02. Mai 2018, 08:00 Uhr

1. Mai-Kundgebung

Gewerkschafter machen Front gegen AfD

Die Kundgebung von Arbeitnehmervertretern zum 1. Mai bot Appelle für gute Arbeit und gegen rassistische Tendenzen. Anliegen der Gewerkschafter ist auch eine Lohnlücke bei Frauen zu schließen.
02. Mai 2018, 08:00 Uhr
Gut 80 Interessierte kamen zur 1. Mai-Kundgebung in Alsfeld. (Foto: jol)

Da ging es um die eine Ausbildung, die den Pkw-Mechatroniker fit macht für selbstfahrende Auto, um miese Löhne bei der Altenpflege, rassistische Töne der AfD und Überstunden der Polizei - die Kundgebung zum 1. Mai griff viele Themen auf. Dabei stand im Mittelpunkt, wie der Reichtum bei boomender Konjunktur gerechter verteilt wird. Matthias Körner (DGB) warb dafür, auch auf das Erreichte in der Arbeitswelt zu zeigen. Der Acht-Stunden-Arbeitstag, Abschaffung der Kinderarbeit und mehr hätten Arbeitende in vielen Streiks erkämpft, fügte der Vorsitzende des DGB Mittelhessen an. Darauf könne die Arbeiterbewegung stolz sein.

Er wandte sich gegen die AfD, die für tumben Rassismus stehe und das Erreichte wieder abschaffen wolle. Dem gegenüber träten Gewerkschaften dafür ein, dass man von der Arbeit eine Familie ernähren könne und Sicherheit für einige Jahre habe. Auch in der Arbeitswelt der Zukunft habe der ländliche Raum seinen Platz, man solle positiver für ihn eintreten. Besonders betonte Körner, dass mehr Anerkennung für die Arbeitsleistung von Frauen erfolgen müsse.

Pflege-Katastrophe schon da

Der Vogelsberger DGB-Vorsitzende Ingo Schwalm griff mit Blick auf die Landtagswahl die Warnung vor der AfD auf, die für rassistische Tendenzen stehe. Was ihn noch »besonders umtreibt, ist die Katastrophe in der Pflege«. Das betreffe 1,2 Millionen Kranken- und Altenpfleger, meist Frauen. Sie arbeiteten unter Personalmangel und nähmen gewaltige Gehaltsunterschiede in Kauf. Wo die von der Großen Koalition zugesagten neuen Pflegekräfte herkommen sollen, war Schwalm unklar. Schon jetzt fehlten über 100 000 Fachkräfte. Besonders müsse man privaten Klinikbetreibern wie dem Helios-Konzern auf die Finger schauen, die sich rühmten, mit noch weniger Personal auszukommen. Eine Folge schlechter Pflegelage seien 40 000 Tote nach Infektionen pro Jahr. Vertreter der Gewerkschaften gaben einen Einblick in die Lage der Arbeitswelt. Da erinnerte Wilfried Weber (Verdi) an die jüngste Tarifrunde bei Post und Telekom. Dabei habe sich die Telekom arm gerechnet und nach dem Tarifabschluss Milliarden Euro an Aktionäre ausgeschüttet. Arbeitgeber beklagten den Mangel an Fachkräften, bildeten aber nicht aus. Milan Huhn (IG Metall) sagte, auch in Zeiten der Fast-Vollbeschäftigung gehe es um gute Arbeit. Dazu gehöre, die Arbeitszeit so reduzieren zu können, dass Zeit für Kinder bleibe. Joachim Legatis (Deutsche Journalisten-Union) verwies auf die Fusionen bei Zeitungen und schlechter werdende Bezahlung in Verlagen. Das treibe junge Menschen in andere Branchen. Er warb zudem für die Kampagne Meinungsfreiheit in der Türkei.

Gegen Polizei-Überstunden

Ralf Fei (GEW) benannte es als Skandal, dass 85 Prozent der Stellen an hessischen Hochschulen befristet seien. Grundschullehrer seien überlastet und müssten besser bezahlt werden. Bernhard Bender (IG BAU) verwies auf ergebnislose Tarifverhandlungen in der Baubranche und bei Reinigungskräften. Er forderte, diejenigen an wachsenden Gewinnen zu beteiligen, die diese Werte erst schafften. Schlimm sei die Lage für Arbeiter aus östlichen EU-Staaten, die um ihren Lohn geprellt würden. Brigitte Theiß (NGG) forderte, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern endlich zu schließen. Es müssten sich mehr Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisieren.

Bürgermeister Stephan Paule sagte, es bedürfe derjenigen, die sich auf die Seite der Arbeitnehmer stellen. Swen Bastian (SPD) kritisierte die vielen Überstunden der Polizei, da müsse eine Veränderung her. Michael Ruhl (CDA) wünschte bessere Qualifizierung von Arbeitslosen, damit sie in Jobs kämen. Nicole Eggers (Linke) kritisierte, dass Rentner nach einem langen Arbeitsleben Flaschen sammeln müssten und viele Kinder von Hartz IV abhängig seien. Musikalisch erfreuten »Broder Braumüller und Freunde«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alternative für Deutschland
  • Arbeiterbewegung
  • Arbeitnehmer
  • Demonstrationen
  • Deutsche Telekom AG
  • Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Gewerkschafter
  • Große Koalition
  • IG Bauen-Agrar-Umwelt
  • IG Metall
  • Matthias Körner
  • Polizei
  • Rassismus
  • SPD
  • Stephan Paule
  • Vogelsberg
  • Alsfeld
  • Joachim Legatis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos