18. Januar 2018, 08:00 Uhr

Telekom

Im langsamsten Netz der Welt

Mit schnellem Internet kann man Arbeitsplätze abseits der Ballungszentren sichern. Theoretisch.Praktisch schaut Steuerberater Ernst-Ludwig Roth aus Wohnfeld in die Röhre
18. Januar 2018, 08:00 Uhr
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Von Joachim Legatis
Ärgert sich über langsame Datenleitung: Steuerberater Ernst-Ludwig Roth in seinem Wohnfelder Büro, aus dem er den Bildschirm wieder verbannt hat. (Foto: jol)

Die modernen Zeiten mit schnellen Datenleitungen zwischen den Büros gehen am Vogelsberg vorüber - zumindest an Wohnfeld. Bei der sehr mickrigen Übertragungsrate von 386 KiloBit pro Sekunde bangt Dr. Ernst-Ludwig Roth vor der technischen Weiterentwicklung. Denn der Steuerberater mit Büros in Wohnfeld und Frankfurt möchte gern weiterhin von seinem Wohnort aus arbeiten, aber schon ein Update des Computers muss auf das Wochenende verlegt werde, weil sonst nichts mehr geht. Nun hat Roth in seiner Funktion als Stadtverordneter eine Anfrage an den Magistrat der Stadt Ulrichstein gestellt, wann denn endlich mit dem schnellen Internet in der Großgemeinde zu rechnen ist. Denn ihm graust vor dem Gedanken, technisch weiterhin abgehängt arbeiten zu müssen. Das sei wie eine Behinderung, sagt er. Die Antwort ist nicht einfach. Denn schnelle Datenleitungen werden im Vogelsberg von zwei Dienstleistern eingerichtet. Privatkunden sollen an das Netz der Telekom angeschlossen werden, Gewerbegebiete an Glasfaserkabel der kreiseigenen Bigo (Breitbandinfrastrukturgesellschaft Oberhessen). Wie Dr. Roth bei der Bigo erfahren hat, gehört er mit seinem Steuerberatungsbüro in die erste Kategorie. Die Telekom-Leitung sei schnell genug für die Anbindung an den Dienstleister Datev (Genossenschaft zur Datenverarbeitung« mit über 40 000 Mitgliedern). Nur: Keiner weiß, wann der Anschluss kommt und ob er das Büro Roths am Ortsrand mit hoher Bandbreite anschließt. Denn der Verteiler wird wohl in der Ortsmitte aufgestellt, und je weiter ein Haus entfernt liegt, desto niedriger ist die Übertragungsrate. Das merkt Dr. Roth schon jetzt, »ich zahle für eine Bandbreite von 6000 KBit und habe nur 386,« kritisiert er. Die Folge ist, dass er im Vorjahr viermal die Arbeits-Computer zu seinem EDV-Anbieter im Landkreis Gießen transportieren musste, damit Programm-Erweiterungen und Verbesserungen mit einem Update aufgespielt werden konnten. In dem Frankfurter Büro sei das ebenso wie die Fernwartung problemlos über die Anschlüsse möglich.

»Die Anwendungen werden immer umfangreicher, das geht nur noch mit schnellen Datenleitungen,« betont Dr. Roth. So setzt auch der Dienstleister Datev künftig auf Künstliche Intelligenz und das Speichern von großen Datenmengen in zentralen Rechnern.

Um darauf zugreifen zu können, muss eine gute Übertragungsrate sein. Roth war noch im vergangenen Jahr guten Mutes, weil der Ausbau des Breitbandnetzes zugesagt war. »Ich habe mich darauf verlassen, dass das kommt und bin nun etwas geschockt, dass es nicht so funktioniert.«

Die Alternativen sind nicht so verlockend, wie Roth anfügt. Eine Funklösung oder das Arbeiten mit LTE sei wegen Bedenken zur Datensicherheit und wegen der schwankenden Bandbreite »nicht praktikabel«.



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