28. Oktober 2018, 18:42 Uhr

Bei allem Leid auch Hoffnung

28. Oktober 2018, 18:42 Uhr
Im Rahmen einer Veranstaltung der Flüchtlingsinitiative Gemünden erzählt Stephanie Binder über ihre Arbeit und die Schicksale von Menschen. (Foto: pm)

Im Rahmen einer Veranstaltung der Flüchtlingsinitiative Gemünden berichtete Stephanie Binder, aufgewachsen in Wettsaasen, in Gemünden über ihre Arbeit als Kommunikations- und Medienmitarbeiterin der deutschen Hilfsorganisation Welthungerhilfe in der Türkei, Syrien, dem Libanon und Irak.

Statt über Flüchtlingszahlen und Politik zu reden, erzählte die Journalistin die Geschichten der Menschen, denen sie während ihrer zweijährigen Tätigkeit in der Region begegnete. Zwei Dinge hat sie dabei gelernt: »Als Menschen gibt es immer mehr, was uns verbindet, als uns trennt. Jeder Geflüchtete hat seine eigene Geschichte, denn jeder Mensch, ob in Europa oder in Syrien, ist einzigartig.« Eine Geschichte erzählte von syrischen Eltern, die mit ihrem Sohn und dutzend anderen Familien tagelang in einem Keller Zuflucht vor den Luftangriffen des Regimes suchten.

Zwei Kinder einer schutzsuchenden Familie, die beim Spielen auf der Straße von einem der Angriffe überrascht wurden, kamen ums Leben. Wenige Monate später und zehn Tage nach der Geburt ihres zweiten Kindes entschloss sich das Ehepaar zur Flucht in die Türkei. Vor allem die Stärke der Frauen, die der Krieg oft zu Witwen und alleinerziehenden Müttern gemacht hat, beeindruckte Binder. Syrische, aber auch irakische Frauen haben es besonders schwer. Häusliche und sexuelle Gewalt, aber auch die steigende Zahl von Kinderehen, seien die traurigen Folgen der Kriege in beiden Ländern.

Kind mit elf Jahren verheiratet

»Eine Geschichte, die ich nie vergessen werde, ist die von Mariam aus dem Nordirak,« erzählte Binder. Mariam wurde von ihrem ersten Ehemann verlassen, nachdem er ihre beiden Töchter mit 11 und 13 Jahren gegen ihren Willen verheiratet hatte. Die resolute Irakerin schloss Jahre später mit ihrer in zweiter Ehe geborenen Tochter einen Pakt: Sie darf nicht heiraten, bevor sie ihren Hochschulabschluss hat. Das sind mutige Worte einer irakischen Frau aus einer konservativen Stadt, wo Mädchen oft mit unter 16 Jahren verheiratet werden. Kinder leiden besonders unter den Folgen von gewaltsamen Konflikten. In Syrien ist laut Vereinten Nationen eines von drei Kindern im Krieg aufgewachsen. Mädchen und Jungen können oft jahrelang nicht zur Schule gehen und sind traumatisiert.

Trotz allem Leid gibt es auch immer Hoffnung. »Auch im Krieg werden Kinder geboren, Hochzeiten gefeiert und Witze gemacht,« sagte Binder. Der Humor und die Stärke ihrer syrischen und irakischen Kollegen und Freunde hat sie besonders beeindruckt. Mit ihren Geschichten schaffte Binder es, den Zuhörern die vielfältigen Schicksale der Menschen nahe zu bringen. Dem Einen oder Anderen wurde an diesem Abend vielleicht bewusst, wie glücklich man sich schätzen kann, in einem friedlichen Teil der Erde zu leben. Für die Flüchtlingsinitiative bedankte sich Rainer Lindner bei Stephanie Binder für den Vortrag.

Hingewiesen wurde auf weitere Veranstaltungen der Initiative, so als nächstes eine Podiumsdiskussion zur Flüchtlingssituation im Vogelsberg am Mittwoch, 14. November, im DGH Nieder-Gemünden. Dazu kommt im Februar kommenden Jahres eine Veranstaltung mit der 93-jährigen Esther Bejarano – eine der letzten Überlebenden von Auschwitz, die mit den Rappern von der »Microphone Mafia« in der Kirche auftreten wird.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alleinerziehende Mütter
  • Elend
  • Gemünden
  • Heiraten
  • Luftangriffe
  • Mafia
  • Sexualdelikte
  • Sänger und Sängerinnen des Bereichs Rap
  • UNO
  • Vogelsberg
  • Welthungerhilfe
  • Gemünden
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen