21. Februar 2018, 22:23 Uhr

Mistgabelattacke erneut vor Gericht

21. Februar 2018, 22:23 Uhr
Der Täter – mit Verteidiger Oliver Persch – räumt den Übergriff ein. (Foto: sha)

Eine Mistgabel, mit der immer wieder in Richtung des Bauches des Opfers gestochen wird. Dazu die gebrüllte Drohung: »Du fette Sau, ich stech dich ab!« Ein Szenario, das eindeutig klingt. Versuchter Totschlag, urteilten die Richter der Schwurgerichtskammer am Gießener Landgericht. In Verbindung mit einer seiner zahlreichen Vorstrafen verhängten sie dreieinhalb Jahre Gefängnis gegen einen Angeklagten aus Feldatal. Doch der 24-Jährige ist über ein Jahr nach diesem Urteil immer noch auf freiem Fuß. Grund dafür ist seine erfolgreiche Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Die dortigen Richter befanden, in der Gießener Entscheidung sei nicht ausreichend begründet, dass der Angeklagte wirklich vorgehabt habe, das Opfer zu töten. Deshalb müssen sich erneut Richter des Landgerichts mit diesem Gewaltausbruch vom Juli 2015 befassen.

Der klein gewachsene, schmächtige Vogelsberger, der sich am Mittwoch vor der Sechsten Großen Strafkammer verantworten musste, wirkte ohne Mistgabel nicht besonders gefährlich. Alles habe an den »Scheißdrogen« gelegen, und »zu viel gesoffen« habe er auch. Beides gehöre nun der Vergangenheit an, beteuerte der Feldataler. Laut Anklage hatte er vor dem Übergriff zwei Tage nicht geschlafen, weil er durch »Speed« und Alkohol aufgeputscht war. Von dem späteren Opfer – einem 56-Jährigen – hatte er sich nach eigenen Worten verfolgt gefühlt.

Dieser berichtete, der Angeklagte habe zuvor bei Nachbarn Mülltonne und Haustür mit einem Taschenmesser sowie Steinen beschädigt. Auch die Drohung »Ich stech dich ab!« soll dort schon gefallen sein. Der 56-Jährige war zufällig mit einem Pritschenwagen vorbeigefahren. Der Täter sei mit einem Motorroller zunächst davongefahren, dann aber umgekehrt und habe während der Fahrt an der Tür des Pritschenwagens gerüttelt. Als er angehalten habe, habe der junge Mann ihn mit dem Taschenmesser bedroht. Nachdem ein Gleichaltriger den Täter wegzerrt hatte, sei dieser später erneut mit der Mistgabel auf ihn losgegangen. Dabei habe der Angeklagte unentwegt geschrien.

Möglicherweise hätten die Rauschmittel am Tattag die Schuldfähigkeit des 24-Jährigen beeinträchtigt, sagte ein medizinischer Gutachter. Drogenabhängig sei der junge Mann jedoch nicht, da er nur phasenweise konsumiert habe. Als größeres Problem sieht der Arzt eine dissoziale Persönlichkeitsstörung des Mannes, der schon als Jugendlicher in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden war. Dem Vogelsberger, der bei seinen Großeltern lebt und gerade eine Ausbildung zum Schlosser macht, fehle eine therapeutische Begleitung. Am heutigen Donnerstag will das Gericht sein Urteil fällen.

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