09. Januar 2018, 18:53 Uhr

Bürgerhilfe kann Leben retten

Das Alter in den eigenen vier Wänden genießen und bei Bedarf Hilfe von aufmerksamen Nachbarn bekommen – so sieht der Traum vieler Ruheständler aus. Das klappt aber nicht immer. In Homberg will man nachhelfen.
09. Januar 2018, 18:53 Uhr
Wie kann eine sinnvolle Bürgerhilfe aussehen? Darüber informieren Christina Stettin (l.) sowie Hildegard Krähling (Mitte) und rechts daneben Burkhard Wachtel. (Foto: jol)

Oft fehlt älteren Menschen eine Unterstützung bei Alltagsdingen. Hier greift im Nachbarkreis Marburg-Biedenkopf die Bürgerhilfe Amöneburg ein. Ehrenamtliche ersetzen »aufmerksame Nachbarn« und kümmern sich um ältere Ortsbewohner. Sie lesen aus der Zeitung vor, helfen in der Küche und chauffieren einen zum Arzt. Das vorbildliche Modell stellten am Montag drei Vertreter der Bürgerhilfe im Familienzentrum Homberg vor. Und der Besuch von 50 Gästen zeigt, wie groß das Interesse ist.

Das wird bei der Stadt auch so eingeschätzt, wie Bürgermeisterin Claudia Blum sagte. Die Debatte im Stadtparlament wird zurzeit geführt und sie hofft auf die Gründung eines Bürgerhilfe-Vereins als künftiger Träger der Aktivitäten. Das begrüßt Christiane Enders vom Familienzentrum. Denn es würden zunehmend ältere Menschen ohne betreuende Angehörige in der Großgemeinde leben. Da sei eine Initiative wie die Bürgerhilfe wichtig, die Aufgaben übernimmt, die nicht durch professionelle Pflegekräfte abgedeckt werden. Die Einladung ging übrigens vom Seniorenbeirat Homberg aus, sagte Enders.

Alles kann die Bürgerhilfe nicht leisten, wie aus dem Vortrag von Christina Stettin (Amöneburg) hervorging. Aber Unterstützung im Alltag kann sie schon bieten. Die Senioren melden sich bei Christina Stettin als Mitarbeiterin im ehemaligen Schwesternheim Mardorf. Diese fragt bei den 140 Bürgerhelfern, wer freie Kapazitäten hat. Die Stunde wird dann mit zwölf Euro abgerechnet.

Über die Bezahlung der Tätigkeit gab es eine kurze Diskussion in der Versammlung, denn manche Nachbarschaftsvereine bieten Unterstützung für Senioren über ein Punktesystem und ohne Entlohnung an. Burkhard Wachtel meinte, die Bezahlung sorge dafür, dass sich Klient und Bürgerhelferin »auf Augenhöhe begegnen«. Im alten Schwesternhaus werden mehrere Angebote für Senioren vorgehalten, vor allem für Menschen mit beginnender Demenz. So gibt es Bewegungsgruppen und den Mittagstisch. Beim Essen können ältere Menschen in die Einrichtung hineinschnuppern. Wichtig ist das ehrenamtliche Organisationsteam, betont Stettin. In der geselligen Runde baue sich Vertrauen auf, damit die älteren Leute sich trauen, bei Bedarf um Unterstützung bitten. Dann greift die Bürgerhilfe, an der 140 Helfer beteiligt sind. Sie unterstützen zurzeit etwa 130 Personen, wie Stettin sagte. Die vielen Bürgerhelfer wurden in sieben Lehrgängen vorbereitet. Unter anderem ging es darum, wie man mit einem Menschen umgeht, der eine beginnende Demenz hat. Auch rechtliche Fragen und Grundlagen der Hauswirtschaft sind Themen, fasste es Stettin zusammen. Die Tätigkeit bringt auch den Bürgerhelfern etwas, wie Hildegard Krähling vom Verein betonte. »Ich gehe raus und habe das Gefühl, jemandem etwas Gutes getan zu haben.« Zudem kann diese Art der Unterstützung sogar lebensrettend sein, wie Burkhard Wachtel ergänzte. So hat ihm ein Mann berichtet, wie gut die Bürgerhelferin bei einem Erstickungsanfall seiner Mutter reagiert hat. Sie organisierte Hilfe. »Ohne sie wäre meine Mutter erstickt«.

Dabei biete man Unterstützung, ohne Pflegediensten etwas wegzunehmen. Stettin, Wachtel und Krähling betonen, wie wichtig die Unterstützung durch eine Stabsstelle beim Landkreis war. Dadurch sind Unsicherheiten beseitigt worden. Die Seniorenarbeit wird von der Stadt mitfinanziert. Kreisseniorenbeauftragte Rosemarie Müller verwies auf die Angebote im Kreis. Krähling hat einen Wunsch: Ähnlich den Planungen für Kindergärten soll es für Senioren eine Rahmenplanung in den Kommunen geben.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Claudia Blum
  • Claudia Blum (Homberg)
  • Demenz
  • Eigenheimbesitzer
  • Homberg
  • Nachbarn
  • Rosemarie Müller
  • Ruheständler
  • Träume
  • Vogelsberg
  • Joachim Legatis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos