31. März 2018, 09:00 Uhr

Medizin

Einsatz für jeden einzelnen Arzt

Um den Vogelsberg für Einheimische und Zuzügler attraktiv zu halten, bemüht sich der Kreis seit Jahren intensiv um junge Hausärzte. Doch er ist dafür überhaupt nicht zuständig-
31. März 2018, 09:00 Uhr
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Von Joachim Legatis
»Ein toller Beruf«: Dr. Carsten Rottmann in seiner Landarztpraxis in Homberg, für das Bild sprang Mitarbeiter Sebastian Luckenbach ein. (Foto: jol)

Der politische Vogelsberg muss aber Vorsorge treffen, denn viele Ärztinnen und Ärzte stehen schon kurz vor der Rente. Deshalb wird gerade in Gesundheitskonferenzen über Verbesserungen beraten. Einen Zwischenstand zog nun Carina Diezemann von der Fachstelle Gesundheitliche Versorgung im Gesundheitsamt. Besonders verwies sie auf die jüngsten Gesundheitskonferenzen mit Ärzten und Bürgermeistern, in denen Probleme besprochen und Lösungen gefunden werden sollen.

Dabei hat der Kreis bereits einiges geschafft, wie Mischak erläuterte. Drei Studierende bekommen ein Stipendium, um später als Hausärzte im Vogelsberg zumindest eine Weile zu arbeiten. Für den Ärztenachwuchs werden Blockpraktika im Kreis angeboten, in Abiturklassen fragt man nach angehenden Medizinern, um bereits den Fuß in der Tür zu haben. Zum Jahresbeginn hat ein Beratungsbüro die Organisation von Gesundheitswerkstätten übernommen, in denen Ärzte und Kommunalpolitiker gemeinsam über Verbesserungen nachdenken.

Michak betonte allerdings, dass eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung für eine gute Ärzteversorgung zuständig ist. Dennoch will der Kreis für die Zukunft vorsorgen. Diezemann verweist darauf, dass im Vogelsberg zur Zeit auf jeden Arzt 1593 Einwohner kommen, die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung setzt eine Relation von 1:1671 voraus. »Der Vogelsberg ist also derzeit von den reinen Zahlen her noch überversorgt,« sagt Diezemann. Das Problem ist aber folgendes: Viele der hiesigen Ärztinnen und Ärzte sind über 60 Jahre alt, weshalb die Situation ein wenigen Jahren ganz anders aussehen wird. Bis 2030 wird die Bevölkerungszahl im Kreis sinken, aber der Anteil der Über-65-Jährigen aber auf 33 Prozent steigen. Daraus schließt Diezemann auf eine baldige mögliche Unterversorgung durch Haus- und Fachärzte.

In den vier Gesundheitswerkstätten geht es um das Entlasten von Ärzten durch Gemeindeschwestern, mehr Werbung für Praktika unter Medizin-Studierenden, das Gewinnen von Weiterbildungsassistenten sowie um Gemeinschaftspraxen, damit Familie und Beruf verbunden werden können.

Man beschäftigte sich auch mit den Rahmenbedingungen wie dem Risiko, in Regress genommen zu werden und den Schwierigkeiten bei einer Zulassung. Weitere Themen sind eine bessere Zusammenarbeit von Krankenhäusern und Hausärzten sowie die Möglichkeiten, Patientenmobile zu schaffen. Ein Thema war auch das Image des Kreises, das gerade mit Blick auf Ärzte verbessert werden soll. Diezemann hatte aus den Gesundheitswerkstätten Anregungen für eine bessere Integration von Pflegeleistungen und für Unternehmensberatung in Praxen mitgebracht.

Michael Riese (Linke) sieht noch Bedarf, bei den Fachärzten für Nachwuchs zu sorgen. Das bestätigt Mischak, meinte aber, zur Zeit konzentriere sich die Arbeitsstelle der Kreisverwaltung auf Hausärzte. Das Stipendienprogramm solle auf Fachärzte ausgedehnt werden. Zudem versuche der Kreis, bereits jetzt eine Nachfolge für zwei Ärzte in Lauterbach zu finden, die im September aufhören. So organisiere man Treffen mit Ärzten und der Kassenärztlichen Vereinigung an, »das ist aber eigentlich nicht unsere Aufgabe«. Dr. Hans Heuser (CDU) pflichtete Mischak bei, dass der Kreis nicht für die Ärzteversorgung zuständig ist.

Dennoch sei das Stipendienprogramm wichtig, »das muss es uns wert sein«. Ingo Schwalm (SPD) sprach die unterschiedliche Bezahlung von Hausärzten und Radiologen an. Mischak korrigierte ihn, man dürfe die Arbeitsbedingungen nicht schlecht reden: »Es ist ein toller Beruf.«



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