19. Januar 2018, 20:49 Uhr

Fragen zum Sonntag

19. Januar 2018, 20:49 Uhr

Predigtwort zum Letzten Sonntag nach Epiphanias

»Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.« 2. Petr. 1, 16

Es darf ja auch einmal ein längerer Vers sein über diesen Fragen! Aber an diesem Wort kann man nichts streichen. Denn so ist es: Das sind doch keine Märchen ohne jeden Bezug zur Lebenswirklichkeit, die wir Christen erzählen! Das sind doch nicht bloß Fabeln, über die wir Pfarrer predigen. Wir haben doch die Kraft dieses Jesus Christus erfahren! Wir sind doch Zeuge für seine Macht in dieser Welt. Seine Herrlichkeit – erleben wir sie nicht täglich?

Mir gefällt dieses Wort! Es passt in dieses Zeit. Es gibt Antwort auf die ausgesprochenen und unausgesprochenen Fragen so vieler Menschen dieser Tagen. Ich höre diese Fragen oft, gerade vor Tagen wieder ganz konkret. Das hörte sich so an: »Für was brauchen wir die Kirche denn eigentlich noch? Ist die Kirchensteuer, die wir bezahlen, denn nicht viel zu hoch für das bisschen Beerdigung, das wir am Ende dafür bekommen?« Und wie oft höre ich sonst noch die Meinung: Eigentlich wäre die Mitgliedschaft in der Kirche doch überhaupt nur noch eine Frage des Geldes, der finanziellen Leistung und des erhaltenen Gegenwerts. Aber ich frage heute einmal zurück – und das hat dann eben mit den Worten über diesen »Fragen« zu tun: Ist das wirklich alles, was Menschen heute noch mit ihrer Kirche verbinden, dass für sie auch ein Beitrag bezahlt werden muss? Haben wir in unserer Kirche nicht auch wenigstens ein Stück der »Herrlichkeit Jesu Christi« gesehen und erfahren?

War und ist denn die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft der Christen wirklich für so viele Menschen immer nur eine leidige, vor allem: eine nur finanzielle Angelegenheit? Man könnte es manchmal wirklich meinen, wenn man die Reden an den Stammtischen und in den Kantinen hört! Und ging und geht »Christsein« in unserer Zeit wirklich in der Zahlung der Kirchensteuer auf? Man könnte es denken, wenn dann (nachdem die Kinder getauft und konfirmiert sind!) immer wieder die erste Gelegenheit wahr- genommen wird, diese »finanzielle Last« loszuwerden.

Warum wird bei den vielen tausend kirchlichen Mitarbeitern und auch den Pfarrerinnen und Pfarrern nur gesehen, dass sie auch ein Gehalt bekommen, dass sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen (und ja schließlich mit ihrer Arbeit im sozialen oder seelsorgerlichen Bereich wirklich verdienen!)? Und nehmen wir noch die Kirche als Gebäude: Verbinden sich mit dem Haus Gottes in unserer Nähe, das ja auch aus Kirchensteuermitteln erhalten wird, nur schlimme Erlebnisse und böse Erfahrungen, unter die man möglichst bald einen dicken Strich machen will? Gab und gibt es nicht auch noch andere Gedanken, die einem Menschen unserer Tage kommen, wenn er an die Kirche denkt, als dass sie auch etwas kostet?

Wissen sie, liebe Leserinnen und Leser, ich warte immer auf die Menschen, die da, wo so geredet wird und in dem Moment, wo so geredet wird, aufstehen und zum Beispiel auch einmal so sprechen: »Ich bin gern Christ und bin überzeugt, wenn es die Kirche nicht gäbe, dann würde diese Gesellschaft bald alle christlichen Werte an den »Fortschritt« und die moderne Zeit verhökert haben! Deshalb bin ich drin und unterstütze sie auch finanziell!«

Oder so: »Wenn ich damals, als es mir so dreckig ging, meinen alten Pfarrer nicht gehabt hätte, dann weiß ich nicht, was aus mir geworden wäre. Der hat sich so viel Zeit für mich genommen! Ohne Kirche und ohne Geld für die Kirche könnte es auch keine Seelsorge geben!« Oder so: »Was hat uns in den vielen Jahren, in denen unser Opa so krank war, die Gemeindeschwester so treu zur Seite gestanden! Die kriegt ihr Geld doch auch zum Teil von der Kirche, nicht auszudenken, wenn es die nicht gäbe!« Oder auch so: »Ich bin so froh, dass wir eine Kirche im Ort haben! Ich fühle mich wohl dort! Wie viel Trost und Freude ist mir dort schon geschenkt worden! Und unsere Familienfeiern: Wie viele gute Erinnerungen an Hochzeiten, Taufen und Konfirmationen! Ich möchte dafür auch etwas zahlen, dass ich eine Kirche in meiner Nähe habe!«

Sind das wirklich so wenige, wie es manchmal scheint, die in der Kirche und ihrer Arbeit auch wenigstens ein Stück von der Herrlichkeit dessen sehen, der hinter der Kirche steht: Jesus Christus? Wer spricht auch einmal von seinen guten Erfahrungen mit der Kirche?

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken!

Pfarrer Manfred Günther (im Internet: www.predigt-eichendorf.de

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