08. Juli 2018, 05:00 Uhr

Zurück aufs Land

189 Wohnungen im Kreis neu gebaut

Landflucht war mal –zumindest in Gemeinden mit guter Infrastruktur. Es werden Baugebiete ausgewiesen. Aber die Bautätigkeiten sind noch zu gering, meint das Verbändebündnis Wohnen.
08. Juli 2018, 05:00 Uhr
Im Vogelsberg werden zunehmend Baulücken in Ortschaften mit guter Infrastruktur geschlossen. (Foto: rs)

Vom Single-Apartment bis zum Bungalow: Im Vogelsbergkreis sind im vergangenen Jahr 189 Neubauwohnungen entstanden – 105 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. 2017 wurden damit zwei Prozent weniger neue Wohnungen gebaut als noch im Vorjahr. Darauf hat das Verbändebündnis Wohnen hingewiesen, in dem sich Baugewerkschaft IG BAU und Bauwirtschaft zusammengeschlossen haben. Das Bündnis beruft sich bei den Zahlen auf die aktuelle Bau-Bilanz der fertiggestellten Wohngebäude vom Statistischen Bundesamt.

Insgesamt haben die Bauherren im Vogelsbergkreis demnach im vergangenen Jahr rund 63,7 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen investiert. »Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn der Vogelsbergkreis seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will. Denn der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise, von denen auch Hessen betroffen ist«, sagt Hans-Joachim Rosenbaum (IG BAU) vom Verbändebündnis Wohnen.

Neubaugebiete in Mücke

Wie bereits mehrfach berichtet, sind in einigen Kreiskommunen auch vermehrt Zuzüge in den Vogelsberg registriert worden. Das geht dann zunächst nicht immer zwingend mit Bautätigkeit einher, aber es zeigt, dass Menschen den hohen Wohnkosten in den Ballungsräumen ausweichen. In einigen Ortsteilen von Mücke ist eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen, in den Ortsteilen Sellnrod, Flensungen und Groß-Eichen werden Neubaugebiete ausgewiesen.

Insgesamt sind nach Angaben von Rosenbaum bundesweit 2017 nicht einmal 285 000 Wohnungen neu gebaut worden. Dabei habe die Große Koalition von CDU/CSU und SPD eine ganz andere Messlatte gelegt: 1,5 Millionen Neubauwohnungen bundesweit bis 2021 – also 375 000 pro Jahr. »Das bedeutet, dass der Wohnungsneubau schon in diesem Jahr um satte 32 Prozent zulegen müsste. Danach sieht es allerdings bislang weder in Hessen noch bundesweit aus«, meint der Regionalleiter der IG BAU in Hessen.

Das Verbändebündnis Wohnen fordert daher jetzt den Bund, das Land Hessen und auch die Kommunen auf, mehr für den Wohnungsbau zu tun. Vor allem für den bezahlbaren Wohnraum. Also für Menschen ohne »extra dickes Miet-Portemonnaie«: »Gerade für den sozialen Wohnungsbau muss deutlich mehr getan werden. Ebenso für den Neubau von Wohnungen, bei denen sich die Menschen die Miete auch leisten können«, sagte Rosenbaum. Im Vogelsberg ist das beispielsweise in Alsfeld der Fall, wie die Baugenossenschaft Alsfeld aktuell bilanzierte (siehe Seite 26). Dort wurden 2017 elf neue Wohnungen geschaffen.

Wohneigentum als Altersvorsorge

Auch das Wohneigentum im Vogelsbergkreis müsse endlich wieder effektiv gefördert werden, fordert das Verbändebündnis. »Es müssen sich wieder mehr Menschen die eigenen vier Wände leisten können – vom Maurer bis zur Industriekauffrau. Handwerker, die Wohnungen bauen, sollten auch in der Lage sein, sich eine eigene Wohnung anzuschaffen«, so das Bündnis Wohnen.

Wohneigentum sei eine wichtige Altersvorsorge. »Die eigenen vier Wände sind da und haben Bestand – unabhängig davon, wie die Rentenhöhe im Alter schwankt. Sie bieten die Sicherheit eines dauerhaften ›Daches über dem Kopf‹ – ohne Angst vor Mieterhöhungen oder vor einer Kündigung«, sagt Rosenbaum.

An die heimischen Bundestagsabgeordneten appelliert das Wohn-Bündnis, sich für ein deutlich dickeres Baupaket im nächsten Bundeshaushalt starkmachen, von dem dann auch die Menschen im Vogelsbergkreis mehr profitierten.

»Denn im Wohnungsmangel und in steigenden Mieten steckt sozialer Sprengstoff. Gerade beim Neubau von Sozialwohnungen droht ein Desaster, wenn der Bund hier nicht ordentlich Geld in die Hand nimmt und investiert. Tag für Tag fallen Sozialmietwohnungen aus der Bindung. Eine »Goodwill-Wohnungsbaupolitik« der Länder, bei der die Zahl der Sozialwohnungen von der Kassenlage abhänge, sei fatal. Auch die geplante Förderung für den altersgerechten Umbau lasse »jede Hoffnung auf einen Sanierungsschub für mehr Seniorenwohnungen gegen Null laufen«, saget Rosenbaum.. Gerade altersgerechte Wohnungen brauche auch der Vogelsbergkreis.

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