04. Juni 2018, 12:15 Uhr

Beratung

Barrierefreiheit: Neue Sprechstunde in Mücke

Wer heute baut, der sollte schon ans Alter denken und an die Barrierefreiheit. Aber auch an bestehenden Gebäuden kann man einiges umrüsten. Wie es geht, darüber wird in Mücke informiert.
04. Juni 2018, 12:15 Uhr
Am Eingang der Gemeindeverwaltung in Merlau ist eine Klingel für Rollstuhlfahrer angebracht, darauf weist VdK-Berater Bernd Kämper (rechts) hin. Denn sonst ist die Tür für Rollstuhlfahrer nicht zu öffnen. Günter Zeuner (li.) und Bürgermeister Andreas Sommer setzen sich ebenfalls für Barrierefreiheit ein. (Foto: jol)

Die meisten Senioren wollen in ihrem gewohnten Zuhause bleiben, so lange es geht. Doch wenn die Kräfte und die Beweglichkeit nachlassen, ist oft guter Rat gefragt. Es geht um Tipps für den Umbau und Fördermittel – alles Themen, die Bernd Kämper im Blick hat. Er ist Berater des Sozialverbands VdK und bietet neuerdings an jedem ersten Dienstag im Monat in der Gemeindeverwaltung Mücke eine offene Sprechstunde an. »Das ist für uns sehr interessant,« freute sich Bürgermeister Andreas Sommer beim Pressegespräch.

Die Beratung kann barrierefrei in Anspruch genommen werden, denn der Sitzungssaal im Erdgeschoss wird zweigeteilt und künftig als Beratungsraum sowie Trauzimmer genutzt, kündigte Sommer an.

Kämper stammt aus Atzenhain und ist Bezirksbeauftragter des VdK im Bereich Fulda/Vogelsberg. Die Beratung richtet sich in erster Linie an Menschen, die ihre Wohnung oder ihr Haus so umgestalten wollen, dass sie trotz alters- oder krankheitsbedingter Handicap weiter darin bleiben können.

Zielgruppe sind vor allem Seniorinnen und Senioren, deren Haus nicht mehr den Anforderungen genügt. Kämper: »Oft sind es kleine Dinge, wie ein Handgriff hier und ein Geländer dort, die helfen.«

Dabei achtet er auf Einhaltung der Vorschriften, so darf eine rollstuhlgerechte Rampe nur eine Steigung von bis zu sechs Prozent aufweisen. Günstiger ist es auf jeden Fall, beim Neubau eines Hauses bereits auf die Barrierefreiheit zu achten. Das kommt billiger als die spätere Umrüstung, wenn Schwellen abzutragen oder Türen zu verbreitern sind. Der Service richtet sich zudem an Menschen, die aus anderen Gründen barrierefrei leben wollen – wie beispielsweise Mütter mit kleinen Kindern, kleinwüchsige Menschen oder Sehgeschädigte. Kämper bietet auch an, zu Hause vorbeizukommen und das Objekt unter die Lupe zu nehmen. Die Mitgliedschaft im VdK ist dabei nicht zwingend, aber erwünscht.

Kämper ist auch die allgemeine Infrastruktur wichtig. So fordert er Gemeinschaftshäuser und Verwaltungsbüros, die ohne Beschränkungen erreichbar sind. Ein Ärgernis sind in seinen Augen auch Bushaltestellen, an denen Senioren und Mütter mit Kinderwagen nur über eine Kluft zwischen Bus und Haltestelle einsteigen können. »Und Behinderten-WCs fehlen fast überall«.

Bürgermeister Andreas Sommer freut sich über den neuen Service in den Räumen der Verwaltung: »Barrierefreiheit ist im Kommen«. Die Gemeinde müsse sich Gedanken über eine bessere Erreichbarkeit ihrer Räume machen. Das zeigt schon der Praxistest an der Eingangstür, die so schwer aufzuziehen ist, dass ein Rollstuhlfahrer kaum eine Chance hat.

Immerhin ist daneben eine Klingel angebracht, »wir kommen gerne heraus und helfen,« betont Sommer. Ärgerlich sei dagegen, dass ein stark frequentierter Bereiche wie die Kfz-Zulassung im Untergeschoss nur über eine Treppe erreichbar ist. Dort sei eine Verbesserung angezeigt, überlegt Sommer. Ein erster Schritt ist die Verlegung des Trauzimmers in das Erdgeschoss, wofür der Sitzungssaal umgebaut wird. Günter Zeuner von der Gruppe »Aktiv im Alter« äußerte sich dieser Tage »»echt begeistert über die Beratung«. Denn für Senioren ist es wichtig, im Alter in der angestammten Umgebung bleiben zu können. Sinnvoll wäre noch eine Sprechstunde für Seniorinnen und Senioren. Er bot Kämper an, mit der Gruppe in den Ortsteilen nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. So sollte auch ein Kindergarten keine Stufe am Eingang haben, sondern per Rampe zugänglich sein. Die Gemeinschaftshäuser sind oft in alten Gebäuden, aber man könne manches verbessern. Sommer fügte an, Sitzungen könnten vom Obergeschoss in das Erdgeschoss verlegt werden. Wichtig ist Kämper eine öffentliche Debatte. Den das Bewusstsein für den Wert einer Umgebung, in der keiner ausgeschlossen ist, müsse wachsen.

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