14. Mai 2018, 21:52 Uhr

Unwetter

Nach dem Wasser bleibt der Schlamm Rekord-Niederschlag von fast 100 Liter/m²

Am Morgen danach wird das ganze Ausmaß des Unwetters vom Sonntagabend deutlich: Wo bis zu einem Meter hoch das Wasser stand, sind Geröll und Schlamm zurückgeblieben.
14. Mai 2018, 21:52 Uhr
Im Feldataler Ortsteil Köddingen beseitigen die Anlieger am Montag an der Ecke Ulrichsteiner Weg und Lehmkaute Schlamm- und Kiesmassen vor einem Anwesen. (Foto: hso)

Es schien kurz vor einer Katastrophe: 705 freiwillige Feuerwehrleute eilten am Sonntag an 127 Stellen im Vogelsbergkreis zur Hilfe. Die Wetterkapriolen von Tief »Vadjma« verschonten nur wenige Orte. Besonders betroffen waren die Gebiete um Feldatal, Gemünden, Grebenhain und Herbstein. Verletzt wurde niemand.

In Köddingen strömte ein reißender Wildbach durch die Ortsstraßen und richtete mehrere 100 000 Euro Sachschaden an. Gemeindebrandinspektor Rüdiger Klaus sprach von einer langen Nacht für die Einsatzkräfte. Laut Polizeiangaben wurden mindestens zwei Fahrzeuge beschädigt und eine ganze Baustelle weggespült, die Feuerwehr zählte Wassereinbrüche in zehn Häusern. »Unser Feuerwehrhaus stand rund 30 Zentimeter unter Wasser«, schilderte Wehrführer Steffen Merkel. Bis in die späten Nachtstunden räumten Feuerwehrleute und Helfer den Schutt und Schlamm von den Straßen, die Aufräumarbeiten mussten am Montag fortgesetzt werden.

Geröll auf Straße und Schienen

Die Landesstraße zwischen Schellnhausen und Ehringshausen musste wegen Geröllmassen mehrere Stunden gesperrt werden. In Groß-Felda, Kestrich und Stumpertenrod mussten Keller leer gepumpt werden. In Gemünden waren rund 80 freiwillige Feuerwehrleute im Einsatz. Wie Gemeindebrandinspektor Tobias Tomaschewski berichtete, gab es mehr als zehn Einsatzstellen. Besonders betroffen waren die Dörfer Ehringshausen, Otterbach und Rülfenrod. »Die Ortsdurchfahrt von Otterbach glich einem See, Rülfenrod war von Wasser und Schlamm bedeckt, und in Ehringshausen stand die Hauptstraße unter Wasser«, bilanzierte Tomaschewski. In Rülfenrod musste der Schienenverkehr für die Vogelsbergbahn gesperrt werden, an gleich zwei Stellen waren Schlamm und Geröll auf die Gleise gerutscht.

In Otterbach wurde das Feuerwehrhaus überschwemmt. Mit Sandsäcken und Holzbarrieren hielten Feuerwehrleute den örtlichen Bach im Zaum, zur Unterstützung rückten die Feuerwehren der Stadt Homberg sowie der Gemeinde Mücke mit Sandsäcken an. In Burg-Gemünden, Elpenrod, Hainbach und Nieder-Gemünden gab es keine Feuerwehreinsätze.

Maulbach stark betroffen

Im Stadtgebiet von Ulrichstein musste die Feuerwehr in Helpershain 13-mal zur Hilfe ausrücken, dort standen Keller und Fahrbahnen unter Wasser. Die Ulrichsteiner Feuerwehrleute halfen zudem in der Nachbargemeinde Feldatal in den Dörfern Kestrich und Köddingen. »Wir waren bis ungefähr 2 Uhr mit 30 Kräften vor Ort«, informierte Feuerwehrsprecher Thorsten Dampf.

Im Stadtgebiet von Homberg war das Dorf Maulbach besonders betroffen. »Dort hatten wir vollgelaufene Keller und überflutete Straßen«, schilderte Stadtbrandinspektor Thomas Stein. Wie er sagte wurden insgesamt 300 Sandsäcke befüllt, die aber auch in der Nachbargemeinde Gemünden eingesetzt wurden. Ein umgestürzter Baum musste auf der Landesstraße bei Wäldershausen beseitigt werden. Insgesamt waren 80 Homberger Feuerwehrleute im Einsatz, zudem das DRK aus Homberg mit zehn Kräften.

In Mücke wurden ein Keller und ein Supermarkt im Gemeindeteil Merlau überschwemmt. Um den Markt trocken zu legen, waren die Feuerwehrleute rund zwei Stunden im Einsatz. »Das Wasser stand glücklicherweise nur wenige Zentimeter hoch«, so der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Bernd Wißner. Die Mücker Feuerwehrleute unterstützten zudem ihre Kameraden in Gemünden mit Sandsäcken.

Das Wasser stand in einzelnen Dörfern über einen Meter hoch auf der Straße. Ein Meter, das kann man sich vorstellen. Aber was kam da von oben runter? In Gemünden-Rülfenrod gab die örtliche Messstation des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) eine Tagessumme von 94,9 Litern Niederschlag pro Quadratmeter aus, der hessische Höchstwert für diesen Tag. Alleine in der Stunde um 16 Uhr prasselten in Rülfenrod fast 50 Liter Regen pro Quadratmeter nieder.

Die örtliche Messstation des HLNUG in Ilbeshausen-Hochwaldhausen gab eine Tagessumme von 93,1 Litern Niederschlag pro Quadratmeter aus, der zweithöchste hessische Wert des Tages. Der Dritthöchste wurde am Selgenhof oberhalb von Ulrichstein mit 60,9 Litern pro Quadratmeter gemessen.

Die Differenz zwischen den beiden Spitzenwerten und dem drittplatzierten Selgenhof macht deutlich, dass es sich in dem Grebenhainer Ortsteil und Rülfenrod um Extremereignisse handelte.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Feuerwehrleute
  • Gemünden
  • Homberg
  • Niederschlag
  • Unwetter
  • Vogelsberg
  • Vogelsbergkreis
  • Philipp Weitzel
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.