09. Januar 2018, 08:00 Uhr

Diabetes

Gefahr für Auge und Fuß

Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes – Tendenz steigend. Auch im Vogelsberg.
09. Januar 2018, 08:00 Uhr
legatis_jol
Von Joachim Legatis
Diabetiker müssen genau auf den eigenen Körper achten, um Folgeschäden zu mindern, sagt Diabeteslotse Rainer Dastig. (Foto: jol)

Für Menschen wie Rainer Dastig ist jeder Tag Diabetes-Tag. Seit bei ihm im Jahre 2001 die Stoffwechsel-Erkrankung festgestellt worden ist, beschäftigt sich der Schottener intensiv damit. Inzwischen ist er Diabetes-Lotse, also ehrenamtlicher Berater des Vereins Diabetiker Hessen. »Wir kämpfen, damit Diabetiker ihr Recht bekommen,« erzählt Dastig im Gespräch. Von denen gibt es immer mehr, weil sich eine ungesunde Lebensweise ausgebreitet hat.

In Deutschland gab es 2016 rund sechs Millionen festgestellte Diabetiker. Schätzungen zufolge liegt ihre Zahl deutlich höher, weil die Krankheit oft erst spät diagnostiziert wird. Darunter sind übrigens knapp zehn Prozent Typ-1-Diabetiker, bei denen eine körpereigene Reaktion die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zerstört hat.

90 Prozent der Betroffenen haben den Typ 2 und sind meist über 50 Jahre alt und übergewichtig. »Die Zahl der Diabetiker steigt täglich,« fasst Dastig die drastische Situation zusammen. »Das ist unsere Fast-Food-Gesellschaft. Wir essen zu viele Kalorien und zu viel Fett, damit es schmeckt.«

Deshalb steigt auch die Erkrankungsrate etwa in China mit zunehmendem Wohlstand besonders rasant. Bei ihm selbst war es eine schwere Bandscheibenschädigung als Spätfolge von zu starker Rückenbelastung in der Jugend, die ihn in den Rollstuhl zwang. Dadurch nahm er zu und dann kam die Diabetes, die den lebenslustigen Schottener seither beschäftigt.

Der 68-Jährige engagiert sich im Verein der Diabetiker Hessen, um andere Betroffene zu unterstützen. Es sei wichtig, dass man sich vernünftig verhält, um schwere Folgeschäden wie Erblindung oder eine Fußamputation zu verhindern. Nach der Diagnose hat er aber festgestellt, »dass man als Betroffener oft alleine da steht«.

Viele Hausärzte hätten nur wenig Kenntnisse über die weit verbreitete Erkrankung. Gefordert sind Diabetologen, von denen es im Vogelsberg einen in Freiensteinau sowie je einen an den Krankenhäusern Alsfeld und Lauterbach gibt. Deshalb setzt Dastig auf Informationen bei den monatlichen Diabetiker-Stammtischen.

Diabetes sei bei »jedem anders«, sagt er. Die Betroffenen müssen besonders auf die Ernährung achten, weil ein hoher Zuckergehalt im Blut die kleinen Adern und Nerven verklebt, wie er erläutert. Deshalb seien besonders die Äderchen und Nervenenden in Auge und Füßen betroffen.

Man müsse genau auf seinen Körper achten, um anfangs schwer erkennbare Augenschäden zu verhindern. Viele Diabetiker müssen später an die Dialyse, weil die Nieren durch die Medikamente geschädigt werden. »Man kann mit Diabetes alt werden, wenn man sich vernünftig ernährt und sich bewegt,« fasst er die Ratschläge zusammen.

Diabetiker Hessen ist als Lobby für die Betroffenen aktiv. Denn Ärzte würden oft zu wenige Teststreifen verschreiben, mit denen Diabetiker den Blutzuckergehalt testen. Auch in der Frühphase der Erkrankung müsse man regelmäßig das Blut untersuchen, um den Verlauf zu dokumentieren, betont Dastig.

Er rät, eine Schulung zu besuchen, die meist von Diabetologen angeboten wird. Gute Fußpflege sei wichtig, Podologen verhindern Wunden, die schwere Folgen haben können »Dann kann man die Lebensqualität erhalten,« strahlt Dastig.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos