05. Januar 2018, 22:11 Uhr

Fachtag zum Thema »Autismus neu verstehen«

05. Januar 2018, 22:11 Uhr
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Aus der Redaktion

In der Fachschule für Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik fand dieser Tage ein Fachtag zum Thema »Autismus neu verstehen« statt. Referent Klaus Kokemoor gab dazu eingangs ein kleines Beispiel: Ein Junge im Kindergartenalter liegt auf dem Boden und hat Waggons aneinandergereiht. »Für ihn soll der Zug nirgendwo hinfahren, es gibt keine Geschichte dazu, Niklas freut sich einfach an der Reihe Wagen und die sollen bei ihm bleiben.«

Das autistische Kind liebe Rhythmus, ihm fehlen innere Bilder, also suche es die im Äußeren. Der Anblick von Rhythmus führe zu einem guten Gefühl. Der Referent arbeitet seit 17 Jahren mit autistischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, seit 2000 in der Ambulanz für autistische Kinder Hannover.

Mit zahlreichen Videoaufnahmen aus dem Umgang mit autistischen Kindern in Tagesstätten oder aus eigenen Therapiestunden macht er deutlich, worauf es grundsätzlich ankommt: Die Interaktion, das Aufeinander-Bezugnehmen und In-Beziehung-Kommen. Das autistische Kind konstruiere sich in seinem besonderen Verhalten eine eigene Vorstellung von der Wirklichkeit.

Für seine Eltern ist diese eigentümliche Auseinandersetzung mit der Welt eine hohe Belastung, da es dem Kind aus seinem Erleben heraus schwer fällt, mit anderen zu kooperieren. »Es ist häufig wie eine Begegnung mit einer anderen Kultur«, sagt der Fachmann. Hinzu komme beim frühkindlichen Autismus oft noch die Sprachlosigkeit, was die Kontaktaufnahme zusätzlich erschwere.

Kritisch sieht er die Tatsache, dass eine Diagnose oft erst im Alter von drei bis fünf Jahren gestellt werde – »die fehlende Fähigkeit zur Beziehungsaufnahme wäre schon sehr viel früher zu erkennen«, sagt Kokemoor.



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