19. April 2018, 08:00 Uhr

Bilanz 2017

Sparkassen-Chef: Es bleiben Narben

In der Pressemitteilung der Sparkasse Oberhessen zum Geschäftsjahr 2017 ist der Fall mit keinem Wort erwähnt. Dabei hatte der Millionenbetrug des ehemaligen leitenden Angestellten die Bank in ihren Grundfesten erschüttert.
19. April 2018, 08:00 Uhr
Sind trotz des Skandaljahres zufrieden mit der Entwicklung der Sparkasse (v. l.): Vorstandsvorsitzender Günter Sedlak, die Landräte Manfred Görig und Jan Weckler sowie Vorstand Thomas Falk. (Foto: pv)

»Es bleiben Narben«, gab der Vorstandsvorsitzende Günter Sedlak während der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Friedberg zu.

Er sei persönlich enttäuscht von Maik H., mit dem er ein gutes Verhältnis gepflegt habe. Die Bank habe die Angelegenheit »sorgfältig und auch selbstkritisch« aufgearbeitet. Der frühere Parlamentsvorsteher aus Limeshain ist Ende 2017 zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Laut Sedlak will die Sparkasse alles tun, um die fehlende Hälfte des Geldes, etwa vier Millionen Euro, auf zivilrechtlichem Weg wiederzubekommen – was eher schwierig werden dürfte.

Kreise haben nichts zu meckern

Die Sparkasse hatte immer wieder betont, den Kunden der Bank sei kein Schaden entstanden. Gleichwohl gehört die öffentlich-rechtliche Bank den Kreisen Wetterau und Vogelsberg, also der Allgemeinheit – weshalb letztlich der Steuerzahler die Zeche zahlen dürfte. Die Sparkasse habe durch den Fall etwas weniger Steuern gezahlt, räumte Sedlak ein, ohne ins Detail zu gehen.

Die Eigentümer sind gleichwohl mehr als zufrieden mit »ihrer« Bank: Sowohl Vogelsberg-Landrat Manfred Görig als auch der neue Wetterauer Landrat Jan Weckler, der seit Jahresbeginn Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats ist, lobten die Arbeit der Verantwortlichen. »Der Vorfall kann den Erfolg nicht mindern«, betonte Görig. Beide Landräte bekräftigten, dass sie auch in diesem Jahr auf eine Gewinnausschüttung verzichten werden. Die finanzielle Situation der Landkreise habe sich entspannt, es sei sinnvoller, die Substanz der Sparkasse als »Stabilitätsanker« (Weckler) zu stärken und den Gewinn in die Rücklagen zu stecken.

Ob die Bank durch den Untreueskandal Kunden verloren hat, habe man nicht erfasst, sagte Sedlak. Es habe lediglich eine Handvoll Beschwerden gegeben. »Unsere Kunden vertrauen uns«, betonte der Vorstandsvorsitzende. Was sich auch mit Zahlen belegen lasse: Wegen der nach wie vor niedrigen Zinsen habe das Kreditgeschäfts weiter angezogen. Darlehen über 561 Millionen Euro wurden zugesagt; das Volumen aller Kredite stieg auf 3,28 Milliarden Euro. 182 Millionen Euro haben die Sparkassen-Kunden 2017 in Wertpapieren und Fonds angelegt. Die Summer aller Kundeneinlagen lag Ende des Jahres bei 3,5 Milliarden Euro. Rückläufig sei dagegen das Geschäft mit den Kommunen. Die hätten sich 2017 weiter entschuldet und Kredite getilgt.

Auch wenn den 3000 Kunden, die täglich in eine Filiale kommen, rund 90 000 Kunden gegenüberstehen, die per Handy oder PC ihre Bankgeschäfte erledigen, will die Sparkasse ihre Standorte 2018 alle behalten. Der persönliche Kontakt sei nach wie vor der wichtigste Weg zum Kunden, betonte Vorstand Thomas Falk. Das habe auch die Zeitung »Die Welt« honoriert und die Sparkasse als beste Bank im Kreis ausgezeichnet.

Damit das so bleibt, benötigt das Geldinstitut allerdings neue Mitarbeiter. Viele würden frühzeitig in den Ruhestand gehen, sagte Sedlak. In diesem Jahr wolle man auch deshalb 35 Auszubildende einstellen. Sonst waren es immer um die 20. Derzeit beschäftigt die Sparkasse 896 Mitarbeiter.

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