16. April 2018, 19:28 Uhr

Zeitlose Kritik mit Kurt Tucholsky

16. April 2018, 19:28 Uhr
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Von Joachim Legatis

Viele kennen ihn noch als Pressereferenten des evangelischen Dekanats Alsfeld oder als Organisator der Kirtorfer Pfadfinder, nun hat Timo Rieg ein Buch herausgebracht. Er hat zeitlose Texte eines der besten deutschen Satiriker, Kurt Tucholski, neu zusammengestellt. Und damit hat er die Kritiken zur Lage der Nation aus den 1920er und 1930er Jahren für heutige Leserinnen und Leser zum aktuellen Lese-Erlebnis verdichtet.

Tucholsky hat bereits in der Weimarer Zeit viele Probleme der Republik aufgespießt, vor allem in seinem Buch »Deutschland, Deutschland über alles«. Rieg hat aus diesem und weiteren Publikationen Texte ausgewählt, die den Blick Tucholskys auf seine Umwelt wieder aktuell werden lassen. Da schreibt Tucholsky über »Adof« (Hitler), »manchmal überbrüllt er sich, dann kotzt er«. Und: »Er sagt auch nichts als die dümmsten Banalitäten«.

Der Zeitgenosse der echten Nazis zieht über Nationalismus, Militarismus und deutsche Richter her, dass es nur so eine Lust ist, dies zu lesen. Und Rieg schafft es, das Zeitlose aus seinen Texten herauszufiltern. Ein Beispiel aus 1931: »Früchte im Mutterleib werden vom Staat geschützt, solange sie noch nicht draußen sind; wenn sie erst einmal draußen sind, erlischt dieses Interesse.«

Es zeigt sich immer wieder, wie zeitlos einiges von der Kritik des unerschütterlichen Humanisten ist. Das Werk ist übrigens bei Buch 2000 in Alsfeld vorrätig.

Kurt Tucholsky: Deutschland, Deutschland über alles, herausgegeben von Timo Rieg, Berliner Konsortium 2017, 240 Seiten, gebunden, 18 Euro.



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