03. August 2018, 21:37 Uhr

Fragen zum Sonntag

03. August 2018, 21:37 Uhr

Predigtwort für den 10. Sonntag nach Trinitatis

»Und die ganze Heeresmacht der Chaldäer riss die Mauern Jerusalems nieder.«

2. Kön. 25,10

Ein ungewöhnlicher Vers, der heute über diesen Fragen zum Sonntag steht. Er scheint gar nicht mit uns zu tun zu haben und er stammt doch aus einem der Predigttexte zum heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis. Aber – ehrlich gesagt – er passt mir sehr gut zu den Gedanken, die mich in letzter Zeit sehr bewegen.

Es waren Heiden, die den Tempel Gottes schändeten. Es waren Ungläubige, die das Haus Gottes dem Erdboden gleichmachten. Und es waren Juden, die erlitten haben, dass ihre heiligen Geräte entweiht und sie selbst ihrer Heimat – auch ihrer religiösen Heimat – beraubt wurden. Dennoch sehe ich Parallelen zu dem, was in unserer Zeit in unserem ehemals christlichen Land vor sich geht.

Ich denke daran, wie seit Jahren immer wieder versucht wird, den Einfluss des Christentums, der religiösen Werte und der Kirchen zurückzudrängen. Hier nur drei Beispiele von vielen: Mit verlässlicher Regelmäßigkeit wird immer wieder von bestimmten Parteien laut darüber nachgedacht, ob nicht der Religionsunterricht und die ganze Volkskirche gleich mit abgeschafft werden sollte! Auch gibt es Zeitungen – nicht diese! – die immer wieder Themen genüsslich auswalzen, die den Glauben der Christen verunglimpfen oder lächerlich machen.

Während es früher, als der Samstag noch immerhin ein halber Arbeitstag war, möglich war, Vereinsaktivitäten auf den Samstagnachmittag zu legen, finden diese immer häufiger am Sonntagmorgen – zur Gottesdienstzeit – statt. (Es wurden sogar schon Vollversammlungen auf den Karfreitag anberaumt!)

Seit längerer Zeit und bis heute gilt, dass in den Klassenzimmern in unseren deutschen Schulen kein Kruzifix mehr aufgehängt werden darf – auch wo sich viele SchulleiterInnen und LehrerInnen und ganze Bundesländer (ich finde zu Recht!) darüber hinwegsetzen.

Gerade dieser letzte Angriff auf das Symbol des Christentums erinnert mich stark daran, was die Chaldäer im heutigen Wort zum Sonntag den Juden antun: Die Mauern der heiligen Stadt werden niedergerissen, ihr Tempel zerstört, die Geräte, die Gottes Nähe symbolisieren, mit Füßen getreten.

Mir kommen dazu mindestens drei Gedanken: Einmal ist es schon ungeheuerlich, was sich die in den Vereinen Verantwortlichen, aber besonders Richter und Politiker, die immerhin einer auf christlichen Werten aufgebauten Verfassung verpflichtet sind (und auf sie vereidigt sind!), heute leisten können. Zum andern erschreckt mich, wie gelassen (oder sagen wir: uninteressiert) der immer noch größere Teil, der immerhin dem Namen nach christlichen Bevölkerung unseres Landes, diese Dinge hinnimmt. Außerdem frage ich mich, ob wir noch verbliebenen Christen in unserem Land, nicht wirklich einmal aufstehen müssten, aufschreien müssten, dass die Verantwortlichen endlich begreifen, dass es noch Menschen gibt in diesem Land, denen das nicht alles egal ist.

Was mich ein wenig tröstet: Das Volk der Chaldäer, die Israel geschändet und den Gott Israels, der auch unser Gott ist, geschmäht haben, sind untergegangen im Dunkel der Geschichte. Der Tempel Gottes aber wurde wieder aufgebaut.

Ich finde, wir müssen, wo immer wir das können, deutlich machen und uns dafür auch einsetzen, dass in unserem Land die Werte, die mit dem Symbol des Kreuzes gemeint sind, lebendig bleiben. Wenn ein Land seine Wurzeln der Zerstörung preisgibt – und die sind nun einmal christlich – dann ist es dem Untergang geweiht. Das zu wissen, muss man kein Prophet sein. Man muss nur die Bibel lesen und ihre und die Botschaft, die uns die Geschichte ausrichtet, verstehen.

Mit Arbeit an Sonn- und Feiertagen, mit Einkauf bis 22 Uhr abends oder gar rund um die Uhr, mit unzähligen Satelliten- und Kabelprogrammen, mit der Preisgabe des Religionsunterrichts und dem Entfernen des Kreuzes aus den Klassenzimmern gewinnen wir gewiss nicht eine sozialere, friedlichere, tolerantere Gesellschaft. Den Hunger nach Sinn, nach erfülltem Leben, werden wir damit schon gar nicht stillen. Dazu hilft allein das Festhalten an den Werten, die uns die Heilige Schrift und schließlich auch unsere doch meist noch christliche Erziehung gelehrt hat.

Pfr. Manfred Günther (im Internet: www.predigt-eichendorf.de

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