29. Mai 2018, 08:00 Uhr

Historienspiel

Köstlich-amüsante Zeitreise in Groß-Eichen

Mit einem Historienspiel zum Jubiläum 1000 Jahre Groß-Eichen begeisterten schauspielernde Bürger über 400 Zuschauer. Dabei wurde ein weiter Bogen von Germanen zu »Fahzebuck« geschlagen.
29. Mai 2018, 08:00 Uhr
Szene aus dem Historienspiel am Wochenende in Groß-Eichen: Große Aufregung herrscht bei der Waldversammlung. (Foto: sf)

Die Erwartungen in das Historienspiel zur 1000-Jahr-Feier wurden voll erfüllt. Gut 400 Gäste und Besucher aus Groß-Eichen und Nachbarorten hatten am Wochenende viel Spaß mit dem Stück aus der Feder von Pfarrerin Kerstin Kiehl. Es kam immer wieder zu spontanem Applaus. Szenen führten unter anderem ins Reich der Germanen und die Domstadt Mainz, als Erzbischof Erkenbald den Priester Johannes in den Vogelsberg sandte.

Es ging aber auch um die Riedesel, die Reformation, den Aufstand im Vogelsberg und den Kirchenneubau 1746. Zu den Klängen der Ouvertüre aus »Wilhelm Tell« startete die Zeitreise. Die Handlung beginnt zur Zeit der alten Germanen, als der Vogelsberg noch dicht bewaldet war und die Zuschauer wurden mitgenommen in den Alltag der damaligen Bewohner der Waldsiedlung »bey den Eychen«. Die geringe Besucherresonanz des Waldfestes am Sonnentag lässt den Druiden über die Missstände klagen, er sehnt sich nach Veränderung und frischen Wind.

Erzbischof beschwert sich

In dieser Situation kommen die ersten Missionare gerade recht und die Bewohner der Waldsiedlung treten geschlossen zum christlichen Glauben über. Bonifatius wird einige Zeit später mit seinen Mitstreitern Sturmius und Gracius auf dem Weg zum Taufstein am Versammlungsplatz der Waldsiedlung eine Pause einlegen und dabei allerlei Neues über den Vogelsberg erfahren. Bonifatius: »Oh, was für ein fürchterliches Land. Sagt an, wie kann man leben in so viel Wald und mit so viel Holz? So viel Bäume kann ich gar nicht fällen, wie es gibt hier in Birdsmountain.«

Weiter geht es Amtszimmer des Erzbischofs Erkenbald in Mainz am Rhein. Er ist unzufrieden mit dem schlechten Filialnetz seiner Kirche im Vogelsberg und die mangelnde Bereitschaft des geistlichen Nachwuchses, eine Pfarrstelle auf dem Land zu übernehmen. Deshalb wird Bruder Johannes – ob er will oder nicht – zur Waldsiedlung »bey den Eychen« entsendet.

Erkenbald: »Ach, diese jungen Leute! Alle wollen sie in die Stadt, keiner will aufs Land!« Johannes murrt: »Ich bin nicht für das Landleben geschaffen. Und dann noch der Vogelsberg: Wisst ihr, wie es dort zugeht? Die Sommer sind kurz, die Winter lang und kalt. Das Obst braucht an den Bäumen zwei Jahre, um zu reifen. Die Menschen sind dickköpfig und man versteht ihre Sprache nicht.« Sprung in die Reformationszeit: Dorfschultheiß Hans unterhält sich mit Schullehrer Georg über die Auswirkungen des Gedankenguts Martin Luthers. Eine Revolution bahnt sich an und nimmt ihren Lauf....

Treffen auf dem Friedhof

In den folgenden Jahrhunderten haben die Bewohner viel erlebt: politische Wirren, Krieg, Krankheiten und Dürren, aber immer wieder auch freudige Ereignisse. Man schreibt das Jahr 1745, die alte Kapelle aus dem 12. Jahrhundert ist baufällig und es wird ein Kirchenneubau geplant, der 1747 vollendet wird. Pläne für einen Neubau müssen bereits sehr viel früher existiert haben. Die Mittel der Landesherren waren knapp, und so musste auch in Groß-Eichen der Neubau zum größten Teil durch Spenden und Kollektensammlungen finanziert werden.

Bald nach der Weihe der Kirche, im Jahr 1806, wurde Groß-Eichen endgültig hessisch, die Riedesel verloren auch die kirchliche Herrschaft. Eine neue Zeit begann.

Man dann schreibt das Jahr 2018 und Frieda tritt auf: »Ach hallo! Ja, hier auf dem Friedhof trifft man sich!« Emma: »Ei, wo denn auch sonst? Kneipen gibt es hier ja keine mehr, und in die Kirche gehen auch immer die gleichen Leute.« Frieda: »Ja, ja, alles ist anders geworden. Jeder macht nur noch so seins. Aber schaut mal, unsere Kirche fängt auch an zu bröckeln und der Turm ist verhüllt.« Emma: »Sie stand ja die letzten Jahre und Jahrhunderte ganz gut da. Aber jetzt bröckelt nicht nur der Turm, sondern auch die Orgel ist ausgezogen.« Gretel: »Aber sag mal, wusstet ihr, dass es uns schon 1000 Jahre gibt?« Emma: »Wie? Dich? Dafür hast du dich aber gut gehalten!«

Frieda: »Siehste, ich habe mich schon gewundert, aber man kriegt ja gar nicht mehr viel mit. Alles geht über Fahzebuck, Wards ab und Emil oder wie das neumodische Zeug alles heißt«.

Das große Finale wurde eingeläutet und die Darsteller machten noch einmal Werbung für die kommenden Veranstaltungen. Es folgte ein frenetischer Applaus. (Foto: sf)

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