31. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Hecke weg

Neue Viehweide entsteht im Gebüsch in Mücke

Wenn die Landwirte nicht mehr Flächen bewirtschaften, wächst alles zu. Wie das dann aussehen kann, welche Folgen hat, und was eine Wiederherstellung kostet, sieht man derzeit in Mücke.
31. Oktober 2018, 12:00 Uhr
In dieser dichten Heckenlandschaft zwischen Wettsaasen und Ruppertenrod kann Vieh nicht mehr weiden. Das wird sich bis zum nächsten Jahr ändern. (Foto: pm)

Weidenruten wurden zum Korbflechten genommen und dünne Schwarzdornäste als Anmachholz. Früher war Naturschutz ein Abfallprodukt bäuerlichen Alltags. Heute müssen Wege mit großen Maschinen freigehalten werden, und Landwirte haben es mitunter schwer, in kleinteiligem Weidegebiet die Landschaft frei zu halten. Wie gut dass es dann den Naturschutz gibt. In diesem Sinne wurde kürzlich eine Maßnahme des Naturschutzgroßprojektes Vogelsberg in Mücke vorgestellt.

Anja Püchner, die Vorsitzende des Trägervereins Natur- und Lebensraum Vogelsberg und Ruben Max Garchow, der Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts erläuterten, welche Besonderheiten sich hinter dichten Wänden aus Schwarzdorn und anderen Heckengehölzen verbergen. In diesem Fall liegt das angesprochene Areal auf einem Höhenrücken zwischen Ruppertenrod und Wettsaasen oberhalb des Radweges. Die Grünlandfragmente im Inneren der »Hecke« beherbergen geschützte Lebensräume, die es im Vogelsberg nur an sehr wenigen Stellen gibt – submediterrane Halbtrockenrasen. Nahe Lauterbach bei Schloss Eisenbach kann man das noch antreffen, ähnlich bedeutend sind die Bergmähwiesen oberhalb von 450 Meter wie bei Ulrichstein. Beide Wiesenarten weisen jedoch sehr unterschiedliche Pflanzen und Vegetationsperioden auf. Die wertvollen Flächen waren bei einer großangelegten Kartierung 2011/12 gefunden worden. Ziel der jetzt anstehenden Maßnahme sei die Wiederherstellung von nutzbarem extensivem Grünland, das nach der Erstinstandsetzung wieder an einen ortsansässigen Landwirt übergeben werden soll, erklärte der Projektleiter.

Glücksfall für Landwirt

Wenn der Heckenbereich wieder nutzbar ist, wird er von Heinrich Loth, Landwirt aus Wettsaasen, weiter bewirtschaftet. Er berichtete bildreich von den Schwierigkeiten, die es früher bei der Bewirtschaftung der Fläche gab und resümierte, dass es in den letzten Jahren unmöglich war, Tiere auf die Wiesen im Inneren der Heckenstruktur zu stellen: Zu dicht sei der Schwarzdorn geworden und das Futter immer weniger, weil es kaum eine Chance gab den Gebüschen Herr zu werden. Heinrich Loth ist daher dankbar, dass das Naturschutzgroßprojekt nun eingreift und die Fläche wieder auf Vordermann bringt. Das geschieht jetzt zunächst mit Maschineneinsatz und in Handarbeit. Angestrebt werden Arbeitsbreiten von sechs Metern, um in den Folgejahren Mulchern das Befahren zu ermöglichen. Aus der sechs bis acht Hektar großen Fläche sollen zwei bis drei Hektar Grünland frei geschnitten werden. Das Holz aus der Entbuschung soll als Brennstoff verwandt werden, allerdings liegen die Holzpreise nach Sturmschäden und wegen Borkenkäferplage derzeit am Boden. Die Wurzelballen werden auf der Fläche verbrannt.

Mückes Bürgermeister Andreas Sommer und Vertreter des NABU stimmten zu und bekräftigten, welch ein Glücksfall es sei, dass das Projekt die hohen finanziellen Mittel aufbringen kann, an dieser Stelle tätig zu werden. Die jetzt begonnene Entbuschung schläft mit Kosten von 60 000 bis 70 000 Euro zu Buche, zu dem Projekt gehört noch eine kleinere Maßnahme in einer Streuobstwiese bei Ruppertenrod, so das sich Gesamtkosten von rund 100 000 Euro ergeben. Ruben Max Garchow unterstrich, dass die Landwirte das A und O für den Erhalt der Kulturlandschaft seien und eine gute und enge Zusammenarbeit daher besonders wichtig sei.

Hecken müssen gekürzt werden

Aber auch die Natur profitiert von der Maßnahme, berichtete Karl-Heinz Zobich, Vorstandsmitglied des Trägervereins Natur- und Lebensraum Vogelsberg. Die überalterten Hecken haben – so wie sie aktuell aussehen – keinen hohen naturschutzfachlichen Wert mehr. Oben sind sie so dicht, dass kein Durchkommen mehr möglich ist, und unten sind die Äste kahl und vergreist und bieten keine Versteckmöglichkeiten mehr. Die Maßnahme erhöhe die Biodiversität der Fläche um ein Vielfaches, informierte Ruben Max Garchow. Nur wenn Hecken regelmäßig auf den Stock gesetzt – also zurückgeschnitten werden, bleiben die Strukturen vital und bieten sehr vielen Tierarten Rückzugs- und Nistmöglichkeiten.

Die Belange der Vogelwelt werden natürlich bei der Maßnahme besonders berücksichtigt. So finden Fällarbeiten nur von Oktober bis Ende Februar, also außerhalb der Brutsaison statt, und zudem wird darauf geachtet, dass die Arbeiten abschnittsweise, das heißt über mehrere Jahre hinweg, durchgeführt werden, damit immer Heckenstrukturen für die Tiere erhalten bleiben.

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