26. August 2018, 20:31 Uhr

Land- und Stadtpraxen nicht vergleichbar

26. August 2018, 20:31 Uhr

Vogelsbergkreis (pm). Eine Delegation von heimischen Haus- und Fachärzten, die sich im Arbeitskreis Politik der Vogelsberger Gesundheitskonferenz engagieren, hat an der Plenarsitzung des Hessischen Landtags in Wiesbaden teilgenommen. Nachdem auf einem Treffen der Gesundheitskonferenz im Mai in Lauterbach der Wunsch formuliert wurde, die Erfahrungen der Vogelsberger Ärzte nach Wiesbaden zu tragen, hatte Swen Bastian (SPD) den Landtagsbesuch und ein Fachgespräch mit Gesundheitspolitikern und Abgeordneten aller Fraktionen angebahnt.

Bereits im Vorfeld der Landtagsvisite hatte Dr. Christof Schwarzer, niedergelassener Hausarzt aus Lauterbach, in Abstimmung mit seinen Kollegen ein Positionspapier verfasst, das den Landespolitikern vorab zugeleitet wurde. Von Verbesserungen in der Bedarfsplanung, der Abschaffung von Regressen bis zur Schaffung einer primärärztlichen Interessensvertretung reichen die Vorschlägen der heimischen Mediziner, die in Wiesbaden eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Landärzte reklamiert haben.

Im Austausch mit den Sprechern aller im Landtag vertretenen Fraktionen machten die Mitglieder der Vogelsberger Delegation deutlich, dass Land- und Stadtpraxen extrem unterschiedliche Strukturen vorfinden, die in der Regel zu strukturellen Benachteiligungen führen. Ländliche Arztpraxen versorgen gewöhnlich viele Patienten, darunter zahlreiche ältere Menschen, die stärker auf Hausbesuche angewiesen sind. Das habe zur Folge, dass Hausärzte auf dem Land mehr Leistungen bei der Medikamentenversorgung und Heilmitteln übernehmen, was die Gefahr von Regressen mit sich bringe. Diese Strafzahlungen stellten für die niedergelassenen Ärzte eine ständige Bedrohung dar und wirkten abschreckend auf junge Ärzte, die sich prinzipiell vorstellen könnten auf dem Land zu arbeiten. Daher müssten die für Ärzte kaum kalkulierbaren Regresse abgeschafft oder deren Gefahr wenigstens minimiert werden, so die Forderung der Vogelsberger Mediziner. Zumal die Verwaltungskosten des Regresssystems unverhältnismäßig hoch seien.

Auch Verbesserungen bei der Bedarfsplanung sind aus Sicht Hausärzte dringend nötig. Denn gelingt es heute nicht, einen freien Arztsitz innerhalb von sechs Monaten zu besetzen, werde dieser ersatzlos gestrichen. In Alsfeld und Umgebung stellten sich die Verhältnisse der Patientenversorgung schon heute schwierig dar. Hausarztpraxen wurden geschlossen, weil sich keine Nachfolger fanden. Zahlreiche Wechsel stehen für die Zukunft aber noch an. Bis zum Jahr 2035 beträgt der Nachfolgebedarf für Hausärzte im Vogelsbergkreis nach dem »Fokus Gesundheit 2018« der Kassenärztlichen Vereinigung 65 Prozent. Dass der Vogelsbergkreis aber dennoch als überversorgt gilt, zeige dass die Bedarfsplanung längst nicht mehr zeitgemäß sei und einer Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort bedürfe.

Ziel des Austausches des heimischen Mediziner im Landtag war es deutlich zu machen, dass gemeinsame und vielfältige Anstrengungen von Politik, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen nötig sind, um eine grundlegende Verbesserung der Rahmenbedingungen ärztlicher Arbeit auf dem Land zu erreichen. Dr. Christof Schwarzer lud Vertretern der Landtagsfraktionen ein, in den Vogelsbergkreis zu kommen, um den angestoßenen Dialog über die Situation der Landärzte vor Ort zu vertiefen.

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