30. März 2018, 19:03 Uhr

Naturschutz

Millionen für seltene Pflanzen

An wenig spektakulären Stellen werden die Millionen-Investitionen sichtbar. Das Naturschutzgroßprojekt soll Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere schaffen.
30. März 2018, 19:03 Uhr
Bachlauf mit Kurven, Sträuchern am Ufer und einem umgestürzten Baum im Wasser als Schutz für Fische: so soll sich die Schwalm über größere Strecken wieder entwickeln, hoffen Ruben Max Garchow und Michaela Fedeli. (Foto: jol)

Man muss schon genau hinschauen oder mit einem Experten unterwegs sein, um die Veränderungen in der Landschaft am Oberlauf der Schwalm zu erkennen. Zielsicher steuern Ruben Max Garchow und Michaela Fedeli auf einen Feldweg bei Meiches zu. Dort wird im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes in eine Furt durch den Bach investiert. Die alten Betonröhren wurden herausgerissen und ein stabiles Steinbett aus Geröll eingebaut. Nun können Bauern ebenso gut zur Wiese auf der anderen Seite gelangen wie etwas weiter oben über einen Übergang, der mit einem großen Betonrohr statt der alten kleineren Röhren ausgestattet ist.

Das Besondere sind die Steine, die in der Sohle der Röhre verankert sind. Alles hat das Ziel, Würmern, Larven und kleinen Fischen das Wandern im ganzen Bachlauf zu ermöglichen. Das Naturschutzgroßprojekt beruht auf der Zusammenarbeit von Landwirten, Förstern und Naturschützern. Gesteuert wird das Ganze über das Projektbüro mit den Leitern Garchow und Fedeli. Träger ist ein Verein, dem die Leiterin des Amts für Wirtschaft und ländlichen Raum vorsteht. Über zehn Jahre hinweg werden fast zehn Millionen Euro für Maßnahmen zur Verbesserung der alten Kulturlandschaft auf dem Vulkanmassiv ausgegeben. Die Projektdauer geht bis 2024. Garchow und Fedeli arbeiten eng mit Landwirten, Forstämtern und Naturschützern zusammen.

Das Projektgebiet umfasst stattliche 7590 Hektar Fläche, vor allem im Oberwald rund um Hoherodskopf und Taufstein. Eine große Fläche liegt nördlich von Köddingen zwischen Windhausen, Helpershain und Meiches. Dort sollen der Wald sowie der Oberlauf der Schwalm naturnah gestaltet werden. Ein Glücksfall ist für Garchow die Flurneuordnung Windhausen. Denn so kann man dem Ziel näher kommen, Uferstreifen aus der Nutzung nehmen. Dann können Sträucher und Erlen wachsen.

Garchow und Fedeli sind beim Rundgang an der Schwalm begeistert vom Abschnitt, wo Bäume ins Wasser ragen. Der Bachlauf schlängelt sich um die Baumgruppe, ein dicker Ast ist ins Wasser gefallen. Garchow: »Darunter könne sich Fische verstecken.« Durch die Kurven wird das Wasser gebremst, Kleintiere wie Würmer und Fliegenlarven finden bessere Bedingungen, die Fische finden Futter. Deshalb sind die früher weit verbreiteten Betonröhren verschwunden. An den glatten Wänden konnten die Kleintiere nicht wandern, was dazu führen kann, dass manche Arten aussterben.

Wenn noch Stufen da sind, dann kann die Groppe nicht weiterschwimmen. Groppe und Bachneunauge sind Fische, an denen Naturschutzingenieure wie Garchow erkennen, wie gut es dem Gewässer geht. Doch es geht nördlich von Köddingen nicht allein um Groppe und Köcherfliegenlarve. An den Ufern sollen sich Erlen ansiedeln, die dafür sorgen, dass nicht so viele Nährstoffe aus den Wiesen ins Wasser gelangen. Die Wiesen sollen in ihrer Vielfalt an Gräsern und Blumen aufgewertet werden. Ziel sind Bergmähwiesen, die Insekten mehr Nahrung bieten als intensiver genutzte Weiden. Diesem Ziel dient auch das Abräumen von Moos aus Schattenbereichen und der abschnittweise Rückschnitt von Hecken.

Manche Flächen werden gekauft, um sie als sogenannte Kernflächen unter Schutz zu stellen. In anderen Bereichen erhalten Bauern Zuschüsse, wenn sie extensiv wirtschaften und bei der Mahd viel Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Zudem sollen Kleingewässer angelegt werden

Im Wald plant Hessen Forst Schutzflächen, um seltenen Pflanzen und Tieren mehr Raum zu bieten. Dort geht es um das Stehenlassen von abgestorbenen Bäumen, um Höhlenbrüter zu fördern. Typische Bäume der Region wie die Buche werden geschont, Bäume, die natürlicherweise nicht vorkommen, werden nach und nach entfernt.

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