Vogelsbergkreis

So kann man es allen recht machen

Entweder arbeiten oder sich um die Familie kümmern - das muss nicht sein. Es gibt flexible Arbeitszeitmodelle. Der Vogelsbergkreis macht es mit fast 70 Teilzeit- und Arbeitsvarianten vor.
27. August 2018, 12:00 Uhr
Redaktion
Die Kreisverwaltung schafft Möglichkeiten, damit Beschäftigte Familie und Beruf vereinbaren können Matthias Röse sitzt einmal in der Woche am Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer in Antrifttal. So kann er sich um seine Kinder kümmern. 	(Foto: pm)
Die Kreisverwaltung schafft Möglichkeiten, damit Beschäftigte Familie und Beruf vereinbaren können Matthias Röse sitzt einmal in der Woche am Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer in Antrifttal. So kann er sich um seine Kinder kümmern. (Foto: pm)

Matthias Röse sitzt am Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer und überlegt gerade, welcher Traktor angeschafft werden soll, während sich seine beiden Kinder im Esszimmer nebenan gerade das Frühstück zubereiten. Nicht ungewöhnlich ist ein solcher Blick aufs Familienleben im Vogelsberg, oder? Doch. Matthias Röse ist nämlich »an der Arbeit«, er prüft gerade eine Ausschreibung, denn besagter Traktor wird für den Hausmeister einer Vogelsberger Schule benötigt. Röse ist in der Kreisverwaltung im Bereich Schulbetrieb und die Schulorganisation tätig, seit einem guten Jahr arbeitet er an einem Tag in der Woche nicht im Büro im Amt für Schulen und Liegenschaften in Alsfeld, sondern im schmucken Eigenheim in Ruhlkirchen, damit die beiden Kinder nicht alleine sind.

Homeoffice nennt sich das. Und ist nur ein Beispiel dafür, wie die Kreisverwaltung als Arbeitgeber den Beschäftigten entgegenkommt, etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. »Es ist aus meiner Sicht wichtig, flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten, wir wollen doch unsere gut ausgebildeten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten. Für die Verwaltung und natürlich für die Region«, betont Landrat Manfred Görig (SPD). Fachkräftesicherung ist das Schlagwort. Es gibt bei uns gut 70 verschiedene Teilzeit-Modelle für die Leute, die ihre Stunden reduzieren, um für die Familie da sein zu können«, sagt der Landrat.

Kinderbetreuung leicht gemacht

Matthias Röse kann genau das, dank seines Homeoffice-Tages kann er Familie und Beruf unter einen Hut bringen – und das weiterhin in Vollzeit. Denn jeden Dienstag arbeitet er von zu Hause aus, damit die achtjährige Tochter und der zwei Jahre jüngere Sohn nicht alleine sind. »Meine Frau ist dienstags länger im Büro«, schildert er den Hintergrund. Bei der Kinderbetreuung musste daher die ganze Familie einspringen. »Die Zeit musste immer irgendwie überbrückt werden.« Bis vor einem Jahr. Da kam Röse die Idee mit dem Telearbeitsplatz zu Hause. Erst einmal gab es eine dreimonatige Testphase, »die war in Ordnung«, das Modell wurde auf ein Jahr ausgelegt, mittlerweile ist es auf zwei weitere Jahre verlängert.

Wie genau sieht denn nun so ein Arbeitstag in Ruhlkirchen aus? Matthias Röse hat einen sogenannten Token, damit hat er am heimischen Computer Zugriff auf alle Programme und Laufwerke seines Dienst-Rechners, kann also »ganz normal« seiner Arbeit nachgehen. Sobald die Kinder in der Schule sind, loggt er sich ins System ein, mittags dann macht er eine längere Pause, um mit Tochter und Sohn gemeinsam zu essen, dann geht es wieder ins Arbeitszimmer. »Die Kinder beschäftigen sich alleine, lenken mich nicht von der Arbeit ab. Es geht einzig und allein darum, dass sie nicht alleine im Haus sind. Dafür sind sie noch zu jung«, betont Matthias Röse. Mittlerweile weiß er den Tag zu Hause sogar richtig zu schätzen. »Ich habe hier absolute Ruhe, wenn es um besonders komplizierte Ausschreibungen geht, dann plane ich sie sogar extra für den Home-office-Tag ein«, erzählt der Familienvater.

Um kranken Vater kümmern

Christine Krug nutzt ein anderes Arbeitszeitmodell. Sie kümmert sich in der Finanzabteilung um das verwaltungsinterne Rechnungswesen. »Zu mir kommen keine Kunden, niemand musste auf einen Bescheid warten, weil ich meine Stunden reduzieren musste«, macht die Alsfelderin deutlich. Vor fünf Jahren war das. Damals erkrankte der Vater plötzlich im Urlaub. Schnell und flexibel musste reagiert werden. »Es lief alles super. Meine Amtsleiterin hatte sofort Verständnis für meine Situation«, erinnert sich Christine Krug. Bis heute ist der Vater in seiner Mobilität eingeschränkt, wird von seiner Frau gepflegt, aber auch Tochter Christine muss oft einspringen. Schon sehr häufig hat sie den Vater bei Arztbesuchen begleitet, ihn ins Krankenhaus gefahren und die Mutter bei der Pflege unterstützt. »Es ist prima, dass die Rahmenbedingungen vom Arbeitgeber so geschaffen werden, dass ich bei der Pflege meines Vaters helfen kann, ohne mein Berufsleben unterbrechen zu müssen«, zeigt sich Christine Krug zufrieden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,477026

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