23. Oktober 2018, 20:33 Uhr

Gefahr nicht unterschätzen

23. Oktober 2018, 20:33 Uhr
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Aus der Redaktion
Dr. Johannes-Georg Elsing (r.) »impft« Chefarzt Dr. Peter Hien. So groß wie auf dem Foto ist die Spritze in Wirklichkeit natürlich nicht. (Foto: pm)

In den vergangenen Tagen zeigte sich der Herbst von seiner schönen Seite. Doch jetzt ziehen langsam, aber sicher Kälte, Matsch- und Nieselwetter ein – und damit einher gehen nicht selten Husten, Halsschmerzen und rote Schnupfennasen.

Gefährlich kann es werden, wenn man sich eine richtige Grippe einfängt – man denke nur an die alarmierenden Berichte aus dem vergangenen Winter. »So weit muss es nicht kommen«, sagt Dr. Peter Hien, der Chefarzt für Innere Medizin am Alsfelder Krankenhaus, und wirbt für vorbeugende Maßnahmen und die Grippeschutzimpfung. Dabei appelliert er vor allem auch an Kollegen. »Der Nutzen speziell im Krankenhaus ist eindeutig gesichert«, betont Hien. »Durch die Impfung gibt es viel weniger Erkrankungen bei den Patienten, bei deren Angehörigen und vor allem auch im Team, weil man sich gegenseitig einfach weniger ansteckt.« Die Folge: Es fallen nicht mehr so viele Mitarbeiter krankheitsbedingt aus.

Bei den schweren Grippewellen in den vergangenen beiden Wintern, erinnert sich der Arzt, waren in Deutschland so viele Pflegekräfte und Ärzte erkrankt, dass in manchen Krankenhäusern sogar ganze Stationen geschlossen werden mussten.

Es kam zu Versorgungsengpässen. Daher mussten Patienten in weiter entfernte Kliniken verlegt werden – teilweise von Hessen bis nach Hamburg. Im Alsfelder Krankenhaus wurden beispielsweise Patienten aus Friedberg behandelt. Vor diesem Hintergrund appelliert der Mediziner an die Mitarbeiter, sich impfen zu lassen: »Die Grippeimpfung einmal pro Jahr hat enorme Vorteile«, betont er. Die Impfung schützt beim ersten Mal zu 50 Prozent und lindert die Symptome, ab der sechsten Impfung liegt der Schutz über 90 Prozent«, sagt Hien.

Empfohlen werde die Impfung für alle ab dem 60. Lebensjahr, für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und für Berufsgruppen, die viel mit andern Menschen zu tun haben – also eben auch für Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

»Eine normale Erkältung ist lästig, aber verläuft meist leicht. Da kommt es zur Bronchitis und Abgeschlagenheit«, macht der Mediziner deutlich. »Die Influenza jedoch kann extrem schwer verlaufen, da sind die Betroffenen zwei Wochen sterbenskrank und brauchen anschließend zwei bis drei Monate, bis sie wieder komplett erholt sind.«

Mehrere Tausend Menschen würden unnötig jedes Jahr sterben, weil sie nicht geimpft waren. »Wir hatten in den letzten beiden Jahren auch etliche junge Menschen, die mit Influenza leidensvolle Krankheitsverläufe hatten«, erzählt der Mediziner. »Deshalb sehen wir da schwerkranke und auch junge und vorher gesunde Menschen, die dies nicht überleben«, findet er deutliche Worte.

Nasskaltes Wetter mit Virusinfektionen bereitet außerdem den Weg für zahlreiche andere Krankheiten wie Thrombosen und Embolien, Gefäßverstopfungen mit Schlaganfall und Herzinfarkt würden zunehmen, ebenso Lungenentzündungen und Magen-Darm-Blutungen. Viren und Bakterien werden meist über die Hände übertragen. Wichtig dabei: Viren überleben mindestens zwei Tage im Freien, unter anderem auf Türklinken, Handläufen oder an Einkaufswagengriffen. »Ganz wesentlich ist, dass man sich im Winter nicht ins Gesicht fasst und nicht an die Nase greift.« Diesen Übertragungsweg – wahrscheinlich der häufigste – müsse man unbedingt vermeiden.

Deshalb müsse man sich häufig die Hände waschen. In der Klinik trägt man zudem bei engem Kontakt Mundschutz, vermeidet das Hände geben und verwendet bevorzugt virusaktive Desinfektionsmittel, die sogar hautpflegend sind. Diese bekomme man auch in der Apotheke.



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