29. Oktober 2018, 21:09 Uhr

Extreme Wählerwanderungen

Ein Wahlabend der Extreme: Landrat Manfred Görig ist extrem sauer, die AfD gewinnt extrem in Hartmannshain und Bernshausen, die CDU verliert extrem in Antrifttal, die SPD verliert gleichmäßig und die Grünen gewinnen extrem in Wartenberg.
29. Oktober 2018, 21:09 Uhr
Schlange stehen bei der Landtagswahl in Alsfeld. (Foto: jol)

Nachdem CDU und SPD beklagt haben, dass sie bei der Landtagswahl Stimmen verloren haben, muss man feststellen: Auch der Wähler hat verloren.

Zwar nicht an Auswahl, aber an Lust an der (Wahl-)Sache. Nur auf den Vogelsbergkreis bezogen (Laubach gehörte 2013 noch nicht zum Wahlkreis 20) haben rund 7000 Wahlberechtigte am Sonntag kein Kreuzchen gemacht, die vor fünf Jahren zur Wahl gegangen waren. Vergleicht man die beiden Wahlen, so liegt die aktuelle Beteiligung mit 68,5 Prozent deutlich hinter der vor fünf Jahren mit 73 Prozent zurück. Höher war die Wahlbeteiligung nur in Schlitz wegen der Bürgermeisterwahl – gerade mal um 0,1 Prozentpunkte. Schaut man auf die beiden Hauptakteure um die Wahlkreisstimmer, so müssen die 25,7 Prozent SPD-Bewerber Swen Bastian zu denken geben. Denn vor fünf Jahren hatte er 38,6 Prozent geholt.

Jetzt hat ihn Neuling Michael Ruhl (CDU) als Nachfolger von Kurt Wiegel mit 30,3 Prozent überholt. Erstmals stellte die AfD einen Wahlkreisbewerber, Steffen Rühl holte auf Anhieb 15,3 Prozent, überflügelt damit noch die bekannte Grünen-Abgeordnete Eva Goldbach (13,1 %). Man kann den Ärger von Landrat Manfred Görig am Wahlabend also verstehen, wenn man etwa auf seinen Heimatort schaut. In Romrod ist die SPD von 40,2 auf 26,5 Prozent gefallen, nur in Wartenberg war das Minus mit 13,8 Prozent um 0,1 Prozentpunkte größer. Überdurchschnittlich Federn gelassen hat die SPD ferner beim Blick auf die Ergebnisse in den Großgemeinden – in Alsfeld -13,3 %, Feldatal -11,4 % und in Mücke -11,2 %.

Das ist aber für die CDU kein Grund zum Frohlocken, denn ihre Verluste fallen noch höher aus. 16,8 Prozentpunkte in Antrifttal sind enorm, die CDU hat dort noch 45,3 Prozent. Beim Minus-Ranking folgen Kirtorf (14,7 %), Ulrichstein, Gemünden und Grebenhain (je 13,9 %). Bei den Grünen geht es dagegen eher um Zugewinne etwa in Wartenberg (10 %), Alsfeld (7,2 %), Laubach (7,1 %), Schotten (7 %) und Kirtorf (6,8 %). Die Linke verharrt auf niedrigem Niveau, die Liberalen haben bei einer durchschnittlichen Verbesserung um 2,1 Prozentpunkte in Schwalmtal, Homberg und Ulrichstein um wenigstens drei Punkte zugelegt. Das Plus der AfD (durchschnittlich 13,7 %) fällt in Freiensteinau, Grebenhain und Ulrichstein mit über 15 Prozentpunkten sehr hoch aus.

Bei der Landesstimme hat die CDU in Ortsteilen von Antrifttal und Kirtorf erwartungsgemäß die besten Ergebnisse: In Vockenrod sind es 50,3 %, in Ohmes 49 %, in Lehrbach 46,7 % und in Ruhlkirchen 46,3 %. Mittendrin fällt noch Dannenrod mit 47,2 % auf. Einmal erzielt die SPD bei der Zweitstimme glatte 50 Prozent – in Rülfenrod. Es folgen mit Dirlammen (49,3 %) und Kölzenhain (42,4 %) nur noch zwei Orte mit einer vier vor dem Komma, bei der CDU waren es elf gewesen.

Die Grünen haben mit glatten 30 % in Rudlos ihr bestes Ergebnis. Die Alsfelder Kernstadt mit dem Wahlbüro Geschwister-Scholl-Schule folgt mit Abstand (23,6 %). Schlusslicht ist Rülfenrod mit 2,5 Prozent. Bei der Linken fallen die Resultate bescheidener aus, Spitzenreiter ist hier Hopfgarten mit 13 Prozent. In Reuters, Laubach FFW-Haus, Busenborn, Rülfenrod und Reinhards steht immerhin noch eine zehn vor dem Komma. In vier Wahlbezirken kreuzte niemand die Linken an.

FDP sahnt in Bleidenrod ab

Die FDP fährt mit 18,1 Prozent das beste Ergebnis in Bleidenrod ein, es folgen Wettsaasen (17,8 %) und Büßfeld (17,1 %). In Rudlos und Eichelhain konnte sich kein Wähler für liberale Ideen erwärmen.

Hohe Prozentwerte gibt es bei der AfD: Hartmannshain (36,3 %), Bernshausen (33,8 %) und Burkhards (31,7 %) fallen mit einer drei vorne auf. Über 20 Prozent sind es noch unter anderem in Köddingen (27,6 %), Burg-Gemünden (26,4 %), Wohnfeld (25,6 %), Otterbach (25 %), Gleimenhain (24,4 %), Ober-Seibertenrod (24,8 %), Ulrichstein (23,2 %), Höckersdorf (22,5 %), Seibelsdorf (21,9 %), Deckenbach/Höingen (21,8 %), Ruppertenrod (21,4 %), Wettsaasen (21,1 %), Wahlen (20,7 %) und Alsfeld Bezirk Gerhart-Hauptmann-Schule (20,7 %). Nur einmal fällt die AfD unter fünf Prozent: in Rudlos mit 3,3 Prozent. Auffällige Ergebnisse sind noch die 26,9 Prozent für die Freien Wähler in Fleschenbach, die 14,5 Prozent in Reichlos sowie die 13,1 Prozent in Freienseen.

Während die NPD insgesamt keine Rolle spielt, erreichte sie in Gleimenhain und Vaitshain immerhin jeweils 4,7 Prozent, in Hörgenau 3,8 Prozent. Die Liste BüSo wurde lediglich in sechs der 232 Wahlbezirke angekreuzt, erreichte in Ehringshausen immerhin 1,1 Prozent.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alternative für Deutschland
  • CDU
  • Die Linke
  • Extreme
  • FDP
  • Freie Wähler
  • Gleimenhain
  • Hartmannshain
  • NPD
  • Reuters
  • Rülfenrod
  • SPD
  • Vogelsberg
  • Wähler
  • Rolf Schwickert
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.