieren. In den letzten Jahren gab es dort außer den jährlichen Haushaltsberatungen kaum Sachdiskussionen. Wenn sich Kirtorf entwickeln will, brauchen wir auch die Einbindung der Fachausschüsse. Dort erfolgt letztlich die Vorbereitung für die Parlamentsentscheidungen.

Eine Fusion mit Antrifttal ist im ersten Anlauf gescheitert. Werden Sie an dem Thema dran bleiben wollen?

Fey: Ich finde, wir passen eigentlich ganz gut zusammen. Aber es zeigte sich ganz klar, es geht nicht nur um Zahlen. Auch wenn eine Studie überschwängliche Einschätzungen abgegeben hatte, hat das später vorgelegte Zahlenwerk noch in eine deutlichere Prognose für einen Zusammenschluss gezeigt. Aber man muss erst die Bürger und natürlich auch die Gemeindevertreter emotional für einen Zusammenschluss erreichen, ansonsten funktioniert das nicht. Es fühlten sich einige übergangen. Wenn Vertrauen aufgebaut wurde, dann können wir auch weitere Schritte im Hinblick auf eine Fusion gehen.

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