26. Juli 2010, 19:36 Uhr

Mehr Angebote für seelisch erkrankte Menschen

Vogelsbergkreis (pm). Die Vogelsberger Lebensräume wollen ihr kreisweites Angebot für seelisch erkrankte Menschen auf den Bedarf einstellen und möglicherweise ausweiten.
26. Juli 2010, 19:36 Uhr
Zufrieden mit der Arbeit der Vogelsberger Lebensräume (von links): Klaus Schmidtkunz, Leiter des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in Alsfeld, die Vorstandsmitglieder Hans-Jürgen Schäfer, Volker Christe und Manfred Dickert sowie Hans-Georg Stoll, stellvertretender Verwaltungsdirektor, der Eichhof-Stiftung. (Foto: pm)

Vogelsbergkreis (pm). Die Vogelsberger Lebensräume wollen ihr kreisweites Angebot für seelisch erkrankte Menschen auf den Bedarf einstellen und möglicherweise ausweiten. Das sagte Hans-Jürgen Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Lauterbacher Stiftung Heilanstalt für Kranke, nach einem Besuch des Vorstandes im Gemeindepsychiatrischen Zentrum in Alsfeld. Mit den in Alsfeld und Lauterbach vorgehaltenen Gemeindepsychiatrischen Zentren, jeweils bestehend aus einem Wohnheim, einer Tagesstätte und Betreutem Wohnen sowie den Kontakt- und Beratungsstellen in Alsfeld, Lauterbach, Schlitz, Grebenhain, Nieder-Ohmen und Schotten sind die Vogelsberger Lebensräume kreisweit präsent.

»Damit übernehmen wir eine große Verantwortung für die psychiatrische Versorgung der Region«, betonte Schäfer. Für die hohe Qualität der Arbeit sei vor allem die große Motivation der Mitarbeiter verantwortlich, lobte er. Durch die große Nähe zu den Betroffenen sehen die Lebensräume früh, wo sich der Bedarf an Hilfe ändert. »Es kommen mehr alleinlebende Senioren mit depressiven Erkrankungen in unsere Tagesstätten, die hier wieder Anbindung und Orientierung finden«, berichtete Klaus Schmidtkunz, Leiter des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in Alsfeld. Diese älteren Mitbürger lebten oft in sehr isolierter Lebenssituation und fänden in den Tagesstätten ein qualifiziertes Angebot zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Bei vielen kann dadurch eine frühzeitige stationäre Lösung verhindert werden. »Hilfen im direkten Lebensumfeld in der Gemeinde wären als weitere Zwischenlösung für diesen Personenkreis sinnvoll«, sagte Schmidtkunz.

Klar sei aber, stellte der Vorstandsvorsitzende Schäfer heraus, »dass das Gesundheitssystem nicht alle Schwachen auffangen kann«. Damit auch Menschen mit Handicaps aufgefangen werden können, müsse es gelingen, Familien zu stärken und Bürger zu mehr nachbarschaftlichem Engagement zu mobilisieren.

Auch unter jungen Leuten wachse der Hilfebedarf, erläuterte Schäfer. Deshalb haben die Vogelsberger Lebensräume im August 2009 mit dem Jugendamt des Vogelsbergkreises eine Vereinbarung geschlossen und bieten psychisch kranken Jugendlichen, jungen Erwachsenen und ihren Familien Beratungs- und Betreuungsleistungen an. Zu diesen Leistungen gehören die Hilfe zur Erziehung, Hilfe für Volljährige, Eingliederungshilfe, Sozialpädagogische Familienhilfe, Aufsuchende Familientherapie, Clearing und Diagnostik.

Zurzeit nehmen neun Betroffene dieses neue Angebot wahr. »Wir sehen, dass der Bedarf an psychiatrischer Hilfe noch viel größer ist. Wir prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, mit denen auch die Psychiatrische Abteilung des Medizinischen Zentrums Eichhof helfen könnte. Diese Abteilung hat bei erwachsenen seelisch Erkrankten bereits den Versorgungsauftrag für den gesamten Vogelsbergkreis«, erläuterte Schäfer.

Im Bereich der Beratung gibt es seit längerer Zeit eine enge Zusammenarbeit der Lebensräume mit der Vogelsberger Kommunalen Vermittlungsagentur (»Hartz-IV-Behörde«). Dabei unterstützen die Experten der Lebensräume ihre Kollegen in der Agentur bei der Beratung und Perspektivbildung der Klienten im Hinblick auf Vermittlungshemmnisse und mögliche psychische Störungen. Darüber hinaus gibt es für die MitarbeiterInnen der KVA Schulungsangebote in methodischen Fragen und für Einzelfallsituationen.



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