20. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Landwirtschaft

Nicholas Lein aus Bleidenrod in Berlin geehrt

Landwirtschaft ist mehr als Melken und Pflügen. Wer einen mehrere hundert Hektar großen Betrieb hat, vom Wetter und Weltmarktpreisen abhängig ist, muss auf Zack sein - so wie Nicholas Lein
20. Oktober 2018, 05:00 Uhr
Nicholas Lein (2.v.r.) neben Luc Emering, Sieger der Kategorie Junglandwirt (2.v.l.) und Jurymitgliedern.

Wenn man sich die Kategorien des CeresAward anschaut, kommt man nicht sofort auf Landwirtschaft: Die Rubriken Geschäftsidee und Manager könnten eher bei anderen Berufsgruppen auftauchen. Das zeigt: Die Landwirte im Wettbewerb müssen breit aufgestellt sein, deutlich über die eigene Scholle hinausgucken. Das war auch das faszinierende für den Junglandwirt Nicholas Lein aus Bleidenrod beim CeresAward: Der Austausch mit den 29 Mitbewerbern aus Deutschland, Österreich und Luxemburg war sehr interessant, Lein erfuhr, wie andernorts gedacht und gearbeitet wird. Beim Galaabend »Nacht der Landwirtschaft« saß er als Zweitplatzierter in der Kategorie Junglandwirt neben dem Sieger: Luc Emering aus Sprinkange in Luxemburg.

Die Nacht der Landwirtschaft, der feierliche Rahmen für die Verleihung des CeresAward, stand in diesem Jahr unter dem Motto ›Wertschätzung für die Landwirtschaft‹. »Seien Sie stolz auf das, was Sie machen. Nicht jeder kann Ihren Beruf. Man muss dafür Talent, Herzblut und auch eine Vision haben«, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. »Sie vermitteln ein Bild von Landwirtschaft, das viel komplexer ist, aber vor allen Dingen gehört Ihnen die Zukunft.

Öffentlichkeitsarbeit im Blick

Das ist auch das Anliegen von Nicholas Lein: Die positiven Seiten der Landwirtschaft darstellen. »Es stehen so viele schlechte Dinge in den Medien«, äußerte er am Tag nach der Preisverleihung gegenüber der Alsfelder Allgemeinen Zeitung, »da möchte ich gerne gegensteuern.« Vor diesem Hintergrund ist er sehr zufrieden, dass er auf dem Weg nach Berlin bei der Vorentscheidung immer wieder positiv in die Medien kam. In diesem Sinne tritt er deutlich in die Fußstapfen seines Vaters Volker Lein, der nicht nur aktuell als Vorsitzender des Bauernverbandes und Vize auf Landesebene seinen Berufsstand positiv vermittelt. Die Öffentlichkeitsarbeit war vor der neuen Führungsposition sein Hauptaugenmerk.

So war es folgerichtig, dass Nicholas Lein die Fahrt nach Berlin mit seiner Familie antrat: Mit Vater und Mutter, mit Ehefrau und sieben Monate altem Sohn. Gefahren wurde übrigens ganz entspannt: Mit der Vogelsbergbahn nach Fulda und von dort mit dem ICE in die Bundeshauptstadt. Begleitet wurden die Bleidenröder von Gleichgesinnten. Andreas Kornmann aus Zell hatte es beim CeresAward auch mal so weit gebracht wie jetzt Nicholas Lein. Kornmann, inzwischen auch Kreislandwirt, war 2016 unter die besten drei Schweinezüchter gekommen.

Zum Landwirt des Jahres 2018 und gleichzeitig zum Sieger in der Kategorie Energielandwirt wurde der Österreicher Tobias Ilg aus Dornbirn, Vorarlberg, gekürt. ›Nicht alles was wirtschaftlich ist, macht Sinn, aber alles was Sinn macht, wird irgendwann wirtschaftlich‹, diese Maxime beherzige der Landwirt des Jahres, Tobias Ilg, so die fünfköpfige Jury des CeresAward über den Gesamtsieger. »Er ist stark in seiner Region verortet, schaut aber gerne über den Tellerrand hinaus. Seine Neugierde ist kaum zu stillen«, führt die Jury aus.

Interessante Tischgespräche

Über 350 Gäste hatten sich im Kosmos in Berlin eingefunden, um bei abwechslungsreichem Programm mit Showacts, Diskussionen und Livemusik die Sieger aus zehn Kategorien zu feiern und am Ende natürlich den Gesamtsieger. Mit der Auszeichnung von Tobias Ilg zum Landwirt des Jahres endete um kurz vor Mitternacht das offizielle Bühnenprogramm des CeresAward. Die Nacht der Landwirtschaft war damit aber noch lange nicht vorbei. Die Sieger, Finalisten und Gäste feierten weiter bis in die Morgenstunden. Zeit für fröhliche Gespräche bei einem Glas Wein, aber auch für fachlichen Austausch und die Erweiterung des Netzwerks. Für Nicholas Lein bedeutete dies auch, dass er mit Tischnachbar und Junglandwirte-Sieger Luc Emering aus Luxemburg ins Gespräch kam. Der kommt von einer Bio-Hähnchenzucht, und er baut zudem Bio-Dinkel und Bio-Soja an. Aus Dinkel und Eiern werden Nudeln hergestellt, und was Nicholas Lein besonders beeindruckt hat: Luc Emering liefert zu seinen Nudeln auch noch die passende Soße.

Jetzt wird ein Haus gebaut

Die beiden vorn Platzierten in der Kategorie Junglandwirte machen deutlich: Was die sich bewerbenden Landwirte machen, spielt nicht die Hauptrolle. Es geht eher darum, was sie mit ihren Gegebenheiten machen, wie sie sich weiter entwickeln wollen, welche Ideen sie haben und wie sie sich und ihren Betrieb repräsentieren. »Da ist der Luxemburger wohl etwas besser angekommen«, kommentiert Lein die knappe Entscheidung. Wird er sich noch mal bewerben? »Nein«, sagt Lein, »mit der Bewerbung und der breiten Berichterstattung dazu habe ich einige positive Berichte über Landwirtschaft angestoßen. Ich habe gezeigt, dass es im Vogelsberg Junglandwirte mit Perspektive gibt«. Jetzt wird Lein neben der täglichen Arbeit erstmal seinen Hausbau vorantreiben. Ausruhen ist nicht sein Ding.

(Foto: © Timo Jaworr für agrarheute)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bleidenrod
  • Bundeslandwirtschaftsminister
  • Julia Klöckner
  • Landwirte und Bauern
  • Nudeln und Pasta
  • Schweinezüchter
  • Vogelsberg
  • Wetter
  • Homberg-Bleidenrod
  • Rolf Schwickert
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen