11. April 2018, 12:00 Uhr

Rehkitz in Not

Hilfe kommt per Drohne

Sie ducken sich tief ins Gras, laufen vor scharfem Mähwerk nicht davon: Rehkitze müssen vor dem Heumachen aus Wiesen gerettet werden. Naturschützer, Jäger und Landwirte arbeiten zusammen.
11. April 2018, 12:00 Uhr
Tief duckt sich ein Rehkitz in das hohe Gras der Wiese. (Foto: Stock/Tereza Hanold)

Die Kitzretter machen weiter mobil, im Mai und Juni wollen die Aktiven wieder den Rehnachwuchs aus den Wiesen treiben, um sie vor dem Tod zu bewahren. Das Besondere ist die enge Kooperation von Jägern, Landwirten und Naturschützern. Im Vorjahr hat die Premiere gut geklappt, dabei liefen Retter über die Wiesen, bevor der Landwirt mit schwerem Gerät das Gras schnitt.

Nun werden wieder Helfer gesucht, die sich im Internet auf www.kitzrettung-hilfe.de in Listen eintragen können. Dabei ist das Interesse an dem Thema weiter hoch, 30 Interessierte kamen kürzlich in Lauterbach zu einem Vorbereitungstreffen zusammen. In einem Rückblick erinnerte Katharina Jacob an den Einsatz der Rettungsteams, die mit Berufsjäger Reiner Schneider einen Crashkurs zur Rehwildrettung absolvierten. Hilfsmittel wie Schallkanonen und Drohnen wurden erfolgreich angewendet.

Ein Schulprojekt begeisterte Jugendliche. Sehr gut bewährt habe sich das Zusammenwirken des Landwirts, der bestimmt, wann und wo gemäht wird, mit dem Jagdpächter, der die Rettungsaktion koordiniert, und den Helfern, die breitflächig Wiesen absuchen oder Rehwildscheuchen stellen. »Helfer werden an allen Ecken und Enden gebraucht, es gibt nie genug,« sagt Jacob. Barbara Bausch (Tier- und Naturschutz unterer Vogelsberg TiNa) stellte die neue Website vor, die rund um das Thema Jungwildrettung informiert. Dort können sich Helfer, Landwirte und Jäger informieren und gleich für Aktionen eintragen. Auch rechtliche Fragen und zu Hilfsmitteln werden auf www.kitzrettung-hilfe.de geklärt.

Hexa- und Oktokopter

Multikopter mit Wärmebildkameras stellte Jörg Fuchs mit einem Team vor. Die von den Drohnen gemachten Luftaufnahmen beeindruckten sehr. Allerdings entstehen Kosten beim Einsatz von Hexa- und Oktokoptern. Annette Pfeil aus Reichelsheim im Odenwald, die auf über zehn Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet zurückblicken kann, gab Tipps zur Zusammenarbeit so unterschiedlicher Interessengruppen wie Veganern und Jägern.

Ganz besonders deutlich wies sie darauf hin, dass Streitereien Rettungsaktionen sehr negativ beeinflussten. Beim Retten gebe es nur eins: Das Jungtier. Über akustische Vergrämungsmittel informierte Tierschützerin Inge Schmitt. Sie stellte eine neue Generation solche »Scheuchen« vor, die mit blauem Licht und für das Rehwild unangenehmen Geräuschen die Ricken beunruhigen und dazu bringen, ihre Kitze vor der Mahd aus der Wiese zu führen.

Probleme in der Wetterau

Auch einige Probleme wurden angesprochen. So muss in FFH-Gebieten auf Schwarzstorch und Rotmilan Rücksicht genommen werden, und für den Drohneneinsätze ist eine Ausnahmegenehmigung nötig. Zudem dürfen Anwohner von den Geräuschen der Wildretter nicht belästigt werden. So sollen die Scheuchen nur einen Tag vor der Mahd aufgebaut werden, um sofort danach wieder zu verschwinden.

Nicht überall klappt die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Kitzrettern, wie Thomas Köthe aus Rodgau berichtete. Dort stoßen Helfer immer wieder auf Ablehnung seitens der Landwirte. Nun wollen Vogelsberger Jäger im Rodgau für die Aktion werben und klarmachen, dass niemand sich in jagdliche Belange einmischt, sondern dass vielmehr Unterstützung angeboten wird.

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