18. Mai 2018, 08:00 Uhr

Sturmfolgen

Sägen stehen nicht still Friederike

Zwei Millionen Festmeter Holz hat Orkan Friederike im Januar nur in Hessen zu Boden geworfen. Zur Bewältigung des Windwurfs stehen bei der Pfeifer Group im Werk Lauterbach die Sägen nicht still.
18. Mai 2018, 08:00 Uhr
Nach den Windwürfen durch Sturm Friederike werden im Sägewerk der Firma Pfeifer in Lauterbach-Wallenrod riesige Mengen Holz verwertet. Die Zeit drängt, sonst zerstören Käfer und Pilze die Stämme. (Foto: pm)

Hessen Forst und auch zahlreiche private Waldbesitzer brauchen dringend Unterstützung, um Schädlingsbefall und Wertverlust an ihrem Holz zu vermeiden. Ein Windwurf der Friederike-Dimension stellt eine enorme Herausforderung für die Waldbewirtschaftung in Hessen dar.

Im Wesentlichen konzentrierte sich der Windwurf auf die Forstämter in Nord- und Nordost-Hessen, insbesondere in den Bereichen Bad Hersfeld, Diemelstadt, Hessisch-Lichtenau, Melsungen, Reinhardshagen, Rotenburg und Wolfhagen. Auch in anderen Bundesländern ist das Schadensausmaß exorbitant.

Experten schätzen, dass sich die Windwurfmenge in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz Sachsen und Sachsen-Anhalt auf gut zehn Millionen Festmeter Holz belaufen hat. Der zeitliche Druck zur Bewältigung der Folgen ist groß. Besonders bei Waldbewirtschaftern und Unternehmen, die das Holz rasch aus den Wäldern bringen und anschließend aufarbeiten müssen. »Es gilt, so schnell wie möglich das Holz zu verwerten. Erstens, um dem Befall durch Käfer und deren Massenvermehrung vorzubeugen. Zusätzlich ist zu lange im Wald liegendes Holz dem Befall durch den Blaupilz ausgesetzt, was für Wertverlust von bis zu einem Drittel der marktüblichen Preise führen kann und die Waldeigentümer zusätzlich schädigt«, erläutert Gernot Hormeß, Geschäftsführer der Pfeifer Holz Lauterbach GmbH. So braucht es bei allen Beteiligten Zügigkeit, aber: Die Aufbereitung des Schadholzes ist eine gefährliche Angelegenheit und muss entsprechend sorgsam erfolgen. Auch die Situation bei den verfügbaren Maschinen- und Personalkapazitäten lasse sich nicht endlos ausweiten. »Das wird Monate dauern«.

Die Pfeifer Group hat als einer der größten Holzverarbeiter in der Region den Waldbesitzern und Hessen Forst Unterstützung zugesichert. Im Werk in Lauterbach wird derzeit eine dritte Produktionsschicht hochgefahren. In Wallenrod, im nach eigenen Angaben »modernsten Sägewerk Deutschlands«, ist eine Komplettverarbeitung der Baumstämme gesichert – in Folge von Friederike derzeit vor allem Fichten. »Wir erhöhen die Einschnittmenge im Jahr 2018 deutlich. In der Summe wird sich die Menge auf rund 950 000 Festmeter ausweiten. Schon nach Ostern haben wir eine dritte Schicht in Lauterbach gestartet«, sagt Pfeifer-Geschäftsführer Hormeß.

Bei Pfeifer sei man zudem in der Lage, darüber hinaus anfallende Mengen mittels Bahn in die anderen Werke der Gruppe zu transportieren und dort zu verarbeiten. Die Pfeifer Group betreibt insgesamt acht Standorte in drei Ländern (Deutschland, Österreich und Tschechien) und beschäftigt in ihren Werken rund 1800 Mitarbeiter. In Lauterbach produziert Pfeifer seit 2009.

In regulären – sprich: von Windwurf verschonten Jahren – werden rund 500 000 Quadratmeter Schnittholz und Hobelware sowie 180 000 Quadratmeter Palettenklötze und 75 000 Tonnen Pellets hergestellt. Zur Verwertungskette zählen außerdem rund 80 Millionen kWh Öko-Strom. »Als Partner von Hessen-Forst wollen wir gerade in so einer kritischen Situation wie der momentanen ein verlässlicher Abnehmer sein. Hier kommen unsere Möglichkeiten zugute«, erklärt Hormeß.

Die Firma Pfeifer zählt mit acht Standorten und rund 1800 Mitarbeitern zu den größten Holzverarbeitern in Europa.

Sturmtief Friederike fegte Mitte Januar durch Deutschland und wütete dabei insbesondere in nord- und nordosthessischen Wäldern. Es waren die größten Schäden seit dem Orkan Kyrill, der auf den Tag genau elf Jahre vor Friederike durch Europa zog. In Kirtorf warf der Orkan einen kompletten Kran um.

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