17. Mai 2018, 08:00 Uhr

Unwetter

Knochenarbeit im Schlamm

Noch am Tag des Hochwassers begann das große Aufräumen in zahlreichen Vogelsberger Dörfern. Schon damit der Schlamm nicht fest wird. Es galt die gröbsten Folgen des Unwetters zu beseitigen.
17. Mai 2018, 08:00 Uhr

So ein ausgewachsenes Gewitter sieht nur im Fernsehen interessant aus. Für Betroffene ist der Kampf gegen schlammige Fluten reine Knochenarbeit. Am Sonntag zog eine Regenfront über Maulbach, Gemünden und Feldatal. Da floss eine braune Brühe über die Straßen und schwappte in einige Keller. In Otterbach beschädigte die Flut die Pumpe für die Abwasserleitung nach Rülfenrod. Bis in den Montag hinein dauerten die Aufräumarbeiten - ein kleiner Überblick:

Bis Montagmittag war die Straße von Schellnhausen nach Ehringshausen gesperrt. Dort musste Geröll von der Strecke gespült werden, ein Baum lag entwurzelt auf der Fahrbahn. Mitarbeiter von Hessen Mobil zersägten den Stamm und transportierten Geäst ab. Die Ortsdurchfahrten von Ehrungshausen, Rülfenrod und Otterbach zeigten sich bereits am Montagvormittag wieder von einer passablen Seite.

Am Gerätehaus schleppten drei Feuerwehrleute feucht gewordene Ausrüstungsgegenstände auf den Vorplatz. Morgens hatten dort zehn Mann von Feuerwehr und Bauhof angepackt. Im Freien standen die Bierzelt-Garnituren zum Trocknen, die am Sonntagnachmittag als Barriere gegen das Hochwasser gedient haben.

Der Bach war über die Ufer getreten und konnte mit dieser Begrenzung wieder zurück in das Bett geleitet werden, wie Einsatzkräfte erzählten. Auch am Ortseingang hatten die Blauröcke eine Barriere gebaut, weil die Wassermassen die Hauptstraße herunter schossen. Mario Schleich berichtete, in seinem Haus stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch, vor allem durch Abflüsse herein gedrückt. Im Garten seines Hauses am Lochbornweg fegte Michael Giesen Wasserreste auf dem Vorplatz zusammen. Über seinen Hof hatte sich die Flut ihren Weg gesucht, bis 30 Zentimeter Wasserstand hat er am Sonntag festgestellt. Nach dem ersten Regenguss »ging es sehr schnell«, bis das Wasser in den Keller lief. Mit Hilfe eines Nachbarn konnte er vor der zweiten Flutwelle die Kellertür mit Sandsäcken und Holzplanken schützen. Nach einem Hochwasser vor Jahren hatte er vorsichtshalber zwei weitere Türen zugemauert. Die Feuerwehr habe erst spät Hilfe angeboten, sagte Giesen.

Bürgermeister Lothar Bott sagte, solch einen Regen wie in Otterbach habe er noch nicht erlebt. Wie teuer die Schäden kommen, werde noch ermittelt. Zumindest muss das Pumpwerk für Abwasser repariert werden. Positiv sei, dass kein Wasser ins Gemeinschaftshaus eindrang. Ein Teil der Schäden sei gekommen, weil es lange nicht geregnet hatte und die Böden die Fluten nicht aufnehmen konnten. Zudem würden einige Landwirte bis an die Wege ackern, da fehle dann der Grünstreifen. Irritiert war er über die schlechte Erreichbarkeit des Notdienstes von Hessen Mobil. Man habe schließlich die Polizei gerufen, um die Straße bei Ehringshausen zu sperren.

Im nahen Maulbach hatten die Anwohner bereits am Sonntagabend viel geschafft. Überflutet wurden Rülfenröder Straße, Hauptstraße und Obergasse. Anwohner berichteten Bürgermeisterin Claudia Blum und Bauamtsmitarbeiter Rühl von überfluteten Kellern. Im Rülfenröder Weg war die Flut mit viel Erde angereichert, die von einem Acker am Ortseingang stammte. Schlammwasser kam auch von höheren Bereichen des Hangs, wie Anwohner Otfried Trapp berichtete. Oberhalb der Häuser sorge ein Graben dafür, dass das Wasser nicht wie früher durch die Gärten lief - dafür strömte die Flut über einen Feldweg auf die Straße.

Anwohnerin Birgit Jansky hatte ihren Keller und die Hoffläche am Montagmorgen mühsam vom Schlamm befreit. Nun stand noch das Aufräumen im gepflegten Gemüsegarten an. Positiv fand sie, dass viele nicht-betroffene Ortsbewohner spontan vorbeikamen und beim Abkratzen der braunen Schicht geholfen haben, »das war toll«.

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